Roland, wie gehst Du dabei genau vor?

@ Andreas
Da gibt es natürlich kein Rezept und natürlich keinen Tipp, der für jede Lerngruppe zutreffen könnte.

Ich verweigere erstens fast immer den Schülern gerade die strukturierten und alles (scheinbar!) klar stellenden Tafelbilder, die man in der Referendarzeit so eingebläut bekommt. Die verhindern geradezu, dass sich die Klasse intensiver mit der Fragestellung auseinander setzt. Solche Tafelbilder setze ich äußert sparsam nur noch da ein, wo ich es in Bezug auf einen Stoffbereich und auf diese eine Klasse, wo das gerade ansteht, für sinnvoll halte. Und selbst dann versuche ich, diese Tafelbilder nicht nach meinem Entwurf anzufertigen, sondern nach dem, was aus der Klasse kommt – und sei es auch ganz anders, als es meinen Vorstellungen entspricht…

Überhaupt ist inzwischen mein Gundprinzip, nicht zuerst auf den Lehrplan oder den Stoff zu blicken, sondern zuallererst mal zu erforschen, was gerade diese Klasse wie braucht: Das kann man keinem vermitteln, sondern es bedarf jahrelanger, wenn nicht sogar jahrzehntelanger Erfahrung darin, sich in Klassen als ganze und darin noch in einzelne Schüler(-gruppen) einzufühlen. Für jede Gruppe ist etwas ganz anderes wichtig – und oft ist das nicht gerade das, was der Lehrplan vorsieht. Dann nehme ich mir die Freiheit, eben den Lehrplan mal hintan zu stellen oder nur kurz „abzuhaken“, um dann für das, was mir gerade wesentlich erscheint, mehr Zeit und Freiraum zu haben. Aber natürlich ist das hier so in ein paar Worten nicht zu vermitteln und klingt vielleicht sogar hochnäsig (oder gar nach einem Lehrer, der sich um die Arbeit drückt!). SO IST DAS NICHT GEMEINT! Aber sobald man sich als Lehrkraft mehr Freiraum zugesteht (den man im System sehr wohl hat – zumindest unter den meisten Schulleitern), eröffnen sich mit der Zeit neue Möglichkeiten…
Übrigens: All dies (und noch viel mehr) verdanke ich v.a. jahrzehntelangem Unterricht nach LdL: Erst dabei habe ich wirklich gelernt, mich in das hinein zu denken, was die Klasse gerade braucht.
Aber um gleich Missverständnissen vorzubeugen: Auch ich unterrichte nicht nur nach LdL! Und auch ich unterrichte im G8 spürbar weniger nach LdL! Dennoch hat der viele LdL-Unterricht meine gesamte Lehrerpersönlichkeit und meine Art, Unterricht zu halten, grundsätzlich total verändert, auch dann, wenn ich gerade nicht nach LdL unterrichte…

Roland Graef

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