Erfolgreiche Problemlöser.

1983 erschien von Dörner & al. eine Untersuchung über das Verhalten von Probanten, die als Bürgermeister eine Computerstadt verwalten sollten. Die fiktive Stadt hieß Lohhausen und das Buch: „Lohhausen – Vom Umgang mit Unbestimmtheit und Komplexität.“ Das Werk hat mein Denken und mein Handeln stark geprägt, bis heute.

Hier ein längerer Auszug (S.319):

Um im Lohhausen-Versuch erfolgreich abzuschneiden, muss man die Instruktion verstehen und die Vielzahl der verfügbaren Daten – durch Ordnen strukturiert und reduziert – im Gedächtnis verfügbar halten. Man muss die vorhandenen Problemfelder aktiv suchen, in ihrer Bedeutung erkennen und sich ein zutreffendes Bild von ihnen verschaffen. Man muss sich über die eigenen angestrebten Ziele klar werden und nach richtig dosierten, geeigneten Massnahmen suchen, um sie zu verwirklichen. Man muss Planen und Entscheiden, dann aber auch tatsächlich handeln. Man muss die Trends von Verläufen in der Zeit erkennen und zutreffende Hochrechnungen erstellen. Man muss eventuelle Nebenwirkungen der beschlossenen Maßnahmen analysieren, die Effekte der Eingriffe kontrollieren und gegebenenfalls auch korrigieren. Und das alles muss im Rahmen des zur Verfügung stehenden Zeit-Budgets erfolgen. Darüber hinaus muss man damit zurecht kommen, dass der Kenntnisstand stets unvollständig bleibt, dass stets mehrere, verschiedene Probleme gleichzeitig anstehen (deren Lösungsversuche sich in Zielkonflikten wechselseitig behindern können), dass es keine eindeutige, „ideale“, im mathematischen Sinne richtige oder falsche Lösung der Probleme gibt, und dass sich alles dynamisch in der Zeit verändert und weiterentwickelt, selbst, wenn man nicht eingreift. Schließlich muss man aus den Beziehungen (der Semantik) der verfügbaren Daten dasjenige an eigenen Kenntnissen und Erfahrungen aktivieren, das erforderlich ist, um sich in dem Realitätsbereich zu orientieren; aber auch, um neue, adäquate Lösungen zu finden. Dabei werden neben intellektuellen auch rein soziale Bereiche (etwa die Bedingungen für Zufriedenheit) angesprochen.

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12 Antworten

  1. technokratie?

  2. @Filterraum
    Supernuetzlich. Wenn es technokratie ist, dann finde ich technokratie nützlich.

  3. SimCity 🙂

  4. @oliver

    ja genau, Sim(ulator)

  5. Bei Dörner geht es darum, die Eigenschaften „erfolgreicher Problemlöser“ herauszufinden. Es geht also nicht darum, wie man eine fiktive Stadt kontrolliert, sondern darum mit welchen Maßnahmen man dafür sorgen kann, dass sich die Bewohner wohlfühlen, wobei von Anfang an klar ist, dass man einen guten Zustand nur annäherungsweise erzielen kann. Und die von Dörner hervorgehobenen Eigenschaften erfolgreicher Problemlöser sind ua.
    # Exploratives Verhalten
    # Reichhaltige kognitive Landkarte
    # Heuristische Kompetenz
    # Selbstsicherheit

  6. ich hab vor einem jahr die logik des misslingens von Dörner gelesen, um es wirklich zu adaptieren, würde ich gern mal an so ein experiment mit machen. er schreibt es langweilig.

  7. @Jutta
    Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um mich in „Lohhausen“ einzulesen, aber das Buch wurde für mein Denken und meine wissenschaftliche Arbeit entscheidend.

  8. von vester gibt es ecopolicy
    http://www.frederic-vester.de/deu/ecopolicy/

    michael wesch experimentiert wohl auch mit ähnlichen konzepten, da weiß @cervus glaub ich mehr (der hat ja letztens wesch besucht)

  9. @Filterraum
    Ja, Vester ist auch ein guter Mann. Danke für das Video.

  10. @jeanpol

    ich fragte deshalb anfangs nach „technokratie“.

    vester schrieb zwar mal das buch „Neuland des Denkens. Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter“
    http://www.amazon.de/Neuland-Denkens-technokratischen-kybernetischen-Zeitalter/dp/342102703X

    aber wie soll so was aussehen in einer kapitalistisch demokratischen durch gier gesteuerten welt?

    aus meiner sicht ein dilemma

  11. @Filterraum
    Ich bin ueberfragt. Doerner ist in der kognitionspsychologie beheimatet.

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