Wissenschaft als Organisation kollektiver Reflexion.

Resume Immer schon war Wissenschaft kollektive Reflexion. Allerdings mit sehr wenigen Beteiligten. Mit dem Internet kann alles anders sein!

1. Ausgangspunkt

In früheren Zeiten forschten Menschen allein oder in kleinen Gruppen. Die Denkressourcen waren entsprechend begrenzt. Wollte man ein bestimmtes Problem angehen, so steckte man einen Erfahrungsraum ab und untersuchte ein paar Variablen. In der Unterrichtsforschung beispielsweise führte man eine Studie von zwei Monaten über die Interaktion Schüler-Lehrer in einer Klasse durch, indem man versuchte, einige Korrelationen zwischen Lehrerverhalten und Lerneffekten herzustellen. Der Ertrag dieser „kollektiven Reflexion“ war entsprechend mager. Der Forscher veröffentlichte die Ergebnisse, beklagte sich über die mangelnde Resonanz aber hatte einen Titel mehr auf seiner Publikationsliste. Der Optimierungseffekt für die Praxis war gleich Null.

2. Wissenschaftler als Organisator kollektiver Reflexion

Mit dem Internet wird die Möglichkeit eröffnet, Hunderte von Menschen bei der Behandlung von Problemen einzubeziehen, insbesondere solche, die in der Praxis stehen und ein hohes Interesse an der Lösung der Probleme haben. Die Aufgabe des Forschers ist dann nicht mehr, dass er selbst vor Ort Daten erhebt, die er in seinem Dienstzimmer in Einsamkeit auswertet, sondern dass er möglichst viele Menschen zusammenbringt, Denkimpulse aussendet, Plattformen zu forschungsbezogenen Interaktionen anbietet, Experimente vor Ort anregt und seine Kollegen als Mitforscher „einspannt“ und den ganzen Reflexionsprozess zielbezogen anleitet und organisiert.

Fazit Auch wenn die Metapher inzwischen abgegriffen ist: der Wissenschaftler sollte Cortex-Aufgaben in einem Makrogehirn übernehmen, das er sich allerdings im Vorfeld selbst schaffen muss.

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53 Antworten

  1. Wissenschaftler ist leider extrem wirkungslos.

    Warum?

    Weil der Wissneschaftler nach Formeln sucht für Lösungen.

    Und das in einem chaotischem Zeitalter.

    Quintessenz?

    Probieren. Machen. Anpacken. Querdenker dazuholen. Lust zu haben, Unrecht zu haben.

    Festungen niederreißen….und und und….

  2. @Adi
    „Probieren. Machen. Anpacken. Querdenker dazuholen. Lust zu haben, Unrecht zu haben. Festungen niederreißen….und und und….“
    – Machen wir doch gerade!

  3. @Jean-Pol
    Das was Du machst, machst Du wunderbar.
    Du gibst 100%.
    Klasse.
    Was wollte ich mitteilen?
    Das Leben etwas doofer angehen könnte viel intelligenter sein……Abenteuer durch konkrete, sichtbare Projekte…..Ghettos der Wissenschaft auflösen und mischen mit Probierern.
    Nun, jetzt habe ich längst die Grenze von Web 2.0 erreicht. Das nervt. Egal, was und wieviel ich schreibe, ich habe das Gefühl, daß ich es nicht mitteilen kann, was ich meine….tja, die Welt außerhalb von Web 2.0 ist doch nicht zu ersetzen. Noch nicht….;-)

  4. @Adi
    Do, be, do, be, do… Anders ausgedrückt: man ist, was man tut!.-))

  5. Hast du ein Beispiel für ein (Bildungs-)Problem, das Hunderte von Menschen gemeinsam im Web gelöst haben? Ich glaube nämlich nicht (mehr) dran. Es wird viel diskutiert im Web – aber welche Probleme werden gelöst? Ich habe eher den Eindruck, dass wir uns hier gegenseitig Anregungen geben können, Positionen kritisieren können usw. – Probleme lösen wir nach wie vor doch eher außerhalb des Webs, durchaus bereichert durch die Anregungen aus dem Web.

  6. @cspannagel
    Ich habe geschrieben: „…bei der Behandlung von Problemen einzubeziehen, insbesondere solche, die in der Praxis stehen und ein hohes Interesse an der Lösung der Probleme haben.“
    Ich wiederhole: „bei der Lösung von Problemen einzubeziehen“. Du bist gerade dabei, uns bei der Lösung deiner Probleme einzubeziehen. Und jeder bemüht sich sehr, dir zu helfen, auch wenn du uns die Sache nicht leicht machst. Andererseits lernen wir alle bei diesem Prozess, insofern ist es kollektive Wissenskonstruktion. Ob im Netz Anregungen geliefert werden und die Probleme außerhalb des Netzes gelöst werden spielt keine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass wir durch die unzähligen Interaktionen zum Denken (und Problemlösen) angeregt werden. Und gerade habe ich einen Workshop Philosophie hinter mir, wo wir wieder gemeinsam gut vorangekommen sind. Das läuft ganz und gar mithilfe einer Wiki- und Mixxt-Plattform und wir treffen uns alle 14 Tage seit 5 Monaten per skype. Auch das ist intensive Bildungsarbeit. Ohne Netz und Plattformen wäre es gar nicht möglich.

  7. @cspannagel
    Und weil es mir gerade noch einfällt: an der Wikipedia arbeiten Hunderte von Menschen, sie erstellen kollektiv hochrelevantes Wissen. Das ist auch eine Form von Problemlösung.

  8. @jeanpol Ich tausche mich mit einigen wenigen Personen aus, nicht mit hunderten. Und Wikipedia ist ein ausgezeichnetes, besonderes, herausragendes Beispiel, das man nicht einfach kopieren kann.

    Ich sehe diese Vorteile ja auch, sie werden mir hier nur zu optimistisch dargestellt. Welche Schwierigkeiten siehst du denn dabei?

  9. @cspannagel
    Die Schwierigkeiten sehe ich darin, dass du in deiner Kritik dieser Medien den Akzent auf einen Punkt setzt, der aus meiner Sicht ganz periphär ist, nämlich die „Lobhudelei“, also die Tatsache, dass man dir ein verzerrtes Bild der Realität als Feed-back wiedergibt. Es ist für dich und uns alle einfach, eine Korrektur vorzunehmen und den positiven Überschuss in den Rückmeldungen wegzudenken. Mit deinem Blogeintrag hast du aber jedes spontane feed-back unmöglich gemacht, zumindest von mir. Wir werden uns immer fragen, ob unser Kommentar sachlich und kritisch genug ist. Man ist nicht mehr frei und lässt es lieber sein. Insofern bist du deinem Ziel, ehrliches und authentisches Feed-Back zu erhalten, nicht näher gekommen, im Gegenteil. Das sind die Schwierigkeiten, die ich bei deinem Vorgehen sehe.

  10. …. vielleicht etwas off-topic und wirr vorgebracht, mir liegt es jedoch am Herzen, deshalb versuche ich es in diesem Zusammenhang.

    Aus meiner persönlichen Geschichte.

    Ich habe mein Leben lang Menschen gesucht, die sich mit mir intellektuell, psychisch und körperlich austauschen. Zu finden waren für mich nicht einmal solche, mit denen es in einem einzigen Aspekt geklappt hätte.

    Dann kam das Internet. Und ich (denke ich habe ein bisschen besser) gelernt zu kommunizieren.

    Die Folge: Intellektueller Austausch (Wissenschaft!) über’s Netzt (z.B. die philosophische Runde, die mir hier sehr viel Freude gibt), und die Möglichkeit, Aspekte von Menschen „mitzukriegen“, die ich so bisher nicht mitbekommen habe (da im Alltag nicht so sichtbar).

    Aus diesen Kontakten und Nebenbei-Eindrücken hat sich mittlerweile die eine oder andere wirklich reiche „Beziehung“ entwickelt, mit denen ich auch die anderen Punkte leben kann. Dieses „reichhaltige“ Erleben glaube ich jedoch, ist so reichhaltig, dass (zumindest) ich nicht über „fünf“ hinauskommen kann (Kapazität).

    Womit ich nicht sagen will, dass ich jemals schon fünf „reichhaltige“ Kontakte zu einem Zeitpunkt in meinem Leben gehabt hätte…. 😉

    Kann mir noch jemand folgen, oder … soll ich es nochmals auf andere Art und Weise zu kommunizieren versuchen… oder einfach lassen und genießen?

    Einen schönen Tag auf jeden Fall wünscht euch allen

    Eure mons7

  11. @monika
    Ja, wir können dir folgen!:-))

  12. @cspannagel „Hast du ein Beispiel für ein (Bildungs-)Problem, das Hunderte von Menschen gemeinsam im Web gelöst haben?“

    Wenn du nur die Messlatte nicht zu hoch hängen würdest – Hunderte ;=((.

    Ich liebe kleine Schritte und freue mich, wenn ich regelmäßig 10 ältere Erwachsene zu Web-Aktivitäten motivieren kann. Dabei lösen wir schon Bildungsproblemchen und vor allen Dingen sind unter den 10 auch MultiplikatorInnen, die wieder andere aktivieren usw. usw.

    Wenn ich sehr optimistisch bin, löst der Stein, den ich ins Wasser werfe, schon einige Wellen aus. Vielleicht sogar hundert(e)? ;=)).

  13. @jeanpol
    du müsstest eigentlich sagen „ja monika, ICH kann dir folgen“.

    @monika
    ich kann dir auch folgen, genauso kann ich Adi Kreft folgen .

    @christian
    ich kann dir nicht folgen, aber ich versuche dich zu verstehen, also was gerade mit dir los ist. kein leichtes unterfangen.

  14. @jeanpol

    „„Lobhudelei“, also die Tatsache, dass man dir ein verzerrtes Bild der Realität als Feed-back wiedergibt.“

    was verstehst du denn unter „realität“?

    ich für meinen teil kann nur inkohärenzen in wirklichkeitskonstrukten aufspüren, wobei ich „vorne“ und „hinten“ jeweils axiome in der kette akzeptiere.

  15. @jeanpol
    Ich bin der Meinung, dass Internet kommt einem autopoiesischem System (Maturana, Varela) sehr Nahe. Lässt man sich auf dieses Gedankenspiel ein, bedeutet dies, dass es sich um einen auf sich selbst bezogenen Raum handelt, der sich selbst aus sich selbst heraus organisiert.

    Was bedeutet das konkret…?

    Maturana und Varela bemerkten (s. Wikipedia Autopoiesis), dass biologische Systeme (Tiere, Menschen, Pflanzen) zwar Komponenten aus der Umwelt aufnehmen, aber sofort auf für sie verwertbare Stoffe herunterbrechen. Substanzen, die für die Selbstreproduktion jedoch unwesentlich sind, werden vom Organismus ignoriert.

    Ähnliches könnte für das Internet gelten, es werden zwar wie auch immer geartete Impulse von außen aufenommen und in bestimmte Netzcommunities hineingetragen, aber dadurch, dass dies NUR durch Menschen mit einer gewissen Grundaffinität zum Netz, also durch Träger dieses Netzes selbst geschehen kann – besteht eine hohe Gefahr, dass nur die Teile im Internet diskutiert und eingebracht oder gar gelöst werden, die der Selbstreproduktion der Netzgemeinschaft gelten. Der Rest wird „ignoriert“…

    @cspannagel
    Ich finde es folgerichtig, wenn Du schreibst:
    „Ich sehe diese Vorteile ja auch, sie werden mir hier nur zu optimistisch dargestellt. Welche Schwierigkeiten siehst du denn dabei?“

    Du bewegst Dich in einer Community von Netzoptimisten, die vermutlich Schwierigkeiten haben können/müssen (das schliesst mich ein…) eine echte kritische Haltung zum Netz zu zeigen und aufzubauen. Die echte Diskussion über vor und Nachteile des Internets – muss von daher „außerhalb“ des Netzes gesucht werden – auch und gerade mit Menschen, die das Netz nie betreten würden…

  16. @Niederfuchs
    Einverstanden. Aus meiner Innensicht beschreibe ich den Mehrwert, den ich für mich und meine Koinsassen zu erkennen glaube. Ob alle Aktivitäten im Wesentlichen auf die Selbsterhaltung dieses Systems gerichtet sind, stelle ich allerdings in Frage. Unser Ziel ist Wissen zu konstruieren und dabei muss a) die dafür gebildete community bis zur Erreichungt des Zieles am Leben bleiben und b) am Ende ein Wissensprodukt effektiv vorliegen. Im Philosophie-Workshop beispielsweise sollte jeder am Ende einen Überblick über die wichtigsten Positionen verinnerlicht (also bei Bedarf verfügbar) haben.

    @Michael
    In der Tat. Die „Realität“, die ja diffus ist und immer nur eine Momentaufnahme, muss man sich selbst aufgrund der zahlreichen Impulse – seien es positive oder negative feed-backs – konstruieren.

  17. Ja, Jean-Pol, Du liegst, besser: Du stehst richtig, nämlich im gegenwärtigen (medienkulturell definierten) lebensweltlichen Kontext der Jetzt-Gesellschaft, der zugleich das Feld bildet, das wir explorieren. Viele soziale Lernumwelten schnell und einer großen Masse anbieten, das schafft Gruppen, soziale Handlungen und damit Bildungspotentiale. Comenius‘ Postulat „Omnes omnia omnio“ ist in dieser Dimension nun einlösbar.

    Inwiefern die „Weisheit der Massen“ auf die Qualität von Problemlösungsprozessen wirkt, ist eine Frage anderer Natur. Mein Focus liegt vielmehr auf der Annahme, dass mit dem Scientific Crowdsourcing stets ein Scientific Flashmobbing, ein schnelles Generieren handelnder, lernender und forschender Gruppen einhergeht.

    Die Chance, aber auch das Problem liegen im Paradigmenwechsel von der linearen, gar urtümlich transgenerationalen kulturellen Wissenstradierung hin zur Echtzeit-Wissenskommunikation, die reine Masse ist dabei zunächst kein Parameter für den Output: Leistungskritisch ist nicht die Zahl der beteiligten Peers (in der Masse aus Christians Follower-Crowd finden sich lediglich 2-3 Hauptmeinungen; diese Reflektionsleistung hätte, auf Zeit, ebenso von einer Hand voll Autoren erbracht werden können). Die ersten Reaktionen wären auf einem Symposium in 6 Monaten erfolgt, die erste Replik wäre in 8 Monaten publiziert worden … Großes Lob zeichnet sich mit Drittmittelsegen dann in 2 Jahren ab, in 10 Jahren hätte den gefeierten Junioren ein Ruf auf W3 ereilt etc.

    Der Output in der Prä-Internetära wäre vielleicht in der Summe für den Hauptkommunikator und den beforschten Topos gleich, nicht jedoch für die Gruppe. Der soziale Bildungsbenefit, der Impact, der nur durch den Aufbau individueller Wissens- und Erlebensstrukturen erzielt wird, gründet auf Beteiligung. Die Zahl der von Studierenden eingereichten BA/MA-Arbeitsvorschläge, die indirekt von einer Befassung mit und Beobachtung/“Verfolgung“ von Christian oder vergleichbaren Netzakteuren motiviert sind, wäre ein Messbarkeitskriterium. Und diese Anzahl, da bin ich sicher, wäre Legion.

    Und diese Beteiligung muss sich Ad-Hoc vollziehen, sonst zieht die Bildungskarawane weiter und findet falsche oder gar keine Lehrer. Die Echtzeit und Gleichzeitigkeit ist also das Ding.

    Der Synchronizität des Response, die schnellere Ergebnisse zeitigt, ist allerdings mit dem Zwang zur 1:n-Reaktion in der Laufzeit eine gewisse wissenschaftliche Tragik geschuldet: Die Totaliät der Kommunikation (Christians legendär kanonische Tweets „Guten Morgen (Ihr Leut)“, „Klausuren korrigieren“ … zeugen davon) ist der Preis. Christian hat sich, als Repräsentation des wissenschaftlichen Agens, diesem Prozess ausgesetzt, mehr noch, er hat ihn bis zur Finalität exekutiert. Folglich „ging“ er nicht als Gescheiterter, sondern als Vollendeter. Die von ihm in der Gruppe gestifteten Bildungsprozesse laufen und werden künftig zur Lösung vieler, aktuell noch nicht identifizierter oder beschriebener Probleme beitragen (FUTURE wisdom of the masses). Bildung ist immer vorgreifend und nachhaltig 😉

    Christians Saat war eine methodische, sie wird aufgehen, in der Nachzeit, auch was den Forschungsoutput angeht. Und auch Schulmeisters zu Recht angeführte, bildungstheoretisch „von uns exkludierte“ Non-Digital-Natives aus der jungen Lernendengeneration werden dabei sein, denn die gewonnenen Erkenntnis- und Aktionsmuster erfahren eine Weiterung aus der Virtualitätslagerung in die „anfassbare“ Welt. So ist das mit der Bildung nun mal …

  18. @DerAlteFritz
    „Und diese Beteiligung muss sich Ad-Hoc vollziehen, sonst zieht die Bildungskarawane weiter und findet falsche oder gar keine Lehrer. Die Echtzeit und Gleichzeitigkeit ist also das Ding.“
    – Ja! Geschwindigkeit und Verntzung!
    „Christian hat sich, als Repräsentation des wissenschaftlichen Agens, diesem Prozess ausgesetzt, mehr noch, er hat ihn bis zur Finalität exekutiert.“
    – Genau! Das erkennt er zwar selbst nicht, aber so ist es!:-)) Hegel würde ihn mit Napoleon gleichsetzen!:-))
    „Folglich „ging“ er nicht als Gescheiterter, sondern als Vollendeter.“
    – Exakt!

  19. @DerAlteFritz @jeanpol
    Ich will und kann Euch nicht Paroli bieten, da Ihr in punkto verbaler Brillianz mir leicht das Wasser reicht. Und dennoch ist Euer gereichtes Nass für mich (und das wiederum soll sich durchaus nicht auf Euer Alter beziehen…) eher leicht abgestanden und (zu) wenig erfrischend.
    Dem von mir vermuteten Prozess (und mehr als eine Vermutung kann und will es ohne Empirie nicht sein…) redet ihr in Euren letzten beiden Postings meiner Einschätzung nach (unfreiwillig) das Wort.

    Eure Postings bezüglich des Internets,Wissenschaft & Lernens wirken auf mich hoch affirmativ und wenig kritisch. Ich kann nicht sagen, dass sich eure Argumente in meinen Ohren falsch anhören, aber sie sind unter gleichgesinnten gewechselte Worte… Schlimm wäre es, wenn das gegenseitige Applaudieren und Schulterklopfen der Netzgemeinde zu einer Verzerrung der Wahrnehmung führen würde…

    Wissenschaftstheoretisch gilt das Falsifikationsprinzip:
    Etwas gilt (nur) solange als Wahrheit, wie es nicht falsifiziert werden konnte. Dem Forscher, wie der Scientific Community kommt die Aufgabe zu die Theorie solange und so gut anzugreifen, wie sie können, um sie nach Möglichkeit zu Fall zu bringen…
    Erst wenn das nicht gelingt – kann man anfangen von (vorläufigen) Wahrheiten zu sprechen.

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Geist in der Majorität der netzaffinen Bildungsforscher – im Bezug auf das Lernen im Netz selbst – sehr schwach bis gar nicht ausgeprägt ist.

    Ist es uns denn nicht möglich, uns vor Begeisterung über die neuen Chancen & Möglichkeiten – mit diesen schärfer und kritischer auseinanderzusetzen.

    Sollten wir uns nicht davor hüten die Titanic jeden Tag aufs neue für unsinkbar zu erklären… ?!

    Liebe Grüße

    Niederfuchs

  20. … siehe zum diskutierten Komplex hier: http://tinyurl.com/35zf2lx

    … sozusagen als Input von einem Außen und als Gegenrede à la … und sie ist schon gesunken, die Titanic 😉

  21. @Niederfuchs
    „Dem von mir vermuteten Prozess (und mehr als eine Vermutung kann und will es ohne Empirie nicht sein…) redet ihr in Euren letzten beiden Postings meiner Einschätzung nach (unfreiwillig) das Wort.“
    – Sehe ich voll ein! Und brillant bist du auch, das vergaß ich zu erwähnen!.-)
    „Eure Postings bezüglich des Internets,Wissenschaft & Lernens wirken auf mich hoch affirmativ und wenig kritisch.“
    – Aber warum in aller Welt müssen wir eine kritsiche Position einnehmen, wenn wir gerade die Vorzüge hervorheben wollen, die aus unserer Sicht das Web auszeichnen? Wir führen doch hier keine wissenschaftliche Untersuchung durch! Ich falsifiziere gerne (wie bereits Xenophanes forderte:-), aber vorher muss ich eine Forschungs-Hypothese formulieren, und das habe ich nicht getan.
    „Schlimm wäre es, wenn das gegenseitige Applaudieren und Schulterklopfen der Netzgemeinde zu einer Verzerrung der Wahrnehmung führen würde…“
    – Richtig. Aber hier wurde kaum applaudiert und schultergeklopft bis jetzt.
    „Ist es uns denn nicht möglich, uns vor Begeisterung über die neuen Chancen & Möglichkeiten – mit diesen schärfer und kritischer auseinanderzusetzen.“
    – Gut, da kannst du gleich anfangen. Was stimmt nicht an den von mir beschriebenen und vom Alten Fritz bestätigten Möglichkeiten des Internets?

  22. @Niederfuchs @jeanpol

    >> Möglichkeiten des Internets?
    Und nur genau diese sind unhintergehbar: Das Netz eröffnet tiefe *Möglichkeits*räume für Erkenntnis, für Bildung. Eine Garantie für Wahrheitsgewinn wird nicht impliziert (von meiner konstruktivistischen Warte ohnehin von minderer Bedeutung). Das Internet ist, in seiner idealen Ausformung offen, global und nicht nur mit Blick auf soziale und ethnographische Ausdifferenzierungen, durchlässig. So what? Um im nautischen Bilde zu bleiben: Der Ozean ist unsinkbar 🙂

    Nach einer Relektüre von Heimann und anderen Protagonisten der „Berliner Schule“, die Mitte der 1960er Jahre von einem Enthusiasmus ob der edukativen Instrumentalisierung des Fernsehens erfasst waren, geriet ich keinen Augenschlag lang in Versuchung, Parallelen zur gegenwärtigen „Netzeuphorie“ zu ziehen. Es liegt vielmehr auf der Hand, dass die strukturalen Merkmale des TV (als Muster für ein hoffnungsbesetztes, letztgültig schwaches Medium) nicht mehr als mediokre „technology driven“ Ansätze entwickeln lässt; hier greift die Kritik Niederfuchsens an, wo sie soll.

    Nicht so das Netz: Es ist kein (signifikant) technologisches, sondern ein *soziales* Phänomen, also daher Erkenntnisraum (der Moderne) per se.

  23. @DerAlteFritz:
    „Folglich „ging“ er nicht als Gescheiterter, sondern als Vollendeter.“
    Diese Aussage würde Christian sicher ablehnen – einmal wegen des Pathos, zum zweiten wegen der in der Praxis nie zu erreichenden Perfektion der „Vollendung“.
    Ich stimme der ersten Hälfte völlig zu – natürlich ist Christian nicht gescheitert, woran auch? Sowohl sein junges Alter als auch die ganz offensichtlich in ihm steckende Energie lassen aber annehmen, dass er noch Etliches zustandebringen wird, bevor von einer Vollendung die Rede sein kann.
    Und falls es so gemeint war, dass er seine Internetpräsenz zur Vollendung gebracht hat … so bezweifle ich dies. Er hat enorm viel Zeit und Energie dort investiert, und sein Rückzug zeigt, dass es zuviel war. Was mir imponiert und wofür sein Rückzug aus einem Großteil des Web 2.0 steht, ist die Neudefinition seiner Prioritäten. Er hat seine Ansprechbarkeit via Internet rund um die Uhr eben nicht „bis zur Finalität exekutiert“, sondern vorher die Notbremse gezogen.
    Wie sehr die Web-2.0-Teilhabe einen jeden von uns beansprucht und (neben all der Bereicherung) auch belastet, muss jeder für sich entscheiden. Dass eine radikale Einschränkung (auf das Blog) auch für einen zunächst intensiv aktiven Web-2.0-Bürger wie Christian eine sinnvolle Entscheidung sein kann, ist ein wertvolles Beispiel, das als Teil dessen, was wir von ihm lernen können, nicht geringzuschätzen ist.

  24. @vilsrip
    Natürlich ist Christian als Wissenschaftler niemals vollendet, sonst wäre er in der Praxis (und auch Theorie) nie einer gewesen …

    Vollendet ist sein (Netz-)Werk – seine Aktivitäten sind in der Gesamtschau als eine einzige, zusammenhängende lebendige Forschungsarbeit zu würdigen. Er hat soziale Prozesse, er hat Austausche gestiftet, soziale Skulpturen geschaffen, die auch nach Abschluss seines Opus Bestand haben. Die Wirkungsmacht zählt.

    Dass er als wahrhafter Athlet der Bildungswissenschaft in seiner Körperlichkeit (!) über die Grenzen der eigenen Belastbarkeit hinausgegangen ist, sei nicht zur Nachahmung empfohlen. Es belegt jedoch auf’s Trefflichste, welche Effekte die Virtualitätslagerung auf die Leiblichkeit zeitigt. Er hat absolut folgerichtig die „Notbremse“ gezogen, das letzte phänomenologische Hauptstück seiner Arbeit, und daraufhin, er wäre sonst (nicht im pathetischen, sondern im aktionistischen Sinne) kein Gelehrter, die Orientierungsdimension „Sinn“ kommuniziert und sich neu verortet. Die Neubestimmung bzw. Affirmation seiner Identität (!) als öffentlicher Wissenschaftler gab’s als Dreingabe. Er hat sich und uns gebildet. Das ist die universell vornehmste und bedeutsamste Aufgabe. Dein letzter Absatz hat daher uneingeschränkt Gültigkeit.

    Und dies macht den Unterschied zwischen einem netzpublizistischen, vergleichbar hochfrequent kommunizierenden Meinungsbildner (als Bespiel sei Alpha-Twitterer Sascha Lobo angeführt) und einem Menschenbildner: Das Aufhören. Es war nicht Teil einer Inszenierung oder eines Versuchsaufbaus, sonst gelebte, erlebte Wissenschaft. Nicht einzig für die strukturale Medienbildung sind Christians Verdienste hoch zu werten. Er ist nicht unser aller Schul-, sondern Lehrmeister.

  25. @DeralteFritz

    bei deiner beschreibung wird mir übel.
    ich frag mich, was du dir da für ein bild zusammen schusterst.

    aber wenn´s dich glücklich macht, sei´s drum.

  26. @Filterraum

    Christian hat sich zuletzt Lob verbeten.
    Als unkritischer Anhänger hätte ich mich daran halten.
    So einfach ist das.

    Zum Mittel des Totlobens noch dies:
    http://blogs.taz.de/lottmann/2007/09/18/totgelobt/

  27. Und Filterraum steht im Recht:

    >> ich frag mich, was du dir da für ein bild zusammen schusterst.

    „Zusammenschustern“ bezeichnet hier *konstruieren*.
    Und das Bild ist bei jedem ein anderes.

    Konstruktivistische Bildung in Aktion. 🙂

    Eine weitere bildsame Nachwirkung des Diskurses.
    Danke, Christian.

  28. @Filterraum @Niederfuchs
    Da ist war dran. Einmal habe ich sogar von „Synergierausch“ gesprochen/geschwärmt. Allerdings war es nicht nur auf die virtuelle Welt bezogen:
    http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/guido

  29. […] Siehe seinen Blogkommentar. […]

  30. @DeralteFritz

    das meer ist ein schützenswerter lebensraum. danke BP.

    und übrigens mag ich keine diskussionen mit phantomen.

  31. @Jean Pol an @cspannagel „Ich wiederhole: „bei der Lösung von Problemen einzubeziehen“. Du bist gerade dabei, uns bei der Lösung deiner Probleme einzubeziehen. Und jeder bemüht sich sehr, dir zu helfen, auch wenn du uns die Sache nicht leicht machst“.

    in welchem Stadium befindet sich denn die Situation des Richtungswechsels ?

    ist „Hilfe“ gewünscht ? Wo und wie ist das formuliert ?

    wie genau lautet die Frage, die Fragen ?

    eine Auflistung von guten Fragen fördert Lösungen.

    Lösungen für ungestellte Fragen suchen generiert Probleme 😉

  32. @Jutta
    „ist „Hilfe“ gewünscht ? Wo und wie ist das formuliert ?“
    – Wenn jemand eine problematische Situation, die ihn persönlich sehr betrifft, vor einer großen Öffentlichkeit schildert, dann ist dies – wenn auch nicht direkt ausgesprochen – eine Bitte um Mitreflexion. Es werden also Menschen bei der Lösung von Problemen einbezogen.

  33. Das Internet wäre auf jeden Fall ein prima Medium, um Ideen untereinander auszutauschen. Vielleicht sind die Probleme aber lokal zu verschieden, als dass sie global sinnvoll bearbeitet werden könnten? Oder es fehlt schlicht der Wille dazu.

  34. Es kommt auf das thema an. Mit „Philosophie“ habe ich einen Bereich gewählt, mit dem Menschen als Denkgruppe sich jahrelang beschäftigen und so eine stabile Community bilden können. Vor der Zeit des Internets hatte ich mit der LdL-Kerngruppe ebenfalls ein solches Thema und die Leute dafür. Die LdL-Kerngruppe blieb 15 Jahre am Leben! Und das Thema war eben LdL!

  35. Mir fällt gerade auf: In gewisser Weise verfolge ich in diesem Semester einen ähnlichen Ansatz mit einem öffentlichen Seminar im Web 2.0, indem ich hier und dort aufmerksam darauf mache.

  36. @Oliver
    Super!

  37. Danke!

    Aber nicht vergessen: Torsten Larbig hat mir seine Stimme geliehen. Ohne die wäre das nicht so gut geworden! Daher leite ich das Lob an dieser Stelle virtuell an ihn weiter.

  38. Die Position von Christian nachzuvollziehen wird schwer fallen, wenn man sich nicht in seine neue Kommunikation einklinkt und zu seiner Sprechstunde geht.

    Zu seiner Frage: „Hast du ein Beispiel für ein (Bildungs-)Problem, das Hunderte von Menschen gemeinsam im Web gelöst haben?“

    Ist das nicht eine Frage mit Totschlagcharakter? Hat sich denn jemals in der Offline-Kommunikation ein gelöstes Bildungsproblem ergeben, an dem 100er von Menschen gemeinsam gearbeitet haben?

    Ich für mich ziehe aus der Online-Kommunikation Bestärkung, neue Ideen, Irritationen, … Kurz: ich kann mich auf ein Netzwerk stützen und Motivation daraus ziehen.

    Handelnde müssen wir alle selber. Noch nie hat reine Kommunikation ein Problem gelöst. Das waren immer Menschen, die gehandelt haben.

    Und mir ist es egal, ob sie dies offline oder online tun. Es ist nur schade, wenn eine Seite der anderen Vorwirft, nicht folgenreich – also überflüssigerweise – zu kommunizieren.

  39. @Felix
    Danke, dass du mir weiter Bausteine für meine Reflexion lieferst. Diese Frage beschäftigt mich nämlich sehr, und zwar nachhaltig, wie man hier sehen kann:
    https://jeanpol.wordpress.com/2010/05/22/wie-man-kollektive-reflexion-organisiert-am-beispiel-philosophie/

  40. @Felix
    Noch etwas: fairerweise muss ich betonen, dass Christian mit der Forderung nach 100 Leuten nur einen Satz von mir aufgegriffen hat:
    „Mit dem Internet wird die Möglichkeit eröffnet, Hunderte von Menschen bei der Behandlung von Problemen einzubeziehen, insbesondere solche, die in der Praxis stehen und ein hohes Interesse an der Lösung der Probleme haben.“

  41. Irre, wie sich die Diskussion mittlerweile entwickelt hat. 😉

    Ich präzisiere nochmals meine Nachfrage, weil ich glaube, dass du (@jeanpol) mich falsch verstanden hast. Es geht mir in diesem Kontext nicht um Lobhudelei (das ist eine andere Baustelle), sondern um eine realistische Einschätzung der „kollektiven Problemlösung“ im Netz. Wie du richtig im letzten Kommentar beschreibst, stammt die Zahl 100 nicht von mir, sondern von dir. Ich habe selbst in meinen „heißen“ Web-2.0-Zeiten nicht gedacht, dass ich so viele Menschen in meine Problemlösungen einbeziehe. Es haben zwar vielleicht so viele Menschen gelesen, zahlreiche haben auch kommentiert, aber Beiträge, die ich tatsächlich als Schritt hin zur Problemlösung betrachtet habe, gabs immer nur vergleichbar wenige. Jetzt kann man natürlich sagen, dass es wichtig ist, ganz viele Menschen einzubeziehen, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein hilfreicher Beitrag darunter ist. Aber (und das ist jetzt das große Aber): Der eingeschränkte Nutzen der Reaktionen von Hunderten „klingt“ nicht in deinen Ausführungen an. Es „klingt“ so, als sei es ein Meilenstein in der Geschichte der menschlichen Problemlösung, dass wir ganz viele Personen einbeziehen können. Meine Erfahrung ist: Problemlösen wird dadurch nicht schneller/besser/… Sie kann auch dadurch behindert werden, nämlich durch die Tatsache, dass man sich als Initiatior mit ganz vielen Rückmeldungen und Beiträgen auseinandersetzen muss, die zwar nicht auf die Lösung des Problems hinzielen, aber dafür die Konzentration von der eigentlichen Problemlösung abziehen.

    Es geht beim Problemlösen nicht um das Einbeziehen „möglichst vieler“ Menschen (auch das hast du oben geschrieben), sondern es geht um das Einbeziehen einiger weniger, dafür aber der richtigen. Und die kann ich auch außerhalb des Netzes finden. Beim Einbeziehen von Hunderten besteht die Gefahr, dass wir in Quantität untergehen und die Qualität leidet. Anders formuliert: Wir schwimmen mit mehreren Hunderten an der Oberfläche, während man mit einigen wenigen in die Tiefe gehen könnte.

    Für mich sieht es so aus, als ob die die Möglichkeiten des Netzes zu optimistisch siehst. Du äußerst dich auch überwiegend positiv dazu. Insofern wollte ich einmal die Frage anstoßen, welche negativen Aspekte du denn bei dieser „Problemlösung unter Einbeziehung von Massen“ siehst – als ganz offene Frage, weil es mich interessiert, welche negativen Aspekte dir an der Sache denn einfallen.

  42. @Christian
    Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Ich verstehe dein Anliegen, glaube ich, immer besser und muss mich selbst kritisch fragen, warum ich sosehr die Menge als positiven Faktor betrachte. Die hiesige Diskussion ist nur deshalb entstanden, weil ich diesen Blogbeitrag breit „beworben habe“. Ich wollte also viele Menschen auf dieses Thema hinweisen. Dabei hat mir Michael Wald kräftig geholfen. Und dadurch sind in der Tat Menschen angesprochen worden, die mich nicht kannten und vice-versa. Sie haben erhebliche Kompetenzen hier eingebracht und ich befasse mich seit Beginn intensiv mit ihren Impulsen. Insofern ist meine Hypothese, ich würde über Web2.0 viel mehr Mitdenker erreichen als ohne, bestätigt.
    Was mir negativ einfällt? Bisher nichts, aber ich muss noch überlegen. Sicherlich liegt meine positive Einschätzung auch daran, dass ich andere „Erkenntnisinteresse“ verfolge als Du. Ich bin gerade dabei zu prüfen, ob wirklich kollektive Reflexion auf diese Weise organisiert werden kann. Ist beispielsweise der Diskurs, der hier gelaufen ist, zielführende kollektive Reflexion? Sind wir vorangekommen bei der Frage, ob Neuronenkonstellationen „Denken“ hervorbringen. Es sind bestimmt Denkimpulse entstanden, es wurde nachgedacht, aber welche Qualität hat schließlich das, was wir gerade betrieben haben? Das sind die Fragen, die mich im Augenblick bewegen. Wenn ich Didaktiker wäre und didaktische Themen behandeln würde, wäre ich sehr stark auf die Mitarbeit von Lehrern angewiesen und ich glaube, dass ich sie am leichtesten über Web2.0 als Mitdenker erreiche… Aber es ist ganz klar, dass deine – in der Bilanz eher negativen – Erfahrungen mich nach wie vor beschäftigen.

  43. @Christian
    Sorry, ich habe den Eintrag verwechselt: ich beziehe mich bei meinen Beispielen kollektiver Reflexion nicht auf diese Kommentare sondern auf die Kommentare zu diesem Beitrag (Neuonenkonstellationen als Substrat für Denkprozesse):
    https://jeanpol.wordpress.com/2010/05/22/wie-man-kollektive-reflexion-organisiert-am-beispiel-philosophie/

  44. @Christian
    Soweit ich dich verstehe, richten sich deine Einwände in erster Linie auf Crowd-Sourcing:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing

  45. Wenn es nur um das Sammeln von möglichst vielen Ideen als Anregung für den eigenen Reflexionsprozess geht, ist das Web unschlagbar. Bei einer kollektiven Reflexion vieler (hier müsste man vielleicht auch „viele“ näher bestimmen, fünf, zwanzig, hundert, tausend?) entsteht aber das Problem, den Überblick zu behalten. Besonders später Einsteigende haben es schwer, die bereits geäußerten Ideen zusammenzuführen beziehungsweise zu Relevantes zu filtern. Diesen Aspekt beschreiben so ähnlich auch Tapscott/Williams in „Wikinomics“ und Surowiecki in „Wisdom of the crowd“.
    Die Piratenpartei hat beispielsweise das Problem, dass sie jede Stimme hören und berücksichtigen will. Wie man vorletztes Wochenende beim Parteitag in Bingen beobachten konnte, ist das von Angesicht zu Angesicht quasi unmöglich. Ab sofort soll daher bundesweit Liquid Feedback erprobt werden. Vielleicht bieten sich dadurch neue Möglichkeiten bei der kollektiven Reflexion.

  46. @Oliver
    „Wenn es nur um das Sammeln von möglichst vielen Ideen als Anregung für den eigenen Reflexionsprozess geht, ist das Web unschlagbar.“
    – Genau. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren und angesichts der zahlreichen Probleme das Kind (web2.0) mit dem Bade ausschütten. Gegenwärtig bin ich in mehreren online-workshops über philosophie involviert und auch das ist im vergleich zu früheren Möglichkeiten umwerfend. Aber allmählich sehe ich die Nachteile, beispielsweise dass face-book mich agressiv mit Angeboten belästigt, die ich partout nicht brauche.

  47. Daher bin ich zum Beispiel bei Facebook wieder raus. Hatte Für mich keinen Nutzen, den ich über Twitter nicht habe. Man kann mit Facebook natürlich mehr machen, ich konnte davon aber nichts wirklich gebrauchen.

  48. @Oliver
    Aber gerade haben mich auf face-book ein paar Leute kontaktiert, mit denen ich gerne in Verbindung bleibe. Das schwankt. Was nicht schwankt, ist die enorme Vermehrung des Austauschs. Und bisher kann ich noch keine negativen Effekte beobachten.

  49. @Christian (Falls du wieder mal hier vorbeischaust)
    Die negativen Erscheinungen, die du beschreibst, kann ich zwar nachvollziehen, aber ich erlebe sie persönlich nicht. Sicherlich liegt es daran, dass du viel mehr als ich in der Öffentlichkeit exponiert warst. Nach wie vor finde ich die Möglichkeiten von Web2.0 fantastisch.
    Beispielsweise in dieser Diskussion sehe ich wenig Lobhudelei oder Oberflächlichkeit, auch wenn wir zu keinem druckreifen Ergebnis gekommen sind:
    https://jeanpol.wordpress.com/2010/05/22/wie-man-kollektive-reflexion-organisiert-am-beispiel-philosophie/

  50. @jeanpol @Oliver Ich sehe auch, dass man viele Mitdenker erreicht und dass das Web unschlagbar für das Sammeln von Ideen ist. Hier liegt der große Vorteil. Das ist aber etwas anderes als Reflexion (wie Oliver bereits beschreibt) oder gemeinsames Problemlösen. Klar – Ideen von außen können für mich entscheidende Anregungen geben, die mir beim Lösen meines aktuellen Problems helfen. Aber man darf das auch nicht überschätzen. Es hat eben doch mehr von „hier und da ist eine gute Idee dabei, und hier und da ist ein Kommentar, der mich zum Denken anregt“ und weniger von „wir kommen alle spontan zu kleinen Projekten zusammen und lösen sie gemeinsam (besser als alleine)“.

  51. Hallo Jean-Pol, hier ist ja immer mehr los auf deinem Blog. Lese meist den RSS-Feed und komme nur gelegentlich zum Kommentieren vorbei. Dafür muss man mitler Weile ganz schön lange scrollen.

    Hier also mein Kommentar
    Ja genau! Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter sind nicht dafür da die Welt von außen zu betrachen. Sie sind nicht dafür da alles immer schwieriger zu machen um sich selbst zu reputieren (Was wird heute nicht alles für Komplexität in die Welt gedichtet?) Ihr Job ist es die Welt zu erhellen, Probleme zu lösen und sinnvolle Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
    Dafür müssen sie aber in die Welt gehen und mit ihr gemeinsam reflektieren. Wie du schreibst ‚viele Menschen zusammenbringen, Denkanstöße aussenden und Interaktionen anbieten‘ Dann kommt auch die Resonanz.

    Zur Zeit mache ich genau das mit einer Kommilitonin und darf mich (wohl einmal mehr) als abgedrehten Paradiesvogel in unserem Fachbereich angesehen fühlen. Wir schreiben einen Blog über unser Forschungprojekt („Wissenstransfer aus der SocialBar“ ) und lassen uns Geschichten und Anekdoten erzählen. Wir versuchen Wissen, das wir nicht haben, in Bahnen zu lenken, mit denen wir was anfangen können.

    Wiedermal ein inspirierender Beitrag Jean-Pol. Vielen Dank

  52. @Hannes
    Ja, auf dem Blog ist je nach Wetterlage viel, manchmal weniger los…:-)
    Ich habe schnell einen Blick auf deinen Blog geworfen und werde bestimmt wieder hinschauen. Einen Punkt muss man hervorheben: du und ich erforschen Web2.0 selbst und daher ist es klar, dass wir in die Internetwelt gehen. Aber wenn man andere Forschungsgebiete hat, sieht es anders aus…

  53. @Hannes
    Ich war noch einmal auf deinem Blog. Gerade das Thema Internet und (ältere) Migranten interessiert mich sehr!

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