Wissenschaft als Organisation kollektiver Reflexion.

Resume Immer schon war Wissenschaft kollektive Reflexion. Allerdings mit sehr wenigen Beteiligten. Mit dem Internet kann alles anders sein!

1. Ausgangspunkt

In früheren Zeiten forschten Menschen allein oder in kleinen Gruppen. Die Denkressourcen waren entsprechend begrenzt. Wollte man ein bestimmtes Problem angehen, so steckte man einen Erfahrungsraum ab und untersuchte ein paar Variablen. In der Unterrichtsforschung beispielsweise führte man eine Studie von zwei Monaten über die Interaktion Schüler-Lehrer in einer Klasse durch, indem man versuchte, einige Korrelationen zwischen Lehrerverhalten und Lerneffekten herzustellen. Der Ertrag dieser „kollektiven Reflexion“ war entsprechend mager. Der Forscher veröffentlichte die Ergebnisse, beklagte sich über die mangelnde Resonanz aber hatte einen Titel mehr auf seiner Publikationsliste. Der Optimierungseffekt für die Praxis war gleich Null.

2. Wissenschaftler als Organisator kollektiver Reflexion

Mit dem Internet wird die Möglichkeit eröffnet, Hunderte von Menschen bei der Behandlung von Problemen einzubeziehen, insbesondere solche, die in der Praxis stehen und ein hohes Interesse an der Lösung der Probleme haben. Die Aufgabe des Forschers ist dann nicht mehr, dass er selbst vor Ort Daten erhebt, die er in seinem Dienstzimmer in Einsamkeit auswertet, sondern dass er möglichst viele Menschen zusammenbringt, Denkimpulse aussendet, Plattformen zu forschungsbezogenen Interaktionen anbietet, Experimente vor Ort anregt und seine Kollegen als Mitforscher „einspannt“ und den ganzen Reflexionsprozess zielbezogen anleitet und organisiert.

Fazit Auch wenn die Metapher inzwischen abgegriffen ist: der Wissenschaftler sollte Cortex-Aufgaben in einem Makrogehirn übernehmen, das er sich allerdings im Vorfeld selbst schaffen muss.