Kollektive Reflexion organisieren: Beispiel Philosophie

Resume Ein gutes Thema und stabile Neuronenkonstellationen.

1. Ausgangspunkt

Bekanntlich entsteht Denken im Nervensystem (speziell Gehirn) durch Neuroneninteraktionen.  Lernen wiederum erfolgt, wenn durch wiederholte Interaktionen (Ausschüttung von chemischen Substanzen) innerhalb bestimmter Neuronengruppen die Verbindungen stabilisiert werden (Engramme). So gesehen kann man eine lernende Organisation beschreiben als eine Gruppe, innerhalb derer – durch frequente Interaktionen zwischen den Mitgliedern – stabile Netze entstehen.

2. Wodurch werden stabile Beziehungen aufgebaut?

In den Wokshops Philosophie kamen Personen zusammen, die sich z.T. schon lange kennen und sich gegenseitig vertrauen. Namen möchte ich nicht nennen, aber mit W.B. stehe ich beispielsweise seit zehn Jahren im Austausch und wir haben in vielen Kontexten intensiv kommuniziert. Horst Sievert hat mir die Möglichkeit gegeben, mein Angebot zu veröffentlichen und über W.B. hinaus meldeten sich fünf weitere TeilnehmerInnen. Wir  haben uns vier Monate lang vertieft mit Philosophie befasst und setzen die Arbeit in einem „Aufbaukurs“ fort. Es sind zwei weitere Worshops „Philosophie für Einsteiger“ entstanden, in denen ebenfalls intensiv gearbeitet wird. Es sind zwar (noch) verschiedene Gruppen, aber insgesamt befassen sich etwa 22 Personen mit philosophischen Themen und zwar so, dass sie sich einen Überblick verschaffen. Es sind die Anfänge einer breiteren kollektiven Reflexion, auch wenn die einzelnen Gruppen noch nicht miteinander kommunizieren. Aber sie befassen sich alle mit denselben Inhalten. Parallel dazu wird über philosophische Themen getwittert, so dass eine größere Öffentlichkeit auf unsere Arbeit aufmerksam wird. Einige steigen in die Gruppen ein. Das Ganze ist ein langsamer, aber stetiger Prozess.

Fazit Ein gutes Thema (Philosophie), eine offene „Rekrutierung“ und es werden intensive, nachhaltige Interaktionen eingeleitet. Es entstehen die Stukturen, die kollektive Reflexion ermöglichen.

Group thinking.

@Niederfuchs sagt:

Du bewegst Dich in einer Community von Netzoptimisten, die vermutlich Schwierigkeiten haben können/müssen (das schliesst mich ein…) eine echte kritische Haltung zum Netz zu zeigen und aufzubauen. Die echte Diskussion über vor und Nachteile des Internets – muss von daher „außerhalb“ des Netzes gesucht werden – auch und gerade mit Menschen, die das Netz nie betreten würden…

Siehe seinen Blogkommentar.

Wissenschaft als Organisation kollektiver Reflexion.

Resume Immer schon war Wissenschaft kollektive Reflexion. Allerdings mit sehr wenigen Beteiligten. Mit dem Internet kann alles anders sein!

1. Ausgangspunkt

In früheren Zeiten forschten Menschen allein oder in kleinen Gruppen. Die Denkressourcen waren entsprechend begrenzt. Wollte man ein bestimmtes Problem angehen, so steckte man einen Erfahrungsraum ab und untersuchte ein paar Variablen. In der Unterrichtsforschung beispielsweise führte man eine Studie von zwei Monaten über die Interaktion Schüler-Lehrer in einer Klasse durch, indem man versuchte, einige Korrelationen zwischen Lehrerverhalten und Lerneffekten herzustellen. Der Ertrag dieser „kollektiven Reflexion“ war entsprechend mager. Der Forscher veröffentlichte die Ergebnisse, beklagte sich über die mangelnde Resonanz aber hatte einen Titel mehr auf seiner Publikationsliste. Der Optimierungseffekt für die Praxis war gleich Null.

2. Wissenschaftler als Organisator kollektiver Reflexion

Mit dem Internet wird die Möglichkeit eröffnet, Hunderte von Menschen bei der Behandlung von Problemen einzubeziehen, insbesondere solche, die in der Praxis stehen und ein hohes Interesse an der Lösung der Probleme haben. Die Aufgabe des Forschers ist dann nicht mehr, dass er selbst vor Ort Daten erhebt, die er in seinem Dienstzimmer in Einsamkeit auswertet, sondern dass er möglichst viele Menschen zusammenbringt, Denkimpulse aussendet, Plattformen zu forschungsbezogenen Interaktionen anbietet, Experimente vor Ort anregt und seine Kollegen als Mitforscher „einspannt“ und den ganzen Reflexionsprozess zielbezogen anleitet und organisiert.

Fazit Auch wenn die Metapher inzwischen abgegriffen ist: der Wissenschaftler sollte Cortex-Aufgaben in einem Makrogehirn übernehmen, das er sich allerdings im Vorfeld selbst schaffen muss.

LdL vietnamesisch untertitelt!

Epikur goldrichtig!

Von Timo Lommatzsch interviewt.

DIUI Folge 6: Das Internet und Jean-Pol Martin

Jean-Pol Martin

Jean-Pol Martin ist Jahrgang 1943 und bezeichnet sich selbst als Digital Native – zu recht! In unserem Interview sprechen wir über die Herausforderung Netzwerke aus dem offline in das online Leben zu integrieren. Jean-Pol erzählt von seinen frühen Projekte an der Universität, wo er Studenten aus unterschiedlichen Ländern mittels des Internets für verschiedene Projekte und Aufgaben vernetzt hat und davon, wie es ist, wenn man mit 60 in ein fremdes Land reist, dessen Sprache man nicht spricht und sich nur übers Internet von anderen Menschen Tipps und Tricks zum „überleben“ geben lässt. Und dann hat er noch einen besonderen Tipp für das „Überlebenstraining“ im Internet: werdet Wikipedia-Autor!

icon for podpress DIUI Folge6: Das Internet und Jean-Pol Martin [25:12m]: Hide Player | Play in Popup | Download

Von: Timo Lommatzsch, Datum: Samstag, den 8. Mai 2010, Kategorie: Podcast, Reaktionen: Noch keine Reaktion »

Hegel? Und ich verstehe (fast) alles!:-))

Super Kontrollgefühl!

Die Philosophen: garantierte Anschlussfähigkeit!

Resume Als ich in Eichstätt der Adressatenknappheit begegnen wollte, entwickelte ich Kurse, die für alle „nützlich“ sein sollten.

1. Ausgangspunkt

Als Dozent für Französischdidaktik an der kleinen Uni Eichstätt war mein Adressatenpotenzial sehr eingegrenzt. Da ich aber für mein Leben gerne lehrte und forschte, überlegte ich mir immer wieder Angebote, die alle ansprechen sollten, möglichst auch Studenten anderer Fakultäten. Es sollten Inhalte sein, die für alle Menschen von großem Nutzen sind, weil sie zur Allgemeinbildung gehören und eine Einordnung weiterer Wissensbausteine ermöglichen. So bot ich Überblicke über die französische Literatur, Überblicke über die Geschichte Europas, Überblicke, Strukturen und immer wieder Überblicke…

2. Und jetzt: die Philosophen

Wer auf der ganzen Welt hat noch nie den Namen „Sokrates“ gehört? Und wer kann mehr über Sokrates sagen, als „ich weiß, dass ich nichts weiß?“. Ähnliches gilt, für Platon, Aristoteles, Epikur, ganz zu schweigen von Heraklit oder Zenon von Kition oder gar Hegel, Heidegger und Karl Popper. Mein Angebot: in kürzester Zeit die Grundpositionen dieser Denker skizzieren und memorieren lassen. Kleiner Aufwand, großer Ertrag! Und dies scheint viele Menschen anzusprechen! Das vermittelt uns ein tolles Kontrollgefühl! Da diese Philosophennamen in zahlreichen Kontexten fallen, allein bei der Lektüre der Tageszeitung, greift ein positiver Wiedererkennungseffekt bei gleichzeitiger Festigung des Wissens! Wir sind befreit vom Gefühl der Inkompetenz und zwar in einem kulturell sehr relevanten Bereich!

Fazit: Relevante – weil hochredundante – Inhalte vermitteln hilft dazu, das Selbstbewusstsein der Adressaten zu heben!

Reflektierter Umgang (aus HerrLarbig’s Blog)

Das Web 2.0 bietet faszinierende Möglichkeiten. Jeder Nutzer und jede Nutzerin dieser Möglichkeiten muss (sic!) jedoch früher oder später in einen Reflexionsprozess darüber eintreten, welche der Möglichkeiten aus welchen Gründen genutzt werden und an welchen Stellen die Nutzung der Möglichkeiten über das für einen selbst angemessene Maß hinaus geht. Dies gilt ähnlich für analoge Kommunikationsprozesse, denen es gut tut, wenn sie immer wieder in Formen der Meta-Kommunikation, z. B. im Rahmen von Supervision, aber z. B. auch in der „einfachen“ Form des Tagebuchschreibens, selbst zum Gegenstand der Reflexion werden.

Diese Notwendigkeit zur Reflexion eigenen Kommunikationsverhaltens ist in meinen Augen eine der zentralen Aufgaben einer gelingenden Mediendidaktik und Medienpädagogik. Dieser darf es eben nicht nur um „Primärkompetenzen“ wie die Nutzung von Suchmaschinen, Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogrammen etc. gehen. Sie muss darüber hinaus zentral an der Entwicklung von „Meta-Kompetenzen“ arbeiten, um den individuellen Nutzern von (digitalen) Arbeits- und Kommunikationsinstrumenten die Fähigkeit zur Reflexion dessen, was für sie jeweils angemessen ist, mit auf den Weg zu geben.

Aus HerrLarbig’s Blog

Lehren und Forschen als Passion.

Resume In der Schar von Menschen, die im wissenschaftlichen „Geschäft“ tätig sind, wird nur wenigen das Gefühl vergönnt, sie würden in ihrem Wirken Grenzen überschreiten und „Großes“ leisten.

1. No risk, no Erkenntnis

Befasst man sich mit der Geschichte der Wissenschaft, so stellt man fest, dass die großen Denker richtige addicts des Forschungsprozesses waren. Es war Erkenntnissucht. Sie nahmen keine Rücksicht auf sich und ihre Gesundheit, weil sie Blut geleckt hatten. Sie waren in Felder vorgedrungen, die vorher niemand betreten hatte. Es war Gier.

2. Brotgelehrte

Schiller verachtete Kollegen, die ihr Fach als Beamte verwalteten und nannte sie „Brotgelehrte“. Soweit muss man nicht gehen, aber man muss zumindest den Unterschied erkennen. Studenten und Schüler täuschen sich hier nicht. Das Brennen des Lehrers und Dozenten erkennen sie sofort. Sie feuern ihn an und er erklimmt Gipfel, die andere nie zu Gesicht bekommen werden.

Fazit: Lehren und Forschen muss nicht, kann aber Berufung sein!