Identität im Netz remodulieren.

Resume Wenn Menschen Ihre Positionen offen im Netz darstellen, eröffnet sich die Chance einer grundlegenden Remodulierung von Identitäten.

1. Beispiel für offenes Verhalten

Da Josef Bauernfeind sehr offen über seine Arbeit und seine gesellschaftlichen Vorstellungen berichtet, ergibt sich die Möglichkeit von vertieftem Gedankenaustausch mit entsprechenden Annäherungen und gegenseitigen Bereicherungen.

2. Christian Heller und sein Ansatz der Post-Privacy

Blogeintra zugleich Vortrag auf dem Politcamp 2010 in Berlin

Videointerview:

Fazit: Alles natürlich mit Vorsicht und cum grano salis.

PS: Hier parke ich noch nachträglich einen sehr interessanten Link, den ich Maik Riecken verdanke:

Persona  – was Julia Seeliger mit Marcel D’Avis verbindet (von Kristian Köhntopp)

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7 Antworten

  1. mh … sehr interessante Vorstellung: Sich von den Zwängen seiner Identität frei machen in dem man einfach alles preisgibt. Da schwingt doch sehr deutlich der Herr Foucault mit durch. Nur kann man den so lesen, dass unsere Identität durch Praktiken der Selbst- und Fremdpositonierung im gesellschaftlichen Raum konstuiert wird. Gebe ich alles Preis, mache ich mich demnach doch nicht von den Zwängen meiner Identität frei, sondern liefere Beweismaterial um mich auf EINE Identität festnageln zu lassen. Etwas, das vorallem Politikerinnen und Politiker — ob ihrer Schwierigkeiten mit dem Wahrheit-Sagen — tunlichst lassen.

  2. @Hannes
    „Gebe ich alles Preis, mache ich mich demnach doch nicht von den Zwängen meiner Identität frei, sondern liefere Beweismaterial um mich auf EINE Identität festnageln zu lassen.“
    – Wer hat die Lust, das Interesse und die Zeit, dich überhaupt auf eine Identität ferstzunageln. Es sind soviele Bausteine vorhanden, dass man überall Gegenbeweise finden kann zu der Identität, auf die man dich festnageln will. Man findet am Ende Beweise für alles und für das Gegenteil davon…

  3. Privatheit ist abhängig von Gesellschaft. Menschen in Naturvölkern, die in losen Gruppen als Jäger und Sammler leben, kennen oft keine Privatsphäre und dadurch keine Privatheit. In unserer Gesellschaft hat sich die Privatsphäre in einem langen Prozess etabliert. Gesellschaft kann ihren Mitgliedern Privatheit abnehmen, etwa wenn eine Person ins Gefängnis gesteckt wird. Auch beim Militär reduziert sich Privatheit.
    In unserer Gesellschaft sehe ich zwei Trends. Einmal sind es die vorwiegend jungen Mitglieder der Gesellschaft, die ohne Zögern private Informationen auf sozialen Plattformen preisgeben. Die Masse, derer die es ihnen gleichtun, scheint ihnen Recht zu geben. Irgendwo erscheint ihnen letztlich alles normal, fühlen sie sich dadurch aber auch ihrer selbst versichert. „Ich bin wie tausende andere, nicht schlechter, nicht minderwertiger. Und doch bin ich ich, habe mein Profil.“ Probleme macht diesen jungen Menschen das Preisgeben ihrer persönlichen Informationen nicht und sie sehen auch keine Gefahren oder Nachteile. Das geht dann so in die von Herrn Heller aufgestellte These.
    Die andere Richtung, die ich sehe, das ist die Datenflut, die nahezu jedes Mitglied unserer vernetzten Gesellschaft erzeugt, bewusst wie auch unbewusst, von Kreditdaten, Paybackkarten und Patientendaten, über Suchabfragen und Seitenbesuche bis zu Bewegungsprofilen über Mobiltelefone.
    Während die Offenlegung persönlicher Daten beim ersten Trend in der Regel freiwillig geschieht, erfolgt sie beim zweiten Trend oft ungefragt.
    Daten können Macht bedeuten, vor allem in den falschen Händen. Der Industrie unterstellt man gemeinhin keine bösen oder schädlichen Absichten, dem Staat wohl. Die Erfahrungen aus der Geschichte geben berechtigt Grund zu letzterem und haben nicht umsonst zu der dezentralisierten Datenhaltung in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik Deutschland geführt.
    Uneingeschränkte Offenheit von privaten Daten kann sicher Vorteile mit sich bringen, zum Abbau von Vorurteilen führen, Legalisierung bestimmter Verhalten begünstigen und den Menschen eine Sorge um den Schutz der Privatheit nehmen. Leider kann die komplette Offenlegung privatester Daten auch nachteilig wirken, vor allem, wenn es zu gesellschaftlichen und politischen Veränderungen kommt. Diskriminierung aufgrund von genetischen Defekten oder anderen persönlichen Traits wären dann nur ein Beispiel.
    Die Diskussion, die Herr Heller mit seinen Thesen angestoßen hat, ist notwendig. Es muss ein Bewusstsein entstehen für Privatheit und ihren Wert, wie auch ihre Grenzen. Die Zukunft wird mit Sicherheit einen veränderten Begriff von Privatheit bringen, vielleicht in Richtung einer in Teilen reduzierten Privatheit. Ich bin gespannt.

  4. @damienduchamps
    Ich bin absolut einverstanden mit Ihrer Analyse. Was meine Haltung angeht, ich habe sie beispielsweise hier etwas verschärft zusammengefasst:
    http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Neuron
    Aber die Gefahren, die Sie nennen, sehe ich auch. Auf jeden Fall ist eine vertiefte und zugleich breite Diskussion in der Gesellschaft unabdingbar und sie wird allmählich auch geführt…

  5. ein Knackpunkt scheint mir die Frage der Verantwortlichkeit: wer macht wen warum wie wirksam für was verantwortlich ? für das gedachte, publizierte, in sonstige Handlungen oder gar Richtlinien und Gesetze ?-

    Wenn Identität als eine ständig im Wandel begriffene definiert wird, „es mich also denkt und fühlt“ wo, wann und wie machen wir da einen Schnitt zum vorläufen Festschreiben .?….

  6. @Jutta
    Wie viele anderen Phänomene und Begriffe wird Verantwortlichkeit neu definiert werden. Z.B. werden im Netz viele Beziehungen eingegangen und wieder aufgelöst, oft einseitig aufgelöst, weil der andere keine Zeit oder keine Lust oder beides hat. Wie kann man hier Verantwortung einfordern? Der andere ist einfach weg, für immer. Vielleicht wird man sich daran gewöhnen müssen, dass interpersonnelle Verantwortung abgeschwächt wird. Das gilt auch für alle Bereiche der Gesellschaft, auch für Familien oder Freundengruppen.

  7. @Jean-Pol
    ja, ich denke auch, dass viele Werte reflektiert werden müssen. Das ist ja eigentlich nicht neu 😉 wird nur anders sichtbar. Und hat viel mit der Zeit-Dimension zu tun. Ob Verantwortung abgeschwächt werden wird oder sollte glaube ich nicht. Denke eher dass sie befreit wird und expliziter ausgehandelt werden muss.

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