Christian Heller (@plomlompom): Post-Privacy

Resume Christian Heller denkt über die Chancen nach, die ein radikal offener Umgang mit den eigenen Daten für die Konstruktion der Identität im Netz bietet. Gewagte These in einer Zeit, wo Datenschutz von allen gefordert wird.

Quelle: Die Ideologie Datenschutz

Datenexplosion und Erosion des Privaten als Chance

Die gegenwärtige Daten-Explosion und Erosion des Privaten lässt sich als Bedrohung oder als Chance begreifen; in jedem Fall erschüttert sie bisherige Verhältnisse, Privilegien, Sicherheiten. Es ist verführerisch, sich in dieser Verwirrung an die vermeintlichen Sicherheiten des Status Quo zu klammern. Eine Welt im Fluss erfordert aber nicht nur immer wieder die Rechtfertigung von Neuem gegenüber dem Alten, sondern auch umgekehrt immer wieder die Infragestellung des Alten durch das Neue. Der Status Quo findet sich oftmals nicht nur an seiner Oberfläche, sondern tief in seinen denkerischen Voraussetzungen angegriffen: Dann muss grundlegend darüber reflektiert werden, wie unsere Menschen- und Gesellschaftsbilder beschaffen sind und was wir uns von ihnen erhoffen.

Wie Christian Heller die Spielräume auslotet

Und dieses Sich-Aussetzen in vorsichtigen Dosen versuche ich, indem ich hier und da mit Post-Privacy experimentiere. So lerne ich im Kleinen Strategien des Umgangs kennen, unerwartete mögliche Gefahrenfelder, aber auch unerwartete Möglichkeitsbereiche. So kann ich dann auch informierter abwägen, wo sich die Investition in Geheimhaltung (mit all den Schwierigkeiten, die das impliziert: aufpassen, wem man was an welcher Stelle sagt; der sich immer wieder aufdrängende Glaube, sich rechtfertigen zu müssen, warum man dieses öffentlich macht, jenes aber nicht) lohnt und wo nicht; und wo sich die Investition in Offenheit lohnt und wo sie eher Ärger bereitet. Ich predige also keineswegs für ein sofortiges sorgloses Stürzen in totale Entprivatisierung; nur dafür, sich in den neuen informationellen Gegebenheiten zu orientieren und dabei bald notwendige Erfahrungen zu sammeln, anstatt blind auf den Status Quo oder die Versprechen der Datensparsamkeit zu vertrauen.

Fazit: Es ist nicht sicher, dass durch offenen Umgang mit Privatem die Toleranz der Gesellschaft wachsen wird. Auf jeden Fall wird die Reflexion über die eigene Identität und deren Entwicklungspotentiale intensiviert.

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5 Antworten

  1. manchmal google ich nach leuten, und wenn ich nix finde habe ich einen kurzen anflug, die existenz der person an zu zweifeln…

  2. @michael
    in deinem beruflichen umfeld wird es selten der fall sein, dass du jemanden nicht findest!

  3. Umso größer ist die Versuchung, anzunehmen, dass das auch für andere Felder gälte.
    Aber noch bleibt es ja bei einem „Anflug“.

  4. Für mich gilt eigentlich „Wenn ich etwa nehme, also gute Ergebnisse bei Google, muss ich auch etwas geben, also private Informationen“. Doch hier gibt es eine Grenze, die es aufmerksam zu beobachten gilt.

  5. @Hosi
    Daher müsste man „Datenschutz“ vielleicht gegen einen weniger defensiven Begriff austauschen.

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