Was mache ich im Grünen Büro?

Resume Im Zentrum meines Lebens steht die Suche nach dem Glück. Macht mich das Grüne Büro glücklich(er)?

1. Ausgangspunkt: Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

An diversen Stellen habe ich beschrieben, dass über die von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse hinaus auch das Verarbeiten von Informationen ein Grundbedürfnis ist. Der Prozess der Informationsverarbeitung wird im Gehirn durch Endorphin Ausschüttungen belohnt. Das ist im Sinne der Lebenserhaltung: denken muss Spaß machen, damit man den Prozess der Informationsverarbeitung bewusst aufsucht und sich dadurch permanent an die Veränderungen der Umwelt anpasst.

2. Rückblick auf mein Leben

Wenn ich die Maslowsche Beschreibung heranziehe, so kann ich sagen, dass ich in meinem Leben sehr glücklich war. Insbesondere mit der Verarbeitung von Informationen war ich gut bedient. Im Sinne meines Menschenbildes (exploratives Verhalten, no risk, no fun) stürzte ich mich stets in neue Projekte, also in Situationen, in denen ich kontinuierlich konzeptualisieren musste (Eustress).

3. Und jetzt

Nach dem Ruhestand ist es mir, glaube ich, gelungen, meine Informationsverarbeitungsdosis beizubehalten. Hauptlieferant ist die Philosophie. Ich habe mir vorgenommen, mir einen Überblick über diesen Bereich zu verschaffen und meine Lektüren versorgen mich permanent mit Erkenntniskicks. Auf einmal kann ich Namen einordnen, die mir bisher vertraut waren, aber über die ich kaum Wissen verfügte. Da es ohne Druck nicht geht, habe ich gleich auch Philosophie-„Kurse“ angeboten, was mich zwar leicht stresst, aber dafür sorgt, dass ich ununterbrochen über Philosophie lese. Und das ist ein tolles Gefühl, wenn man beispielsweise „John Stuart Mill“ sofort in die Tradition des Utilitarismus von der Antike bis zur Gegenwart einordnen kann, mit Vorgängern und Nachfolgern. Man gewinnt „Kontrolle“ über ein bedeutsames Wissensfeld. Und dieses Wissen hat praktische Auswirkungen.

4. Und was mache ich denn im Grünen Büro?

Es macht Freude, Wissen weiterzugeben. Man wird durch den Zuwachs an Kompetenz des Partners belohnt (ein bisschen Altruismus ist auch im Bauplan der Natur). Ich sitze im Grünen Büro jede Woche am Dienstag und am Donnerstag von 17:00Uhr bis 20:00Uhr und warte, bis jemand was von mir will. Z.B. sich über Philosophie unterhalten, über Politik, über den Alltag. Vor allem möchte ich Menschen behilflich sein, die partizipieren und sich dank des Internets einbringen wollen. Sie können ihr Wissen hochladen (beispielsweise in Wikipedia), sie können kommunalpolitische Themen angehen und Kommentare in dafür gedachte Internetseiten einspeisen, sie können auch Blogs einrichten und sich und ihre Ideen und Wünsche vorstellen. Gestern war ein junger Mann bei mir im Grünen Büro. Er ist sehr dynamisch und positiv, musste aber – durch eine frühere längere Krankheit bedingt – viele schwierige Situationen überwinden.  Nun erstellt er einen Blog, indem er aufzeigt, wie es ihm gelungen ist, trotzdem den Mut nicht zu verlieren! Er wird anderen Menschen helfen!

Fazit: Viele Menschen verfügen über Wissen und Energien, die sie selbst gar nicht erkennen. Sie wissen nicht, dass andere Menschen sie brauchen. Im Grünen Büro sollen sie es erfahren!:-))

Interview auf der Cebit10: gerade entdeckt und zur Abrundung eingefügt, weil ich hier noch einmal auf den bottom-up Charakter unserer Netz-Aktivitäten hinweise:

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9 Antworten

  1. ja, das klingt cool, rundherum 🙂 kann auch deine begeisterung für die philosophie so gut nach empfinden, hatte vor vielen jahren eine phase der desorientierung, meine vielen methoden und konzepte schienen sich alle zu widersprechen, das graben in ihrer entstehungsgeschichte war dann ein echter befreiungsakt und das wird wohl nie mehr zu einem ende kommen…ich freue mich so auf den philoskype !!

  2. @Jutta
    „das graben in ihrer entstehungsgeschichte war dann ein echter befreiungsakt“
    – Sehr interessant!

  3. Was mache ich im Grünen Büro? Eine Frage die ich mir vergangene Woche auch gestellt habe (;

    Also nochmals vielen Dank für Arrangement und die Arbeit die Sie sich machen, um andere Menschen weiterzubringen.

    Sie kennenlernen zu dürfen, ist eine echte Bereicherung und das Ausarbeiten von Ideen ist nicht nur produktiv, sondern macht auch noch Spaß!

    Beste Grüße von hier
    Robert

  4. @rzelyk
    Was meinen Sie? Helfen ich Ihnen mehr, oder Sie mir?:-)) Win-win-Situation! Und die nächsten Schritte sind, dass Sie ihren Blog weiterhin mit interessanten Informationen füllen. Daraus sollte ein richtiger „Wissenscontainer“ für Betroffene werden! Stoff haben Sie ja genug! Danach können Sie Institutionen kontaktieren und Ihren Blog zeigen. Einige schreiben Sachbücher, Sie haben Ihren Sachblog! Auch ein paar Links zu nützlichen Institutionen wären gut. Das wird auf jeden Fall ein Erfolg werden, davon bin ich überzeugt!

  5. „Der Prozess der Informationsverarbeitung wird im Gehirn durch Endorphin Ausschüttungen belohnt“ – das finde ich sehr spannend.

    Ich kann es subjektiv, persönlich bestätigen, da es mich als „Informations- und Media Junkie“ täglich neu euphorisiert – mich interessieren jedoch auch „objektive“ Quellen dazu – dankbar für jeden link

    Mit besten grüßen
    André

  6. @andre
    „Objektive Quelle“? Gerhard Portele: Lernen und Motivation. Beltz: 1975, S.164ff. Also nicht gerade eine Neuentdeckung!:-)

  7. @Andre
    Und ein Problem ist die Suchtgefahr! Man gewöhnt sich daran, permanent relevante Informationen zu verarbeiten und leidet, wenn man sich in einem impulsarmen Feld bewegt (z.B. Arbeitslosigkeit).

  8. @Andre
    Und noch ein Link „objektive Quelle“: http://bit.ly/cYZvqa

  9. Vielen Dank Jean 🙂 – der letzte Link hat mich daran erinnert, dass ich vor 7 Jahren von der Suchtforschungsgruppe der Berliner Charité interviewed wurde. Ich sprach dort über den Zusammenhang der Dopamine in Verbindung mit Videospielen – mmmh, Zeit, das Thema mal wieder neu zu betrachten.

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