Da gibt’s nix zu diskutieren!

Mein letzter Beitrag stellte meine Definition von „Bildung“ vor.  Sie hat den Vorteil, dass sie „hart“ ist, also keine offenen Stellen enthält. Sie steht daher auch nicht zur Diskussion!:-)))

Meine Definition des Begriffs „Bildung“

„Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die erlauben, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten. Die neuerstellten Konzepte ermöglichen die Planung und Durchführung von weiteren Handlungen. Sie schaffen die Sicherheit, die notwendig ist, um unbekannte Felder zu betreten, in denen neues Wissen generiert wird.

Der Text ist mir nicht plötzlich eingefallen, sondern verdichtet meine Erfahrungen seit 30 Jahren, bis heute. Nur, dass diese Beschreibung mir gut den Begriff „Bildung“ mit Inhalt zu füllen scheint.

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17 Antworten

  1. „Sie steht daher auch nicht zur Diskussion!:-)))“

    also ein ausrufezeichen gefolgt von einem breiten grinsen interpretiere ich mal als geschlossen und dennoch offen.

    wobei ich wieder bei dem „sowohl als auch“ wäre, was mir ja sehr nahe kommt.

  2. @Michael
    Hoffentlich sehen dass alle So!:-))

  3. Deinen Bildungsbegriff will dir niemand nehmen.
    Doch wo findet man in deinem Menschenbild das, was von Hentig zu Bildung zählt? Abwehr von Unmenschlichkeit, Bewusstsein von Geschichtlichkeit, Wachheit für letzte Fragen? (http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung._Ein_Essay#Kriterien_f.ür_Bildung)

  4. @apanat
    Das findet man in dem satz: „GEMEINSAMES erstellen von Konzepten“. Wenn beim erstellen von konzepten die menschen der meinung sind, dass die von dir genannten kategorien dazu gehören, dann werden sie diese berücksichgtigen.

  5. Das habe ich mich auch gefragt, speziell was Geschichte betrifft. (Trotzdem, eine fruchtbare Definition.) Der Knackpunkt ist wohl der, etwas verkürzt : „Bildung ist, was neue Konzepte erzeugen hilft, die die nötige Sicherheit für weitere Handlungen bilden.“ Zum einen ist über die Art der Handlungen noch nichts gesagt*, aber vor allem ist Bildung über die Wirkung definiert – was hilft, ist Bildung. Gilt das für jede Person einzeln oder nur für Kulturen?

    *Frage: Bezieht sich das „Sie“ in der letzten Periode der Definition auf „Handlungen“ oder doch „Konzepte“? Vom Sinn her doch wohl die Konzepte, grammatisch ist das nicht eindeutig bzw. eher das erstere. Schlage eine Ergänzung zur Klärung vor.

  6. @Herr Rau
    „Der Knackpunkt ist wohl der, etwas verkürzt : “Bildung ist, was neue Konzepte erzeugen hilft, die die nötige Sicherheit für weitere Handlungen bilden.”
    – „Bildung“ ist der Schöpfungsakt. Das Schaffen von Konzepten (man könnte auch Schemata sagen).

    „Zum einen ist über die Art der Handlungen noch nichts g
    gesagt*
    – Alle Handlungen, die mit der Erhaltung des Individuums, der Art, der „Schöpfung“ zu tun haben.

    – „aber vor allem ist Bildung über die Wirkung definiert – was hilft, ist Bildung.“
    – Wie gesagt: Bildung ist ein Prozess, kein Ergebnis. Das Ergebnis sind die Konzepte, die aber permanent weiter entwickelt, also „gebildet“ werden müssen.
    – Das gilt für den Einzelnen, aber ohne andere wird der Einzelne beim Schaffen seiner Konzepte nicht sehr weit kommen. Insofern ist „Bildung“ ein kollektiver Prozess.

    *Frage: Bezieht sich das “Sie” in der letzten Periode der Definition auf “Handlungen” oder doch “Konzepte”? Vom Sinn her doch wohl die Konzepte, grammatisch ist das nicht eindeutig bzw. eher das erstere. Schlage eine Ergänzung zur Klärung vor.
    – „Sie“ bezieht sich auf „Konzepte“. Danke für den hilfreichen Eintrag!

  7. @Herr Rau
    Mit „KIonzepten“ meine ich „kognitive Schemata“.

  8. Mir gefallen zwei Gedanken an der Definition, die aber auch noch einige Fragen offen lassen:

    1. Kollektivität: Bildung entsteht niemals in Isolation, braucht also immer Input. Ich vermisse aber ein bisschen die Möglichkeit einer Bildung „am Gegenstand“, z.B. indem jemand Tiere beobachtet und daraus Konzepte über Tiere erstellt. Sind solche Konzepte erst dann Bestandteil der Bildung, wenn sie mit anderen diskutiert werden (also gemeinsam erstellt)?

    2. Mich erinnern deine Worte stark an Wissenschaft im Allgemeinen (immer offene Konzepte, neues Wissen generieren). Wie unterscheidest du Bildung von Wissenschaft, bzw. unterscheidest du überhaupt zwischen den beiden? (ich persönlich finde es schwierig, zwischen beiden zu unterscheiden)

  9. Ich nehme gesprochen / geschriebene Sprache tendenziell auf der Inhaltsebene (Sachebene) – und da die Beziehungsebene zwischen uns wohl stimmt, erlaube ich mir auch hier, auf der Sachebene zu lesen und entsprechend zu kommentieren.

    Auch wenn es „hart“ klingen mag – da muss du jetzt durch:

    Ich finde, dass aufgrund der Missverständnisoptionen, die die Formulierung „Sie steht daher auch nicht zur Diskussion!:-)))“ in sich birgt, eine solche Formulierung in einem Blog, das von gemeinsamer Wissenskonstruktion ausgeht, sich als schwierig erweisen könnte, egal wie viele Smileys angehängt werden.

    „also keine offenen Stellen enthält“

    Geschlossene Systeme neigen zu Extremismus und Fundamentalismus. Das kann gerade in den ideologisch eh schon überfrachteten Bildungsdiskussionen schwierig werden.

    Und dann der logsiche Widerspruch:
    „flüssig“, „beweglich“, „unbekannte Felder“, „neues Wissen“ vs sie steht nicht zur Diskussion.

    Du kannst das 100x ironisch meinen, 1000x das Gegenteil von dem bezwecken, was du da sagst.

    Nichts gegen die inhaltliche Seite, auch wenn sie mir eher mit WISSENSkonstruktion zu tun hat, als mit Bildung. Das ist dann wohl auch die Grenze eines kognitionspsychologischen Versuchs: Über Bildung kann dieser Versuch meines Erachtens so wenig sagen wie über so etwas wie eine „Seele“.

    Und von daher ist deine Definition aus meiner Sicht (die eine bekennend geisteswissenschaftliche ist) eine interessante Anregung für das Denken, aber als Definition für Bildung kann ich damit wenig anfangen. Höchstens als einen Aspekt des Bildungsbegriffs kann ich diese Definition für mich annehmen.

  10. Ich finde eine Sache sehr schade: Dass du die Diskussion ausschließt (selbst wenn Smilies dahinter stehen). Weil: Etwas, worüber ich nicht diskutieren kann, ist für mich uninteressant. Ich möchte herausgefordert werden, mich mit deinem Konzept und damit mit mir auseinandersetzen. Ich möchte spannende Diskussionen über solche Definitionen führen. Das ist für mich Informationsverarbeitung. Wenn ich das nicht haben kann, dann beschäftige ich mich mit was anderem.

  11. Eigenartig: Keine Diskussion ist HIER doch eine Diskussion (=10 Kommentare)

  12. keine diskussion darüber das diskussion so oder so stattfindet – und das ohne rotwein 🙂

  13. @Björn
    „Ich vermisse aber ein bisschen die Möglichkeit einer Bildung “am Gegenstand”, z.B. indem jemand Tiere beobachtet und daraus Konzepte über Tiere erstellt. Sind solche Konzepte erst dann Bestandteil der Bildung, wenn sie mit anderen diskutiert werden (also gemeinsam erstellt)?
    – Sie können auch allein erstellt werden. Ich werde die Definition entsprechend verändern.

    „Mich erinnern deine Worte stark an Wissenschaft im Allgemeinen (immer offene Konzepte, neues Wissen generieren). Wie unterscheidest du Bildung von Wissenschaft, bzw. unterscheidest du überhaupt zwischen den beiden? (ich persönlich finde es schwierig, zwischen beiden zu unterscheiden)“
    – Der Prozess ist in meinem Verständnis von Bildung derselbe wie bei der Wissenschaft, nur dass bei „Bildung“ alle Realitätsfelder in Frage kommen und nicht systematisch angegangen werden. Als ich mich entschließ, das Gebiet der Philosophie „in den Griff zu bekommen“ bin ich nicht systematisch forschend vorgegangen, sondern intuitiv assoziativ.

    @Herr Larbig
    „Auch wenn es „hart“ klingen mag – da muss du jetzt durch:“
    – OK. Mache ich (ohne smiley:-))

    „die Formulierung „Sie steht daher auch nicht zur Diskussion!:-)))“ in sich birgt, eine solche Formulierung in einem Blog, das von gemeinsamer Wissenskonstruktion ausgeht, sich als schwierig erweisen könnte, egal wie viele Smileys angehängt werden.“
    – Sehe ich ein.

    „also keine offenen Stellen enthält“
    – Definitionen bemühen sich doch, keine offene Stellen zu enthalten. Sie unterscheiden sich von den „Konzepten“ (oder kognitiven Schemata), die ich beschrieben habe und die Ergebnis von Handlungen und Ausgangspunkt zugleich von Handlungen sind. Die Definition ist deskriptiv, auch wenn sie implizit eine präskription enthält, nämlich wir sollen Konzepte erstellen.

    „Geschlossene Systeme neigen zu Extremismus und Fundamentalismus. Das kann gerade in den ideologisch eh schon überfrachteten Bildungsdiskussionen schwierig werden.“
    – Die Gefahr besteht, aber eine Definition ist kein (dynamisches) System, sondern eine Beschreibung und ein Denkinstrument.

    „Und dann der logsiche Widerspruch:
    „flüssig“, „beweglich“, „unbekannte Felder“, „neues Wissen“ vs sie steht nicht zur Diskussion.“
    – Siehe oben. Die Definition selbst hat eine spezifische Funktion.

    „Und von daher ist deine Definition aus meiner Sicht (die eine bekennend geisteswissenschaftliche ist) eine interessante Anregung für das Denken, aber als Definition für Bildung kann ich damit wenig anfangen. Höchstens als einen Aspekt des Bildungsbegriffs kann ich diese Definition für mich annehmen.“
    – Immerhin. Für mich persönlich ist die kognitionspsychologische Perspektive ausreichend. Daher meine „Weigerung“ zu diskutieren. Vorschläge nehmen ich dagegen gerne an, wie man aus unserem Gespräch feststellen kann.

    @cspannagel
    „Dass du die Diskussion ausschließt (selbst wenn Smilies dahinter stehen).“
    – Ich schlage eine kognitionspsychologische Definition von Bildung vor. Du hast von anfang an mit deinen tweets signalisiert, dass du eine solche nicht für sinnvoll betrachtest. Nun ist die kognitionspsychologische Perspektive konstitutiv für meinen Vorschlag. Wenn du diese Prämisse nicht annimmst, dann können wir in der Tat nicht „diskutieren“. Vorschläge nehme ich doch gerne an…

  14. @Hosi
    :-)))

  15. @jeanpol Doch. Man könnte über die Prämissen diskutieren. Warum nicht? Weil du diese für dich festgelegt hast und darüber nicht sprechen willst (warum auch immer). Hier könnte interessante Diskussionen stattfinden (Warum ist eine kognitionspsychologische Definition sinnvoll oder nicht? Ist es die einzig sinnvolle kognitionspsychologische Definition? Könnte man geisteswissenschaftliche Aspekte über die menschliche Kognition in das Konzept integrieren?) Das wäre interessant. So ist es uninteressant.

    Ich verstehe ehrlich gesagt auch die Gesamthaltung nicht. Ich bestehe bei meinen Studenten darauf, dass sie mich immer kritisieren dürfen und auch jederzeit meine Prämissen hinterfragen dürfen. Dafür bin ich dankbar, weil ich weiß, dass ich irren kann. Und selbst wenn du über mehrere Jahrzehnte deinen Ansatz entwickelt hast, kann immer noch jemand (z.B. ein Student) kommen und dir durch eine einzige Frage zeigen, dass du dich geirrt hast oder dein Konzept umarbeiten musst usw. Aber vielleicht auch nicht – dann hätte es eine Diskussionsprobe mehr bestanden. Die Haltung „Ich diskutiere nicht über meine Aussagen“ ist in meinen Augen gänzlich unpädagogisch und zudem überhaupt nicht Web 2.0. Vielleicht solltest du wieder Bücher zwischen Buchdeckeln schreiben? 🙂

  16. @Christian
    Der Ausgangspunkt war ein anderer. Nach harter Arbeit, um die Geschichte der Philosophie im Ansatz zu überblicken (was natürlich eine enorme Herausforderung war, der ich nie richtig gerecht werden kann, aber seis drum) war mir klar, dass diese Aktion mit der Opposition „konzeptgesteuterter“ vs. „datengesteuerter“ Informationsverarbeitung gut zu beschreiben ist und eigentlich das phänomen der Bildung überhaupt erfassen könnte. Ich habe ein Video erstellt und einige Leute darauf aufmerksam gemacht, von denen ich ahnte, dass sie das als guten Denkanstoss ansehen könnten. Die genannten haben auch reagiert, insbesondere Jörg Kantel, den ich in diesem Bereich als besonders kompetent betrachte:
    http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/03/01/konzept-vs-datengesteuerter-informationsverarbeitung/
    Ähnliches gilt für @HerrnLarbig, @apanat, @Lutzland, @Filterraum, @MartinLindner und ein paar andere, die auch mitgemischt haben. Deren Anregungen habe ich aufgegriffen und umgesetzt. Ich wollte also nicht primär einen „interessanten“ beitrag liefern, sondern ein wichtiges Phänomen („Bildung“) so fassen, dass einige mit der Beschreibung etwas anfangen können.

  17. @Christian
    Im Einzelnen:
    „Warum ist eine kognitionspsychologische Definition sinnvoll oder nicht?“
    – Weil das Gehirn, insbesondere der kognitive Apparat das Instrument ist, mit dem Handlungswissen erstellt wird. Wenn ich Bildung als Konstruktion von Handlungswissen betrachte, dann ist es sinnvoll, das Instrument, mit dem ich Wissen erstelle, ins Zentrum zu setzen.

    „Ist es die einzig sinnvolle kognitionspsychologische Definition?“
    – Für das von mir anvisierte Ziel sehe ich keine nützlichere.

    „Könnte man geisteswissenschaftliche Aspekte über die menschliche Kognition in das Konzept integrieren?“
    – Könnte man, aber das würde die Definition ausdehnen und weniger operationalisierbar machen.

    „Ich verstehe ehrlich gesagt auch die Gesamthaltung nicht. Ich bestehe bei meinen Studenten darauf, dass sie mich immer kritisieren dürfen und auch jederzeit meine Prämissen hinterfragen dürfen.“
    – Deine tweet-statements signalisierten, dass du die Definition insgesamt ablehnst.

    „Und selbst wenn du über mehrere Jahrzehnte deinen Ansatz entwickelt hast, kann immer noch jemand (z.B. ein Student) kommen und dir durch eine einzige Frage zeigen, dass du dich geirrt hast oder dein Konzept umarbeiten musst usw. Aber vielleicht auch nicht – dann hätte es eine Diskussionsprobe mehr bestanden.“
    – Diesen Willen hatte ich in deinen tweets nicht erkannt.

    „Die Haltung “Ich diskutiere nicht über meine Aussagen” ist in meinen Augen gänzlich unpädagogisch und zudem überhaupt nicht Web 2.0.“
    – Es war auch nicht ernst gemeint. Das ist ja mein „interkulturelles“ problem

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