Noch einmal kurz zu Platon.

Resume Freitag und Samstag war ich in Hamburg auf dem Educamp, einer „Unkonferenz“, die wie immer sehr anregend war. Klar, dass mich Platon begleitet hat.

1. Drei Seelenteile

Ich schreibe ab aus Gerstenbergers 50 Klassiker, Philosophen:

„(…) Der Wagenlenker entspricht dem Seelenteil, den Platon „logistikon“ nennt, ordnenden Verstand. Das gute Ross steht für den Teil der Seele, den er „thymos“, Mut, nennt, das heißt die seelische Kraft, die der Verstand braucht, um seine Gedanken in die Tat umzusetzen. Den dritten Seelenteil, in dem Trieb und Leidenschaft beheimatet sind, nennt Platon „epithymetikon“, das Begehrende. Die Kontrolle über diese „niederen“ Seelenkräfte is die wichtigste Aufgabe des Verstandes.

2. Die Ordnung des Gemeinwesens

Die Zügel halten die Denker, die Philosophen, in der Hand; ihr ausführendes Organ sind die Krieger. Zusammen beherrschen sie die Bauern und Arbeiter, die sie ernähren. Platon ist alles andere als ein Demokrat; vielmehr ist in seinem streng hierarchischen Idealstaat fast alles genau vorgeschrieben. Überall  soll das Geistige herrschen, im Gemeinwesen wie im Menschen selbst. Der Mensch lebt nicht zum Vergnügen, sondern um nach Höherem zu streben oder doch wenigstens einigen Wenigen, den Philosophen, dieses Streben zu ermöglichen.

3. Meine Hypothese

Ich gehe davon aus, dass die Beschreibung aus dem populärwissenschaftlichen Buch stimmt. Platons Modell, das eine Hierarchisierung im Menschen von niedrigeren Ebene (Trieb/Begierde), über die mittlere Ebene (Mut/Kraft)  zur höchsten Ebene (Verstand) vorsieht, hat sich in dem abendländischen Bewusstsein fest verankert. Auch wenn wir uns intellektuell mit anderen Mustern befassen, diese dreistufige Einteilung haben wir verinnerlicht. Ich nehme an, die Einimpfung beginnt kurz nach der Geburt (Familie, Religion, Schule und später Uni). Auch die durch Platon vorgenommene Übertragung vom Menschen auf die Hierarchisierung in der Gesellschaft ist in unseren Gesellschaftsmodellen völlig verankert. Besonders die Universität entspricht dieser Schichtung.

Fragen an den Arbeitskreis:

1. Können wir in der Geschichte der Philosophie nachvollziehen, wie dieses Modell transportiert wurde und welche Denker Alternativvorstellungen entwickelt haben?

2. Welche Aspekte können wir für uns noch akzeptieren und welche nicht?

3. Welche (negative vs. positive) Auswirkungen hat die Verankerung dieses Modells für den Einzelnen und für die Gesellschaft?