Für Christian Spannagel (zu seiner Frage, wie Senioren…)

Frage von Christian Spannagel: „Welche Möglichkeiten bietet das Web für Senioren, etwas zu lernen?

1. Ausgangspunkt

Senioren, wie alle anderen Menschen auch, lernen in Handlungsfeldern, in denen sie mit Problemen konfrontiert werden. Sie müssen permanent Problemlösungen generieren und konzeptualisieren. Nun werden bei Menschen, die im Beruf stehen, die Probleme kontinuierlich von Handlungskontext geliefert. Bei Senioren ist es anders. Wenn sie ihre Problemlösefähigkeit erhalten wollen, müssen sie selbst aktiv nach Problemfeldern suchen. Sie müssen ihre Mitarbeit in Parteien, Vereinen und sonstigen berufsähnlichen Vereinigungen anbieten. Früher war es kaum möglich für einen Rentner das Aktivitätsniveau zu erhalten, das er vor der Pensionierung hatte. Seitdem es Web20 gibt, besteht die Möglichkeit, dass er sein Wissen, seine Erfahrung und seine Energie in sein früheres Berufsfeld einbringt. Allerdings setzt es voraus, dass die Gesellschaft entsprechende Strukturen systematisch aufbaut und bereithält.

2. Was bieten Senioren?

Senioren verfügen in der Regel über umfangreiche Erfahrungen und Wissen in einem Bereich. Während ihr aktives Berufsleben war es für sie zeitlich schwierig, über ihre Erfahrungen vertieft zu reflektieren, denn sie standen unter Handlungszwang. Im Rentenalter haben sie die Zeit, die Erfahrung zu Strukturwissen umzuformen. Beispielsweise habe ich mich selbst im Laufe meines Lebens viel mit Philosophie befasst, aber diesen Stoff habe ich nie durchdringen und zu klar strukturiertem Wissen umformen können. Jetzt habe ich die Zeit dazu. Und ich habe auch die Zeit, die Quintessenz meiner Reflexion weiterzuvermitteln.

3. Welche Aufgabe für Senioren?

– Man könnte Senioren mit kleineren Konzeptualisierungsaufgaben betrauen, wie das vor kurzem Lutz Berger mit mir getan hat oder Christian Spannagel gerade mit mir tut. Sie stellen mir eine Frage und ich nehme mir die Zeit, sie zu beantworten. Auch so wird Wissen konstruiert

– Man sollte sie aber auch in kleinere Projekte einbinden, damit sie sich nicht nur mit Theorie befassen sondern auch konkrete Probleme im Feld lösen müssen. Das geschieht für mich beispielsweise im Rahmen meiner Arbeit bei den Grünen.

Fazit Mit dem Web eröffnen sich also Möglichkeiten, Senioren in den allgemeinen Arbeitsprozess weiter einzubinden. Dazu müssen allerdings entsprechende Strukturen systematisch aufgebaut werden.

Philosophie (4): wie ich zu den vier Bereichen kam.

Resume Zunächst dachte ich, die Philosophie würde sich in erster Linie mit ethischen Fragen befassen. Dieser Eindruck war bei früheren Lektüren entstanden, also intuitiv, in der Praxis. Mit dieser Hypothese stieg ich ein, und siehe da…

1. Aus der Praxis gewonnene Intuition (Theoriebildung)

Natürlich habe ich mich viel mit Philosophie befasst in meinem Leben. Aber zufällig, ungeplant. Intuitiv dachte ich, das Thema der Philosophie sei Ethik und wie man zum Glück gelangen kann. Das war auch meine Motivation, mich mit Philosophie zu beschäftigen. Ich hatte unbewusst aus meiner Praxis die Theorie aufgestellt, Philosophie behandele ethische Fragen.

2. Schritt in die Realität

Mit dieser Hypothese (Theorie) bin ich an meine Lektüren herangegangen (Schritt in die Empirie). Und siehe da, die Philosophen, mit denen ich mich befasste, behandelten (auch) ganz andere Themen, wie die Frage der Urstoffe und Urprinzipien, der logischen Anwendung von Sprache, der Voraussetzung von Erkenntnis. Um diesen Wust an Themen in meinem Kopf zu ordnen, brauchte ich Kategorien. Diese Kategorien stehen am Anfang von jedem Buch über Philosophie, aber ich hatte sie übersprungen, weil ich sie zu diesem Zeitpunkt nicht brauchte. Erst die konkrete Konfrontation mit den Texten ließ bei mir das Bedürfnis entstehen, den unübeschaubaren Stoff zu ordnen und dadurch kognitiv zu kontrollieren. Ich musste auf die bereits existierende Theorie zurückgreifen.

3. Griff zu den Kategorien

Die Wissenschaft liefert Kategorien, die mir helfen, den Praxiswust zu ordnen. Aber mein Bedürfnis danach besteht erst jetzt, nach dem Schritt in die Realität (Lektüre der Texte). Jetzt hilft es mir sehr, wenn ich erfahre,  dass die vier Bereiche der Philosophie die Metaphysik, die Logik, die Erkenntnistheorie und die Ethik sind. Dieses Raster brauche ich, um meine Lektüren fortzusetzen und thematisch besser einzuordnen. Aber die Kategorien hätten mich am Anfang gestört. Der Wunsch danach musste erst durch das Gefühl entstehen, den Überblick beim Anstieg der Textmengen zu verlieren.

Fazit Theorie Ok, aber erst wenn der Wunsch danach in der Praxis entsteht.