Senioren. Lutzens Auftrag.

Resume Lutz Berger hat mir einen Videoauftrag erteilt. Den muss ich erledigen.

FÖRMLICHER ANTRAG AUF REFLEKTION + VIDEO ich stelle einen antrag auf einen antrag für eine reflektion über wie kann das (firmen- und organisationsspezifische) wissen von frisch aus dem beruf ausgeschiedenen senioren einer company oder organisation erhalten bleiben? meistens geht ja mit dem kopf das wissen und ein wichtiger hub im netzwerk von heute auf verloren. welche austauschmöglichkeiten zwischen den generationen gibt und gäbe es? was fällt dir/euch dazu ein? was hab ich vergessen?

1. Ausgangspunkt

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die froh sind, wenn sie nicht mehr im Arbeitsprozess stehen und endlich ihre Hobbies pflegen können. Wenn man aber seine Arbeit zum Hobby gemacht hat und sehr aktiv ist, bedeutet der Eintritt in den Ruhestand einen radikalen Bruch. Der gesamte Organismus mitsamt Gehirn wird stillgelegt. Es gibt Broschüren, die Senioren empfehlen, sich Neigungs-Gruppen anzuschließen, um Isolation und Regression entgegenzuwirken. Man sollte die Energie, die man braucht, um an neue Kreise Anschluss zu finden, nicht unterschätzen. Neulinge müssen über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen und sich auf längere Einstiesgzeiten einstellen, bis sie akzeptiert werden. Wer nicht sehr hartnäckig ist, gibt nach ein paar Wochen auf. Pech gehabt! Ich selbst habe mich in der VHS, bei den Grünen und im Bürgertreff angedienert.  Überall wurde ich sehr freundlich empfangen, aber trotzdem musste ich Rückschläge einstecken und mich bewähren.

2. Die Gefahr

Aus meiner Sicht ist die kritische Periode die Phase des Übergangs von der Hyperaktivität in den plötzlichen Ruhe-/Stillstand. Wer hier nicht powert, um im Rhytmus zu bleiben, verliert sehr rasch den Anschluss. Hier muss man also multipolar und neuronenartig abfeuern, ob man die Lust dazu hat oder nicht. Am besten führt man seine beruflichen Aktivitäten fort, nur dass man dies ohne Bezahlung und in anderen Kontexten tut. Und hier, wie bereits oben beschrieben, soll man sich nicht einbilden, dass man sofort unbesehen mit offenen Armen aufgenommen wird.

3. Was die Gesellschaft machen kann

Unternehmen und Institutionen sollten von sich aus ihre Senioren weitervermitteln, falls sie dies wünschen. Wie man Studenten nach dem Studium plaziert, sollte man dies mit Senioren tun.  Zum Abschied wäre ein Mitarbeitergespräch angesagt, bei dem die Firma dem Ruheständler verschiedene Angebote unterbreitet, wo er sich ehrenamtlich einbringen kann. Im Augenblick wird dies in kleinen Mengen von staatlichen Agenturen geleistet. Wie wäre es, wenn jede Institution, jedes Unternehmen seine Senioren in Hilfsprojekten unterbringen würde?

Fazit Danke Lutz, dass du mich gefragt hast. Ob man mit meiner Idee etwas anfangen kann, weiß ich nicht. Mir hätte es auf jeden Fall geholfen, wenn die Eichstätter Uni mich von sich aus nach Äthiopien oder Benin geschickt hätte, um dort pädagogische Projekte durchzuführen.

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14 Antworten

  1. […] macht. (Gerade stelle ich fest, dass Jean-Pol von Lutz einen Videoauftrag bekommen hat zum Thema Wie können Organisationen von Senioren lernen – emergiert etwa gerade das Thema “Senioren im […]

  2. Ja Jean-Pol, das ist nun einmal die Theorie, der ich grundsätzlich zustimme. Doch in der Praxis habe ich in den letzten Jahren mindestens folgende Fälle beobachtet:

    1) Der Mitarbeiter verlässt das Unternehmen im regulären Ruhestandsalter und ist froh, wenn er sich endlich einmal seinen privaten Interessen widmen kann. Ob ihn das ausfüllt, interessiert in dem Moment wenig!

    2) Das Unternehmen entlässt seinen Mitarbeiter in den Vorruhestand und ist froh, dass das gelungen ist. Wie der Mitarbeiter damit klar kommt, interesseirt überhaupt nicht!

    Wenn der gewünschte Übergang für beide Seiten erfolgreich sein soll, muss man wohl über die Schaffung von Win-Win-Situationen nachdenken und bereits viele Jahre vor dem Ereignis „Ruhestand“ miteinander darüber sprechen.

    Eine Lösung könnte z.B. sein, dass der Mitarbeiter bereits während seiner aktiven Zeit zu einem bestimmten Teil mit ehrenamtlichen Tätigkeiten beschäftigt wird, die durch die Organisation gefördert werden.

  3. @Hosi
    Danke für deine grundsätzliche Zustimmung. Jetzt sollten wir versuchen, dies auch politisch durchzusetzen. Da passt es ganz gut, dass ich bei den Grünen aktiv bin!

  4. Du in Benin und deine Kooperation mit Christian wäre nie geworden, was sie wurde, und weder die Zusammenstellung deiner LdL-Reflexionen noch deine Autobiographie wäre entstanden.
    Aber Benin hätte einen Helfer mehr gehabt.

  5. @apanat
    Stimmt. Aber es war ein großes Glück, dass ich noch die „Kurve“ gekriegt habe und „im Geschäft“ blieb. Benin wäre für mich weniger stressig gewesen. Und ich hätte auch vielleicht das Gefühl gehabt, weniger Ich-bezogen zu sein. Es hätte mich menschlich sicher weiter gebracht. Egozentrik ist keine schöne Eigenschaft.

  6. Zur Idee, dass Unternehmen ihre Senioren platzieren:
    Die Politiker tun es schon. Sollen es auch die Unternehmen?
    Ackermann bei attac, Jürgen Hambrecht bei Greenpeace? Ich weiß nicht, ob mich das so anmacht.
    Gut, du denkst weniger an die großen Fische, sondern an die kleinen. Volkshochschulkurse in Physik durch ehemalige Mitarbeiter von Biblis? Ich glaube, davon gibt es schon genug.

    Da scheint mir die Beratung von Jungunternehmern und die Mitarbeit in Tafeln angemessener. Da kann sich Organisationsfähigkeit bewähren, ohne dass gesellschaftlicher Einfluss undemokratisch gebündelt würde.

  7. @apanat
    An eine ganz konkrete Form habe ich noch nicht gedacht. Auf jeden Fall sollte die Firma oder die Institution dem Mitarbeiter helfen, diesen schweren Schritt erfolgreich zu gestalten.

  8. […] Senior-Neuron heute mehr Threads und Kommentare losgetreten, als 99,9 Prozent aller Blogger und 35. Mehr darüber beim Meister selbst, auf Christian Spannagels Blog und bei den […]

  9. […] schreibt gestern über Senioren und ihre nach-berufliche Bindung zu Unternehmen. Er liefert dabei die Stichworte: […]

  10. schon lange finde ich es sehr bedauerlich, dass das Wissen der Senioren einfach zum „Abfall“ wird. Die Gesellschaft kann es sich doch eigentlich nicht leisten soviel geistige Potenz nicht mehr zu nützen. Wie kann man dieses Wissen bündeln?
    Meine Lösung ist, dass ich einfach reduziert weiter arbeite.
    Die Bespaßung der Älteren kann es auf jeden Fall nicht sein.

  11. @Christel
    Ja, weiter (reduziert) arbeiten ist sehr gut. Nur muss man einen Anschluss finden, also einen Ort, wo man sein Wissen einbringen kann. Und das verlangt sehr viel Eigeninitiative.

  12. […] ins Klassenzimmer zu holen. Und nicht nur ins Klassenzimmer: auch in den Vorlesungssaal, in die Teambesprechung, in den […]

  13. http://www.ses-bonn.de/

    Ins Klassenzimmer holen ist viel zu allgemein; das hängt doch von dem jeweiligen Fach ab.

  14. @Ingrid
    Ja, das hängt vom jeweiligen Fach ab, wen man „reinholt“. Aber in jedem Fach kann man jemanden per skype „reinholen“.

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