Philosophie (3): was bleibt? ganz einfach!

Resume Seit zwei Wochen habe ich mich ausführlich mit den Vorsokratikern, teilweise auch mit Sokrates, Platon  und Aristoteles befasst. Was bleibt?

1. Die Vorsokratiker

Wir haben uns im Arbeitskreis auf Thales, Pythagoras, Heraklit und Parmenides geeinigt. Thales scheint die Wende zu einem naturwissenschaftlichen Zugang bei der Weltbetrachtung einzuleiten. Ihn interessiert besonders die Frage, welches Urprinzip hinter allem „Seienden“ steckt. Und er kommt auf das Wasser, wobei „Wasser“ alles Flüssige einschließt, z.B. auch Metalle, weil man sie durch schmelzen verflüssigen kann. Pythagoras stellt sich dieselbe Frage nach dem Ursprung, kommt allerdings nicht auf ein Element (Wasser, Luft usw.), sondern auf die Zahlen als Erklärungsprinzip für die Welt.  Ansonsten gründet er eine Religion und treibt allerlei irrationalen Unfug. Heraklit konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den Wandel im Weltablauf (panta rhei). Die Welt entwickelt sich im Spannungsfeld von Antinomien. Parmenides sieht es ganz anders: für ihn bleibt alles gleich; wenn wir der Meinung sind, dass alles sich verändert, dann liegt es daran, dass unsere Sinne uns täuschen.

Was mache ich mit diesen Leuten? Thales gefällt mir, weil er in seinen Interpretationen als erster Abstand von Aberglaube und Religionen nimmt. Das werde ich mir merken. Pythagoras hat leider recht. Mathematik hat für das Verständnis der Welt eine herausragende Stellung. Schade, dass ich selbst so schlecht in diesem Fach war und bin. Heraklit gefällt mir besonders, weil ich ihn als Garant für einen wesentlichen Baustein meines Menschenbildes zitieren kann, nämlich meine Antinomien.  Allerdings brauche ich für mein Modell auch die Systemtheorie. Aber die kommt erst richtig mit Luhmann zur Geltung. Parmenides treibt interessante Gedankenspiele, aber dafür habe ich keine Zeit. Und dass die Sinne uns trügen können, das wusste ich schon vorher.

2. Sokrates, Platon und Aristoteles

Mit den drei habe ich mich noch nicht ausreichend befasst. Aber Sokrates lässt seine Partner durch geschickte Gesprächsführung auf ihre eigenen Widersprüche und Unsicherheiten kommen. Nicht sehr sympathisch als Vorgang, aber nützlich. Man soll seine Vorstellungen immer wieder hinterfragen, gerade wenn sie evident erscheinen. Während die Vorsokratiker sich vor allem mit Physik befasst haben, gilt Sokrates‘ Interesse der Ethik. Für ihn kann niemand glücklich werden, der nicht im Einklang mit den Grundwerten der staatlichen Gemeinschaft handelt. Diese Frage ist für mich zentral. Ich habe mich immer schon intensiv damit befasst. Mal sehen, was die TN des Arbeitskreises dazu sagen werden. Zu mehr werden wir am kommenden Montag nicht kommen. Platon und seine Ideenleher sowie sein hierarchisch strukturierter Staat gefallen mir nicht. Aristoteles und sein auf die Empirie gerichteter Blick wird uns dafür entschädigen.

3. Montag per Skype

Natürlich werden wir auf die von den TN erstellten Texte, Fragen und Anregungen zurückgreifen. Ich habe mich hier nur bemüht, die essentials zusammenzufassen. Denn im weiteren Fortgang des Gesprächskreises sollten wir immer im Kopf haben, wann und wie ein Thema zum ersten Mal aufgetaucht ist und wie es sich entwickelt hat. Zum Beispiel hat die Frage der Tugend Platon, Aristoteles, Epikur, Machiavelli, Rousseau usw. intensiv beschäftigt. Und Parmenides‘ Problem des Nichtsagbaren findet sich bei Wittgenstein wieder. Spannend, spannend!

Fazit Differenzieren und integrieren. Immer wieder beim Aufbau von Wissen. Ja nicht den roten Faden verlieren!

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5 Antworten

  1. „Und dass die Sinne uns trügen können, das wusste ich schon vorher.“

    Worum geht es dir denn? Um neue Einsichten?

    Da du von Luhmann sprichst: da bin ich der Ansicht (Einsicht wär übertrieben) dass er ein Vernebler ist.

  2. @Michael
    „Worum geht es dir denn? Um neue Einsichten?“
    – Du hast völlig recht mit deinem Einwand. Es ist ein logischer fehler. Ich möchte die Entwicklung von zentralen themen verfolgen, von der Antike bis zur Gegenwart und erwarte nicht unbedingt, dsss die alten Denker mir was „Neues“ beibringen.
    Luhmann hat für mich viel augehellt. Das zeigt wiederum, wie unterschiedlich wir dieselben denker rezipieren.

  3. @Michael
    Nachtrag: mit „wir“ meine ich nicht dich und mich, sondern wir menschen.

  4. ja. und der kleinste nenner für „uns“ menschen scheint mir dann tatsächlich so was wie sichtweisen nach maslow/martin (bedürfnisse) zu sein =)

  5. @Michael
    Guter Vorschlag!:-)))

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