Senioren Ahoi!

Resume Senior sein ist nicht schön. Das zeigt ein Blick auf die Maslowsche Bedürfnispyramide. Und dennoch…

1. Senioren und Maslow

Senioren haben – wie alle anderen Lebewesen auch – Grundbedürfnisse. Physiologische (Nahrung, Bewegung, Sexualität), Sicherheit, sozialer Anschluss, soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn (Transzendenz). Beim Ausstieg aus dem Beruf fallen gleich weg: soziale Einbindung, soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn. Physiologisch ist es auch nicht so toll, denn die Krankheit ist schon da oder zumindest einem dicht auf den Fersen. Was tun?

2. Handlungsräume definieren

Die verschiedenen Handlungsräume von Senioren lassen sich in solche, die ihnen vorwiegend Energie abziehen und solche, die ihnen vorwiegend Energie spenden unterscheiden. Krankheiten – eigene oder von Angehörigen – ziehen viel Energie ab. Dagegen gibt es Handlungsfelder, die einem massiv Energie zuführen, beispielsweise Aktivitäten sportlicher oder intellektueller Art mit Freunden oder Familie. Auch soziales oder politisches Engagement kann einen auftanken.

3. Firewall

Damit die energiefressenden Felder sich nicht negativ auf die energiespendenden ausdehnen versuche ich eine Art Firewall aufzubauen. Die Trauer, die sich in einem Handlungsraum notwendigerweise einstellt (beispielsweise wegen Krankheit oder sonstigen Sorgen)  darf ich nicht in ein anderes, mir Energie spendendes Wirkungsfeld mitnehmen. Sonst besteht die Gefahr, dass auch dieses Feld mir entzogen wird: Leute die mich aufsuchen (auch meine Kinder und meine Frau gehören dazu), haben es gerne, wenn ich gut drauf bin.

Fazit: Schlecht drauf in einem Trauerfeld – Szenenwechsel – gut drauf in einem Glücksfeld. Mal sehen, ob diese Strategie tragfähig ist…:-))

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15 Antworten

  1. Ja, Jeanpol… Du hast schon recht vielen Dingen. Als ich aus dem Beruf herausging habe ich auch Trauer empfunden und konnte mich erst nicht richtig organisieren. Ich hatte das Glück, dass ich die Zeit dann nutzen konnte, noch viel mit meinen Eltern zusammen zu sein, bevor sie krank wurden. Dass ich diese Zeit hatte (im Berufsleben wäre es so nicht möglich gewesen) empfinde ich heute auch als ein besonderes und großes Glück.
    Als mein Vater allein und pflegebedürftig zurückblieb habe ich es auch so empfunden, dass man gefangen ist in der Traurigkeit und wieder tat sich mir eine neue Tür auf – ich fand eine Anzeige unseres Vereins in der Zeitung, in der Tutoren gesucht wurden. Die Arbeit im Internetcafe des Vereins ist manchmal anstrengend, aber sie bringt – wie Du auch sagst – viel Energie. Man bekommt Anerkennung und oft auch Zuneigung. In der Arbeit formieren sich weitere Ideen, die man verfolgt und versucht zu verwirklichen. Jetzt wo ich meine Tage wieder frei gestalten kann, um so mehr. Die Räume, die ich mir geschaffen habe und die mir neue Entdeckungen ermöglichen, meine Erfahrungen bündeln, geben mir mehr Freiheit als je zuvor…
    Wenn die Gesundheit es zuläßt, werde ich also noch viele Dinge emsig verfolgen, so wie Du es auch tust…

    Ich wünsche mir, dass auch andere Senioren das entdecken…
    Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Dame, die nun auch allein und sozusagen frei ist – sie sprüht vor Wissensdurst und will nun alles ausprobieren, was sie zuvor nicht konnte. Das kann man doch wirklich nur unterstützen…
    Und in meinem Unterricht versuche ich auch zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich den PC und das Internet als Kommunikations- und auch als Lernmittel zu erschließen.
    In vielen Fällen gelingt es auch, es braucht halt nur ein wenig Zeit, wie alle guten Dinge…;-))

    Herzlichst Anntheres

  2. @Anntheres
    Danke sehr, Anntheres! Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich mit meiner Beschreibung richtig liege!

  3. drehen wir den spiess einmal um (du weisst, auf diesem planeten herrscht die schwerkraft und deswegen muss man die dinge manchmal auf den kopf stellen), drehen wir den spiess doch einmal um und werden zu säuglingen …

    du liegst satt und trocken in deiner vertrauten umgebung, es ist warm (die grossen nennen es sommer), die fenster stehen offen, ein windhauch weht herein und plötzlich ist derraum erfüllt von wunderbaren schwingungen. du siehst sie, du hörst sie, du fühlst sie und auf einmal bist du wie verzaubert, schwebend und eingehüllt in dieses schwingende, unbekannte universum.

    da geht plötzlich die tür auf, mama sagt: schau nur ein VOGEL – und plötzlich implodiert das wunder zu einem kleinen federhaufen, ein vogel. whhuusch!

    so ist das mit den namen. und den stationen. plötzlich bist du senior, oldie, sixtysomething, silver surfer … und die magie wird korsettiert und die musik zum tanz des lebens wird jäh abgedreht. stillstand.

    wohlgemerkt, nicht bei dir, jeanpol, denn ob du willst oder nicht, durch diesen blog, deine clips und deine ehrlichkeit der bilanzierung bist du längst role model für eine ganze generation. wetten?

    um es kurz zu machen und aus meiner perspektive: ich fühlte mich nie als kind, nicht als teenager, nicht als erwachsener und ich werd mich wohl auch nie als senior fühlen oder definieren. zipperlein hin oder her.

    also: in zukunft spendest du für jede weitere verwendung des wortes senior 5 euro an ein soziales projekt deiner wahl, filterraum wacht darüber und …?

    weitermachen!

  4. Danke Lutz! Wieder mal sehr poetisch! Wirklich schön!
    Es ist nun einmal so, dass ich zu einer Gruppe gehöre, die mit ganz konkreten Merkmalen belegt ist, ich meine materielle: weniger Geld, keine Arbeit, schrumpfende soziale Umgebung. Das kann ich und will ich gar nicht verdrängen, im gegenteil, ich will es beschreiben, damit ich das beste daraus machen kann. Ich mutiere zum professionellen Senior. Ich will die nächsten 20 Jahre meines Lebens professionell angehen, um ein Maximum aus meinem Körper und meinem Gehirn herauszuholen. Ich werde also weiter, vielleicht sogar noch viel intensiver mich als Senior outen!:-)) 5 Euros sind ein bisschen viel, denn du weißt ja: Senioren sind tendenziell ärmer als der Rest der Bevölkerung!:-))

  5. ich mutiere zum professionellen senior – DAS GEFÄLLT MIR WIEDER, DAS WERD ICH ZITIEREN

  6. FÖRMLICHER ANTRAG AUF REFLEKTION + VIDEO

    ich stelle einen antrag auf einen antrag für eine reflektion über

    wie kann das (firmen- und organisationsspezifische) wissen von frisch aus dem beruf ausgeschiedenen senioren einer company oder organisation erhalten bleiben?

    meistens geht ja mit dem kopf das wissen und ein wichtiger hub im netzwerk von heute auf verloren.

    welche austauschmöglichkeiten zwischen den generationen gibt und gäbe es?

    was fällt dir/euch dazu ein?

    was hab ich vergessen?

    ps: wenns wirklich nicht mehr für regelmässige fahrten nach nizza, paris und marseille reicht – ich ZAHL auch gerne einen fünfer oder ZEHNER für eine bestellte videoantwort! quasi eine art nachdenksteuer für senioren …

  7. @Lutzland
    Den Auftrag nehme ich gerne an. Ein bisschen musst du allerdings auf die Antwort warten… Rechnung per Nachnahme!

  8. […] auch mit viel Humor und Experimentierfreude das Medium “Video” erobert hat. In “Senioren Ahoi!” berichtet er über seine Erfahrungen beim Eintritt ins Senioren-Leben – per Video-Botschaft. […]

  9. lieber JeanPol
    es ist immer wieder schön, Dich und Deine Aktionen und ‚Weisheiten‘ mitzuverfolgen
    ich bin weiterhin sehr aktiv bezüglich jung&alt und zwischendrin mit allen möglichen Projekten, Aktionen und Kursen
    viel Spaß
    Manfred aus Ulm

  10. @Manfred
    Ja, du weißt wie man diese Phase des Lebens optimal gestaltet! Toll!

  11. […] gujoh am 22. Januar 2010 Wie versprochen heute mein erster Post. Ich beziehe mich darin auf das 5-minütige Video im gestrigen Post von Jeanpol. Er beschreibt darin einen “Verlust an Lebenszufriedenheiten und Lebensfreude” im Alter […]

  12. […] Veröffentlicht am 23. Januar 2010 von jeanpol Resume Lutz Berger hat mir einen Videoauftrag erteilt. Den muss ich erledigen. FÖRMLICHER ANTRAG AUF REFLEKTION + VIDEO ich stelle einen antrag […]

  13. […] sagt, dass ihn das Internet klüger macht. (Gerade stelle ich fest, dass Jean-Pol von Lutz einen Videoauftrag bekommen hat zum Thema Wie können Organisationen von Senioren lernen – emergiert etwa gerade […]

  14. […] Blog: Philosophie – Grüne in Ingolstadt – Die Brückenbauer – Senioren […]

  15. […] Blog: Philosophie – Grüne in Ingolstadt – Die Brückenbauer – Senioren […]

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