Groteske Gründlichkeit.

Resume Philosophen rezipieren bedeutet nicht, ihre gesamten Gedankengänge nachzuvollziehen. Es genügt, die zentrale Botschaft zu verstehen und historisch einzuordnen.

1. Philosophen müssen viel schreiben

Natürlich müssen Denker und Philosophen, die in einem bestimmten Kontext eine bahnbrechende Idee haben, diese untermauern und der Außenwelt so präsentieren, dass sie überhaupt wahrgenommen wird. Sie müssen extrem viel schreiben, meist wird auch nur eine einzige Schrift wirklich von der Öffentlichkeit aufgegriffen. Nicht selten entwickeln sie in dem historischen Kontext eine Terminologie, die zwar in ihrem Denkzusammenhang kohärent und nützlich ist, aber heute nur obskur, ja grotesk wirkt und den Leser unnötig verwirrt. Der Begriff „transzendentale Dialektik“ flößt Respekt ein, hat aber nur dann einen Sinn, wenn er im Rahmen des Kantschen Denkgebäudes verwendet wird. Ansonsten ist er nutzlos und skurril. Da gibt es keinen Grund, in Ehrfurcht zu erstarren.

2. Philosophen heute rezipieren

Meist greifen Philosophen die Gedanken auf, die zeitlich direkt vor ihnen diskutiert wurden. Sie können entweder diese Ideen radikalisieren, oder einen Kontrapunkt setzen. So pointiert beispielsweise ein Autor den Wert der Induktion und der andere wird sofort betonen, dass Deduktion der einzige richtige Weg ist. Wenn man dieses Spielchen genug beobachtet hat, dann kommt man als Leser zu dem Schluss, dass beide wohl wichtig für die Erkentnis sind: Induktion und Deduktion. Jeder vernünftige Mensch wird sofort erkennen, dass Sartres Ausspruch „Die Hölle, das sind die anderen“ ein ausgemachter Blödsinn ist. Das muss man nur öffentlich sagen. Wer traut sich zu verkünden, dass Sartre, Hegel, Schopenhauer und tutti quanti sowohl inhaltlich als auch terminologisch die Gedankenwelt enorm verschmutzt haben? Und Heidegger muss ich mir noch genauer anschauen, aber ich habe da gewisse Vorahnungen. Über ihn lese ich: „Das in die Welt geworfene Dasein ist jedoch nicht auf den bestimmten So-sein festgelegt. Es muss sich in jedem Augenblick und mit jeder Entscheidung erst zu dem machen, was es sein will. Heidegger nennt dieses Existenzial, dass das Dasein ‚dasjenige Seiende (ist), dem es in seinem Sein um sein Sein geht‘, ‚Sorge‘. In der Sorge wird die Zeitlichkeit der menschlichen Existenz, das Wissen um die eigene Sterblichkeit sichtbar; das Dasein ist ein ‚Sein zum Tode‘. Gäbe es die Gewissheit des Todes nicht, wäre das Dasein nicht ‚hinausgehalten ins Nichts“, es gäbe auch nicht die Gefahr, das eigene Leben, die Eigentlichkeit, zu verfehlen. Also: vor jeder Entscheidung muss mir klar sein, dass sie falsch sein kann und ich mir für falsche Entscheidungen Unanehmlichkeiten einhandele. Danke vielmals. Das erspart mir die Lektüre von „Sein und Zeit“ (1927).

Fazit Locker rangehen. Eine gute Überblicksschrift (z.B. das Philosophenportal von Zimmer oder Philosophie von Stephen Law) und ich habe die Sachen im Griff.