Lernziele auch für Senioren?

Resume Wenn das Prinzip des lebenslangen Lernens ernst genommen wird, bedeutet es, dass das Bildungswesen nicht nur für Schüler und Studenten Lernziele bereithält, sondern auch für Senioren.

1. Lernziel Gestaltungskompetenz

1996 wurden von der “UNESCO Task Force on Education for the Twenty-first Century” die von Jacques Delors so bezeichneten vier Pfeiler für lebenslanges Lernen verabschiedet (“Delors Four Pillars  for education throughout life” – www.unesco.org) :

  • learning to know,
  • learning to do,
  • learning to live together and
  • learning to be.

Die Vereinten Nationen haben für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgerufen. (…) Der Fokus liegt dabei auf dem übergeordneten Ziel der Gestaltungskompetenz, die sich zusammenfügt aus folgenden Teilzielen:

  • Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen.
  • Vorausschauend denken und handeln.
  • Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln.
  • Gemeinsam mit anderen planen und handeln können.
  • An Entscheidungsprozessen partizipieren können.
  • Andere motivieren können, aktiv zu werden.
  • Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können.
  • Selbstständig planen und handeln können.
  • Empathie und Solidarität für Benachteiligte zeigen können.
  • Sich motivieren können, aktiv zu werden (www.bne-portal.de).

2. Nachhaltigkeit Lernen

Die Bundesregierung beschloss im Jahr 2004, die UN-Dekade mit dem Aufruf zur Allianz Nachhaltigkeit Lernen zu unterstützen. Dazu hat eine Bund-Länder-Kommission auf der Grundlage der internationalen Vereinbarungen einen Orientierungsrahmen entwickelt, der die folgenden didaktischen Prinzipien enthält und ihnen jeweils Schlüsselqualifikationen zuordnet, die in die länderspezifischen Bildungspläne eingearbeitet werden sollten:

Didaktische Prinzipien Schlüsselqualifikationen
1. System- und Problemlöseorientierung Intelligentes, problembezogenes Wissen,Systemisches (vernetztes) Denken,

 

Antizipatorisches (zukunftsgerichtetes) Denken,

Phantasie und Kreativität,

Forschungskompetenz, Methodenkompetenz

2. Verständigungs- und Werteorientierung
Dialogfähigkeit, Selbstreflexionsfähigkeit,Werteorientierung, Konfliktlösefähigkeit
3. Kooperationsorientierung Teamfähigkeit, Gemeinsinnorientierung, Lernen in Netzwerken
4. Situations-, Handlungs- undPartizipationsorientierung Entscheidungsfähigkeit, Handlungskompetenzen, Partizipationsfähigkeit
5. Selbstorganisation Selbstorganisation von Lernprozessen, Evaluationskompetenz, Bereitschaft und Fähigkeit zu Lebenslangem Lernen
6. Ganzheitlichkeit Vielfältige Wahrnehmungs- und Erfahrungsfähigkeit, konstruktiver Umgang mit Vielfalt, Globale Perspektive

Fazit Lernziele, die für Kinder und Jugendliche festgelegt werden, sollen auch für Senioren gelten.

(Auflistungen und zentrale Aussagen wurden aus einem zur Publikation anstehenden Aufsatz von Margret Ruep, Rektorin der PH-Weingarten entnommen).

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18 Antworten

  1. Ich ergänze: Für Erwachsene im Berufsleben auch, oder? Eigentlich für jeden…

  2. @Oliver
    Ja, für jeden. Aber das Neue wäre, dass man auch für Senioren (verbindliche?) Lernziele definieren würde.
    Siehe dazu auch: https://jeanpol.wordpress.com/2009/09/23/seniorenbringschuld/

  3. Ah, verstehe. Bei lebenslangem Lernen habe ich Senioren gleich dazu gezählt. Aber du hast Recht, explizit gehen wahrscheinlich nicht viele darauf ein.

  4. @Oliver
    Ja, soweit ist weiß gibt es Lernziele für Senioren nicht.

  5. Ehrlich gesagt, ich dachte, du wärst über solche Formalia hinaus. „Personen stärken, Sachen klären und zwar in der Reihenfolge“ das sähe ich als meine Aufgabe.
    Wer will, mag die Stärkung der Persönlichkeit in Lernziele, Schlüsselqualifikationen, Bildungsstandards usw. herunterbrechen.

  6. @Cethegus
    Die einzelnen Kategorien scheinen mir hilfreich, wenn man mit einer Gruppe arbeitet. Die Teilnehmer, mit denen ich arbeite, fragen immer wieder, wozu sie beispielsweise einen Blog anlegen sollen. Mit den Lernzielen verfüge ich über Argumente,die mir sonst nicht sofort einfallen. Ich kann den TN einsichtig machen, dass diese Ziele für das gesamte Bildungswesen gelten und für alle Altersklassen.

  7. Das steht in der Satzung unseres Vereins, Jeanpol!
    Und das ist vermutlich die Triebfeder all dessen, was getan werden muss:

    „Handlungspotenziale älterer Menschen für die Allgemeinheit erhalten und nutzbar machen. Förderung der nachberuflichen freiwilligen gemeinnützigen (ehrenamtlichen) Tätigkeit älterer Menschen im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements.“

    Das ist auch das, was das Forum Seniorenarbeit NRW und sicher auch viele andere vermitteln wollen. Netzwerke der Ehrenamtlichen und dazu gehört auch die Fähigkeit mit und im Internet mitzugestalten! So sehe ich es jedenfalls…;-))

    Gruß Anntheres

  8. @Anntheres
    Danke, Anntheres. Alle Argumente, die man unseren Teilnehmern vorlegen kann, sind willkommen. Dazu können wohl auch die oben aufgelisteten Lernziele herangezogen werden.

  9. Leider ist ja Bildung meist sehr Wirtschaftsorientiert, weshalb nicht mehr berufstätige Menschen da nicht sonderlich umworben/gefördert werden.
    Ich finde Bildung sollte allgemein etwas mehr in Richtung Persönlichkeitsbildung gehen und von diesem reinen Wirtschaftsdenken weggehen.
    Das ist ein sehr wichtiges Thema.
    Mein eigener Großvater hat mich überrascht, wie er plötzlich in der Pension noch brotbacken gelernt hat.
    (Als beinharter Mechaniker hätte er so etwas früher nie gemacht)
    Der Wille zu tun und zu lernen stirbt ja (in einem mehr oder weniger gesunden Menschen) nie ab, dementsprechend sollte es auch mehr Bildungsangebote für Senioren geben.

    Dieser Blog ist ein sehr gutes Projekt!

  10. @Föhre
    Danke für die sehr positiven Hinweise und die ermutigenden Worte. Ermutigung braucht man ja (fast) immer!

  11. Entschuldigt, ihr habt im Prinzip alle recht und trotzdem quält mich ein ungutes Gefühl. Aus einigen Jahrzehnten Beruf und fast einem Jahrzehnt „Senioren-Bildung“, weiß ich wie unterschiedlich Menschen sind und wie wenig bei einer großen Zahl diese theoretische Argumentation zählt. Oft habe ich gerade mit meinen „guten Absichten“ eher Widerspruch erreicht.

    Mag sein, dass mich das auch an Jean-Pols Vokabeln stört. Z.B. „sollen“ Senioren wirklich einen Blog anlegen und „müssen“ sie ihre Erfahrungen weitergeben????

    Selbst meine Enkelkinder finden es besser, wenn ich ihnen vorbehaltslos helfe, dabei Tipps gebe, sie ermutige und so dann eben ganz freiwillig meine Erfahrungen weitergebe.

  12. @Horst
    Ich verstehe durchaus deine Bedenken und würde selbst welche haben, wenn ich als Außenstehender meine Texte lesen würde. Andererseits hat jeder von uns ein unterschiedlicher Zugang. Auch ich war 40 Jahre im Beruf, als Lehrer, Dozent aber auch z.B. als Reiseleiter und festgestellt, dass zumindest für meine Ziele ich mit ein bisschen Druck ganz gut vorankam. Vielleicht sprechen wir einfach unterschiedliche Leute an. Wie gesagt: ich verstehe dich ganz gut, aber habe eben meinen Stil. Ich hoffe, dass wir uns so ergänzen.

  13. Für mich wäre es sehr reizvoll, die Ziele der UN-Dekade auch für Senioren zu konkretisieren. Damit habe ich mich bislang nicht beschäftigt.
    Außerdem frage ich mich, inwieweit man hier differenzieren muss. Ist es nicht einfach ein Teilbereich von Diversity – Umgang mit Heterogenität. Es gibt Projekte, wo Alt und Jung miteinander und voneinander lernen. Das ist mir jedenfalls lieber als wenn Senioren als Sonderlerngruppe betrachtet werden – oder sehe ich das falsch?

  14. @Jean-Pol,

    du führst weiter oben aus: „Die Teilnehmer, mit denen ich arbeite, fragen immer wieder, wozu sie beispielsweise einen Blog anlegen sollen.“

    Ich denke, diese Frage kannst du eventuell nur indirekt beantworten. Vielleicht zeigen Beispiele viel deutlicher was ein Blog bedeutet, als Deine Argumente.

    Warum hat wohl Franz Frackowiak aus Castrop-Rauxel, und er ist immerhin 80 Jahre alt, einen gut gepflegten Blog?
    Siehe http://www.castroper-geschichten.de/index.html

    Wenn ich auf meine Betrachtung zu „Internet und Senioren“ http://stufr.de/wuedesign/blog/?p=551 zurückblicke, dann habe ich mir dort über die Hürde 1 Gedanken gemacht, nämlich die Motivation.

    In Fällen, wo mir die Frage gestellt wird „warum soll ich das machen“, versuche ich durch Fragestellung auf den Nutzen zu kommen, der z.B. mit einem eigenen Blog verbunden sein könnte.

    Aber ich gebe auch zu, dass es Fälle gibt, bei denen auch ich anerkennen muss, dass bei den älteren Menschen andere Prioritäten vorliegen. Dann bitte gut zuhören, auch wenn man sein Internet „nicht verkaufen“ kann, so lernt man persönlich doch überraschender Weise oft etwas Neues.

    Man hat nichts gegeben, dafür aber etwas bekommen. Dafür bin ich schon mal von Würzburg nach Ansbach gefahren. 150 km Fahtrstrecke und 5 Stunden Zeit. Aber, es hat sich gelohnt.

  15. @margret
    „Außerdem frage ich mich, inwieweit man hier differenzieren muss. Ist es nicht einfach ein Teilbereich von Diversity – Umgang mit Heterogenität. Es gibt Projekte, wo Alt und Jung miteinander und voneinander lernen. Das ist mir jedenfalls lieber als wenn Senioren als Sonderlerngruppe betrachtet werden – oder sehe ich das falsch?“
    – Senioren sind tatsächlich eine Sondergruppe, die entsprechend behandelt werden muss. Das Hauptproblem ist die Geschwindigkeit. Ein gutes Modell ist es, wenn junge Leute älteren die Internetkommunikation beibringen. Das Voneinander Lernen ist zwar als abstraktes Konzept sehr reizvoll, aber de facto lernen vor allem die Älteren von den Jüngeren.

  16. @Herbert
    Danke, ich habe deinen Text in meinem Kopf gespeichert und werde deine Gedanken bestimmt nutzen.

  17. Auf meiner Studienreise in Ghana hab ich zu meinem großen Erstaunen festgestellt, dass alte Leute selbst in einem afrikanischen Land nicht mehr von der Struktur der Großfamilie aufgefangen werden. Immer mehr alte Leute leben einsam und isoliert und fühlen sich nutzlos. Das hat auch den Ghanaern zu denken gegeben und deshalb gibt es jetzt zunehmend mehr Projekte, die alte Menschen ansprechen sollen und ihnen wieder mehr Lust und ZUversicht am Leben geben sollen. Wir haben so ein Projekt für Senioren besucht und wurden dort unter anderem mit den Tipps vertraut gemacht, die die Senioren dort lernen.
    Das sind durchaus sowas wie Lernziele:
    1. Be committed to your faith
    2. Get regular check ups
    3. Keep your mind active
    4. Volunteer your time, be active for others
    5. Develop a positive attitude
    6. Eat a healthy and well balanced diet
    7. Get regular exercise
    8. Practice random acts of kindness
    9. SMILE
    10. Be open to new experiences an possibilities. Get a hobby.
    Ich war auf jeden Fall erstaunt!

  18. @Barbara
    Vielen Dank, ich habe gleich einen Gastbeitrag daraus gemacht!

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