Archeologie des Ichs.

Resume Beim Verfassen meiner Entwicklungsgeschichte stelle ich fest, dass es mir von allem um das Sammeln von Identitätsbausteinen geht. Viele im Laufe meines Lebens haben mir Werte zugeschoben, die ich gedankenlos in mein Ich eingefügt habe.

1. Memoiren, Biographie oder was sonst?

Memoiren zielen vorwiegend darauf ab, eine Epoche aus der Perspektiven eines (relevanten) Zeitzeugen zu beleuchten.  Eine Biographie soll den Werdegang eines Menschen beschreiben, ohne spezielle Schwerpunktlegung. In meinem Fall ging es ursprünglich darum, dass Lehrer, die Lernen durch Lehren anwenden wollen, ein nützliches Kompendium in die Hand bekommen. Da LdL stark theoriebasiert ist und dezidiert Werte und Haltungen hervorhebt, die zum Gelingen schüleraktivierender Methoden beitragen, war es folgerichtig, dass ich als Initiator des LdL-Projektes rekonstruiere, wie ich zu diesen Werten kam. Insofern handelt es sich bei meinem Buch nicht um Memoiren (das steht eher Politikern zu), nicht um eine Biographie (das steht eher Abenteurern zu), sondern um eine Archeologie der LdL-Werte, sofern ich sie vertrete.

2. Als Archeologe Scherben sammeln

Beim Verfassen der ersten Seiten stelle ich fest, dass bestimmte Ereignisse oder bestimmte Menschen ganz anders in meine Wertebildung eingegangen sind, als ich mir das bisher dachte. So hat mir mein Freund Jacques Rappoport über sein Verhaltensmodell als kreativer, lustiger, unvoraussehbarer Mensch hinaus einen Baustein geliefert, der kaum Beachtung finden dürfte, wenn ich die Scherben nicht wie gerade mit einem Pinsel sauber machen würde. Er war sehr lustig, aber sein Esprit übte sich nie auf Kosten von anderen Menschen. Alle mochten ihn, aber man wusste nicht genau warum. Auf das von mir beschriebene Merkmal wäre niemand gekommen. Lustig sein und niemanden dabei verletzen. Daran mochte ich mich auch halten. Das ging in meine Wertvorstellungen ein.

Fazit Natürlich werden dem Kind von Geburt an massiv Wertesysteme angeboten. Aus den zahlreichen Modellen bastelt es sich im Laufe der Jahre ein eigenes, dessen heterogener Ursprung ihm nicht bewusst ist. Durch die historische Rekonstruktion gewinnt man Klarheit.

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7 Antworten

  1. lieber JeanPol
    zu Deinem Fazit:
    inzwischen hab ich für mich festgestellt, dass ich als vollständiger Manfred auf die Welt kam und dann ganz schnell durch meine Eltern, Erziehung, Umgebung, Religion und meine Reaktionen darauf ‚ein-gewickelt‘ wurde. Nach vielen – teils sehr schwierigen – Zeiten, bin ich jetzt dabei, mich wieder zu ‚ent-wickeln‘ und an meine Wurzeln zu kommen – ich selbst zu sein (werde der du schon immer bist).
    Und ich hab ganz viele liebe Menschen um mich herum, die mich dabei unterstützen und fo/ördern.
    Vor 3 Jahren bin ich auf GFK (Gewaltfreie Kommunikation) gestoßen, die mir beim ent-wickeln oft weiterhilft.
    bis bald – Manfred

  2. Zum Fazit:
    In der 6. KLasse hatten wir einen Lehrer, der mit einem Portrait Din A3, und einem etwas kleineren Bilderrahmen in die Klasse kam. Er schnitt dann mit einer Schere so lange die Ränder des Portraits ab, bis es in den Rahmen passte, und sagte dann: „Das ist Erziehung!“
    Jetzt geht die historische Konstruktion los 😉

    Liebe grüße,

    Tob

  3. @Manfred und Tob (Andreas)
    Dekonstruieren und dann wieder konstruieren. Wenn die Zeit noch reicht…:-)))

  4. Hi Jean-Pol,

    ich muss dir mal zu was ganz anderem Feedback geben: Ich finde die Struktur deiner Weblog-Beiträge klasse, mit Resume am Anfang und Fazit am Ende. Das hilft enorm beim Lesen und Verstehen!

  5. @cspannagel
    Super (dein Feed-Back). Den Tipp zur Struktur verdanke ich Maria-Christina Nimmerfroh, die ich auf dem Bodenseekongress getroffen hatte. Ihren Tipp habe ich damals sofort umgesetzt.

  6. Ja, ich überlege mir gerade, ob ich das nicht auch bei meinem Weblog-Artikeln so mache. Gefällt mir sehr gut.

  7. @cspannagel
    Klar. Allerdings hat jeder seinen eigenen Stil. Vielleicht passt es zu dir nicht… Das muss man einfach ausprobieren…

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