Durststrecken auf Kommunikationsplattformen.

Resume Offene Plattformen werden zur Kommunikation eingerichtet. Ich bin so naiv und fange an zu reden. Bis jemand antwortet. Das kann dauern…

Dann dupliziere ich mich einfach

@JP als Wissenschaftler
Danke für diese Absicht. Aber bitte zeitnah! Wir sind hier ja im Internet, das geht normalerweise ganz schnell!
Dein Jeanpol

@Jeanpol
Zeitnah? Ok. Aber dann muss ich weg.
Also: ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, die deinen Text gelesen haben und die sich wirklich auskennen. Sie sind recht begeistert, weil sie dein Unternehmen sehr originell finden, eigentlich völlig neu. Allerdings bedauern sie, dass du an bestimmten Stellen deine Pferde zurückhältst und nicht radikal genug bist. So deine Ausführungen über dein Verhältnis zur Weiblichkeit, das von einem Tag auf den anderen völlig anders wurde. Dass so etwas geht, glauben sie nicht. Ferner wünschen sie sich, dass du bei deiner Beschreibung der Uni-Verhältnisse offensiver vorgehst. Um im Pferdekontext zu bleiben, sie wünschen sich, dass du Pferd und Reiter nennst. Sonst könne jeder von dir beschriebene „Böse“ sagen, mich meint er ja nicht, sondern den Kollegen Soundso.
Und jetzt muss ich wirklich weg.
JP als Wissenschaftler.

Der Kontext: Es wurde eine Mixxt-Plattform eingerichtet für Wissenschaftler, die sich mit Fragen der Bildung im Kontext von Web 2.0 befassen. Ich habe mein entstehendes Buch eingestellt und hoffte auf Peers, die „reviewen“ wollen.  Im Augenblick reviewe ich mich selbst. Hier mein thread.

Sich gegen Demütigungen immunisieren.

Aus meiner Biographie (Hintergrund: Behandlung des sog. „Mittelbaus“ im Fachbereichsrat der Fakultät):

Da ich in diesem Spiel nicht als die Person Jean-Pol Martin von oben herab behandelt wurde sondern als Oberstudienrat im Hochschuldienst Dr.Martin, war es wichtig, dass ich in dem Gegenüber nicht den Prof.Sowieso sah, sondern ebenfalls nur einen entpersonalisierten Platzhalter. Entpersonalisiert deshalb, weil auch er nicht bewusst arrogant und demütigend war, sondern als Exponent seiner Stellung in der Hierarchie. In diesen eingeengten Handlungsräumen musste ich mir eine Strategie zulegen, die mich als Person aus dem Spiel hielt. Wollte ich also einen Zuschuss oder eine bestimmte Geldsumme für ein Projekt, so schickte ich den OStR.Dr.Martin in den Fachbereichsrat. Dieser musste die Nasenstüber, die mit der Erteilung der Summe verbunden waren, ertragen und brachte mir, Jean-Pol Martin, die Summe ins Büro. Diese Strategie wurde mir sehr nützlich als ich später umfangreichere Projekte leitete und entsprechend höhere Summen benötigte. In diesem Rahmen ging ich jedem nur erreichbaren Mächtigen extrem auf die Nerven, ohne mich selbst dabei unwohl zu fühlen. Hauptsache, ich bekam die Summe, auch wenn es nur ein paar hundert euros waren.

Legitime Monomanie

Aus meiner Biographie:

Man muss sich in meine Situation hineinversetzen. Alle jammerten darüber, dass ihre Schüler im Fremdsprachenunterricht nichts sagten. Es war immer dieselbe Frage, in allen Zeitschriftenartikeln, Workshops und Forbildungsveranstaltungen, Kongressen und sonstigen Treffen: „Wie bringe ich meine Schüler zum Sprechen?“. Nun hatten wir die definitive Lösung zu diesem Problem: lasse die Schüler sich den Stoff gegenseitig beibringen, dann werden sie zwansgläufig sprechen. Das war aber so einleuchtend, dass diese Lösung verdrängt wurde. Alle fanden das toll, aber stellten sich weiterhin die Frage, wie kann ich meine Schüler zum Sprechen bringen. Wie wenn unsere Lösung unfair gewesen wäre, außer Konkurrenz. Es wurden weiterhin Workshops zu Themen wie „Leseverstehen“, „Sprechen“, „Hörverstehen“, „Ausspracheschulung“, „Wortschatzarbeit“ gehalten, als ob diese Fertigkeiten unabhängig voneinander hätten geschult werden können. Das LdL-Konzept integrierte alle diese Aufgaben. Aber nein, meine Kollegen wollten sie trennen und beharrten darauf. Für mich wurde das Thema allmählich uninteressant, ich fand mein anthropologisches Modell viel spannender, denn es löste ja nicht nur die Probleme des Fremdsprachenunterrichts, sondern die Probleme des Lebens überhaupt. Aber die meisten wollten davon nichts hören. Auf Kongressen wurde ich als eine Art „Troll“ betrachtet, weil ich bei jeder Gelegenheit mitteilte, das jeweils behandelte Problem sei durch LdL schon erledigt. Beispielsweise wurde ich von Michael Legutke, der einen großen Kongress für das Goethe-Institut in München organisierte, eingeladen und machte mich dort – bei allem good-will von Michael – schnell unbeliebt unter der versammelten Crème de la Crème der Fremdsprachendidaktik. Alle sagten, die LdL-Idee sei toll, aber ich würde sie durch mein Verhalten in Misskredit bringen. Dabei befassten sie sich nur deshalb mit LdL, weil ich diese Perturbationen verursachte!

Das Wort „Wissenschaft“ überhaupt!

Resume Früher, als ich als Kind in die Kirche ging, veränderte sich schon beim Eingangstor mein ganzes Wesen. Auf einmal musste ich ernst und besorgt blicken. Heute erfasst mich beim Wort „Wissenschaft“ die selbe Stimmung.

1. Meine erste Begegnung mit dem Wort „Wissenschaft“

In Frankreich habe ich Deutsch studiert. Das Fach genoß kein Ansehen, wie das Sprachenstudium überhaupt. Nie wären wir auf die Idee gekommen, wir seien Wissenschaftler. In Frankreich werden als „scientifiques“ nur diejenigen bezeichnet, die sich mit Naturwissenschaften befassen. Dann gibt es die Mediziner, die Wirtschaftler, die Juristen, das sind aber keine „scientifiques“. Als ich an die Uni in Erlangen kam, um mein Lehramtstudium aufzunehmen, sah ich im Vorlesungsverzeichnis, dass ich nun Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft studieren würde. Da hatte ich Respekt! Zunächst vor den anderen. Nach ein paar Wochen beherrschte ich die linguistische Terminologie und fühlte mich auch als Wissenschaftler. Dann hatte ich Respekt vor mir selbst. Zwar spürte ich schon, dass die Sachverhalte, mit denen ich mich „wissenschaftlich“ befasste, recht simple waren. Aber „Semantik“ klingt wissenschaftlich und „Bedeutungslehre“ nicht. Mit der neuen Terminologie konnte ich Mitstudenten terrorisieren. Wehe, jemand im Seminar verwechselte proklytisch und enklitisch! Plötzlich verbreitete sich eisiges Schweigen. Der Professor sah uns gequält an und fuhr kommentarlos fort.  Lapalien wurden terminologisch überhöht.

2. Und heute

Inzwischen bin ich promoviert und habilitiert und bezeichne mich in entsprechenden Kontexten als Wissenschaftler und Forscher. Sonst würde man mich dort nicht ernst nehmen. Trotzdem bringt mich das Wort „Wissenschaft“ immer zum Lachen, wenn ich sehe, dass bei diesem Begriff auf einmal nette, lustige junge Menschen ganz ernst und besorgt schauen, ja fast beleidigt ob der Unwissenschaftlichkeit des üblichen Lebens… Warum werden normale, amüsante Leute plötzlich so ernst, warum produzieren sie so lange, so umständliche Texte, sobald es um Wissenschaft geht? „Die traurige Wissenschaft“ hat einmal Adorno zu Beginn eines Aphorismen gesetzt.  Am Schlimmsten ist es, wenn man mit dem Killervorwuf der Unwissenschaftlichkeit konfrontiert wird! Dem werde ich immer wieder ausgesetzt. Und das stimmt mich ganz, ganz traurig!:-)))

Fazit Oft ist der wissenschaftliche Kaiser nackt, nur bedeckt mit seiner Fachterminologie. Das muss man ihm sagen.

Mein wissenschaftliches Credo seit 1982

Mein Wertesystem ab 1982: Forschung und Tugend

… Als Handlungsfeld bot sich voll und ganz die Forschung an. Ich organisierte alles im Hinblick auf meine wissenschaftliche Effektivität. So ergab sich, dass ich um fünf Uhr aufstand und gegen 21.00Uhr ins Bett ging. Und zwar an Arbeitstagen wie am Wochenende, zu Weihnachten wie zu Christi Himmelfahrt. Bis heute. Den Spruch „publish or perish“ fand ich abscheulich und ich bemühte mich, erst dann einen Aufsatz zu verfassen, wenn ich wirklich über eine wichtige, neue Erkenntnis zu verfügen glaubte. Ich verpflichtete mich, nur dann jemanden zu zitieren, wenn der Gedanke wirklich organisch in meinen Aufsatz passte, und nicht um einen nützlichen Kollegen freundlich zu stimmen. Einmal machte ich eine Ausnahme, und ich bereue es heute noch: 1988 hatte ich Harald Weinrich, damals ein wichtiger Mann, in einer Fussnote erwähnt, obwohl es von der Sache her nicht zwingend war. Ich hatte ihm sogar einen Sonderdruck geschickt und er antwortete selbstverständlich nicht. Aber sein Name steht noch im Aufsatz als permanente Erinnerung an meine Korruptibilität. Auch bei Festschriftbeiträgen („Pissecke der Wissenschaft“) bemühte ich mich immer tatsächlich Neues zu schreiben, um den Kollegen wirklich zu ehren. Ich behaupte nicht, dass ich meinen Prinzipien immer treu blieb, aber sie lenkten sehr stark mein Handeln…

Entnommen aus: Das JPM-Buch

Mein Petra-Kleine Projekt. Danke Twitter!

Resume Wie kann man intelligente, einflussreiche und sehr beschäftigte Menschen nachhaltig andocken? Twitter macht’s möglich.

1. Ausgangssituation

Als ich im September 2008 in Pension ging hatte ich eine deutliche Panik. Wäre ich in der Lage, Strukturen zu schaffen, die mich intellektuell voll in Anspruch nehmen, mich also von 5.00Uhr früh bis 20.00Uhr zwingen, intensiv relevante Informationen zu verarbeiten? Nur so nämlich, könne ich meine gewohnte tägliche Kickmenge erhalten. Mit der Übernahme einer 11.Klasse war schon für 50% Problemzufuhr (=Informationsverarbeitungsdruck) gesorgt. Wo aber die restlichen 50% holen? Ich wandte mich an die Volkshochschule und bot mich für Kurse über die Geschichte Europas an. Das würde mich zwingen, viel Information aufzunehmen und zu Wissen umzuformen. Über die Zeitung erfuhr ich, dass in Ulm eine Art Seniorenuniversität Kurse anbietet und es gelang mir auch, dort einen Lehrauftrag zu bekommen. Ein paar andere Versuche schlugen fehl, aber da waren noch die Grünen in Ingolstadt und ich fühlte mich dieser Partei sehr verbunden, auch wenn ich Bedenken hinsichtlich ihrer Internet-Offenheit hegte. Datenschutz und Offenheit des Informationsflusses vertragen sich schlecht. Wie dem auch sei, ich klopfte dort an und wurde sehr freundlich aufgenommen.

2. Perturbieren und nerven

Wie alle anderen Monomane auch, verfolge ich in jedem Kontext eine bestimmte Idee und nur diese. Dreißig Jahre lang war ich in der Didaktikszene gefürchtet, weil ich immer wieder einen Gedankensatz einspeiste, egal worum es thematisch ging. Eine zeitlang war es LdL, seit zehn Jahren geht es nur um Projektkompetenz und damit verbunden um das Internet.  So auch bei den Grünen. Auch dort thematisierte ich penetrant twitter. Nun führen die Grünen gerade Wahlkampf, mit einer besonders profilierten und geeigneten Kandidatin. Sie hatte nichts gegen mich, im Gegenteil, aber irgendwann hat sie und alle anderen auch meine Monomanie genervt.

3. Und der Erfolg!

Mein Glück war, dass Petra Kleine, aus welchem Grund auch immer, sich auf meine Gedanken vertieft eingelassen hat. Sie hat sich schnell einen twitter-account zugelegt und das war für mich der Einstieg. Über mein Getwittere kam sie zu meinem Blog, über meinen Blog zu meiner Biographie. Und immer wieder hin und zurück. Wo hätte ich „früher“ jemals die Chance gehabt, so schnell und soviel von meinem Gedankengut einer für mich sehr relevanten Person zu vermitteln? Und das Tollste: gestern hat Petra einen twitter-account für die Ingolstädter Grünen eingerichtet. Und alle anderen sehen diese Entwicklung mit Freude und Wohlwollen.

Fazit Twitter, Blog und Wiki. Nicht zu toppen, wenn man schnell mit jemandem in die Tiefe gehen will.

Individ“uum“ oder Indi“vi“duum?

Resume Nun ist es soweit. In meiner Biographie beschreibe ich, wie ich auf LdL gekommen bin, und wie die Kollegen anfangs reagiert haben.

Sowohl als auch: das musste ich vermitteln! Bis heute.

1981 blieb die Vorstellung virulent, Fremdsprachenlernen erfolge, zumindest im Bereich des Mündlichen, durch Imitation und Repetition. Das war die behavioristische Lerntheorie. Und da gab es noch die Spurentheorie von Parreren die besagte, dass wenn man bei der Erstbegegnung ein Wort falsch ausgesprochen hört, diese falsche Aussprache sind definitiv ins Gehirn einbrennt. Daher verlief die Wortschatzeinführung dergestalt, dass der Lehrer ein Wort sagte, oder vom Band hören ließ, und im Anschluss dieses Wort mehrmals nachgesprochen wurde. Da meine Methode vorsah, dass der neue Stoff von den Schülern vermittelt wird, entstand die Horrorvision, dass reihenweise Wörter mit falscher Aussprache eingeführt und für ewig als Gedächtnisspur eingeritzt bleiben. Das ließ mich schmunzeln, denn ich selbst hatte mit 25 eine miserable Aussprache und mit 30 eine fast nativespeakerlike. Das letzte Wort, das ich aus der falschen Ritze herausgekratzt habe, war „Individuum“, das ich mit Betonung auf „uum“ artikulierte, bis in Regensburg Schüler aus der 10. Klasse mich baten, das von mir so oft benutzte Wort richtig auszusprechen, nämlich mit Akzent auf „vi“. Meine eigene Erfahrung widerlegte also die Van-Parreren-Spurentheorie. Man kann nämlich die Aussprache kognitiv angehen, indem man zunächst falsche Aussprachen zulässt und sich schrittweise durch trial and error und mit Unterstützung des Lehrers an die richtige annähert. Beides funktioniert, sowohl als auch!

Zitiert aus: JPM-Buch: Schüler unterrichten Schüler – erste Schritte

Fazit Erst kognitivieren und dann habitualisieren? Oder umgekehrt?  Am liebsten beides gleichzeitig. Die Welt ist antinomisch strukturiert und bewegt sich dialektisch vorwärts.

Feed-Back-Kultur in twitter und blogs.

Resume Jeden Tag wird unsere Identität im Rahmen von hunderten Interaktionen redefiniert. Vorgestern sagte mir meine Frau ich sei „wahnsinnig zäh“ (das meinte sie positiv). Davon werde ich die nächsten Jahre leben können.

1. Feed-Backs im Reallife

Die Identität ist bei weitem nicht so stabil, wie man meint. Sie wird jeden Tag zur Disposition gestellt und neu verhandelt. Wenn die erste Person, die ich in der Früh treffe, mir bescheinigt, ich sehe schlecht aus, brauche ich sofort Energie, um diese erste Definition zu verarbeiten und positiv umzupolen. Natürlich ist dieses Beispiel harmlos. Wenn ein Dozent einer Studentin nach einer Lehrprobe bescheinigt, ihr Französisch sei miserable und die Stunde eine Katastrophe, wie lange braucht die Studentin um sich zu erholen? Das muss nicht so extrem sein, aber jede Bemerkung, auch die scheinbar harmloseste, wird von uns als Identitätsbaustein benutzt. Und da hilft es wenig, wenn man sich selbst als „der Größte“ in einem Gebiet empfindet, wie es bei mir der Fall ist!:-))) An jedem Tag wird die Identität neu konstruiert mit den Bausteinen, die man geliefert bekommt. Im Reallife kann es durchaus sein, dass man zwar viel Energie investiert, aber kein Feed-Back bekommt, weil die Menschen einfach nicht drangewöhnt sind, zügig und konstruktiv zu feedbacken. Man konstruiert dann seine Identitäten aus Vermutungen: „ich hatte das Gefühl, dass es gut ankam“. Feed-backen müsste man sehr früh in der Familie und gleich im Anschluss in der Schule lernen.

2. Feed-backen in twitter und blogs

Das Internet legt das Feed-backen nahe. Vor allem Twitter, denn es gibt soviele Impulse, dass man am liebsten zu allem etwas schreiben würde. Mit Blogs und Wikis ist es anders. Wenn man Kurse über das Bloggen durchführt, muss man den TN vermitteln, wie wichtig es ist, dass sie die Blogs anderer TN kommentieren. Oft kennen die TN diese Fuktion gar nicht. Man sollte kommentieren, und zwar zeitnah. Wichtig ist auch, dass man die Möglichkeiten der Akteure nicht überschätzt. So wurde ich oft sehr gelobt und man versprach mir eine längerfristige Beschäftigung mit meinen Gedanken und Texten. Das war absolut ernst gemeint. Und ich habe diese Versprechen als tolle Feed-Backs gewertet. Dass es am Ende doch nicht dazugekommen ist, mindert den Wert dieser Absichten nicht. Wenn jemand sich vornimmt, sich intensiv mit meinen Ideen zu befassen, ist es ein herrliches Feed-Back, im hier und jetzt. Und damit baue ich meine Identität im hier und jetzt.

Fazit Wenn du etwas gut findest, sage es massiv und sofort. Der andere braucht solche Baussteine, um seine Identität zu konstruieren, jeden Tag aufs Neue.


Kleinere Brötchen, und doch große Kicks!

Resume Seitdem ich im Ruhestand bin, backe ich kleinere Bröchten. Die Intensität der Kicks bleibt dieselbe.

1.  Handlungsräume kognitiv definieren.

In diesem Schul-/Uni-Jahr ging die „Bedeutung“ meiner Projekte decrescendo. Mit „Bedeutung“ meine ich die Anzahl der Menschen, die involviert sind und die geographische Ausdehnung. Im Herbst 2008 standen die grandiosen Aktionen der Ludwigsburger Gruppe im Vordergrund, mit Spannagel und Lutz Berger an der Spitze. Sie kamen zu mir im Unterricht und machten LdL zu einem Internet-Hype. Im Frühjahr 2009 konnten wir uns auf dem Educamp in Ilmenau sehr gut positionieren und da kam das tolle Afrika-Projekt von Alexander Rausch und Ulrike Reinhard voll zur Geltung.  Im Mai wurde ein LdL-Tag in Ludwigsburg organisiert, für mich den Höhepunkt meiner wissenschaftlichen Karriere. Parallel dazu führte ich eine 11.Klasse in Französisch, die auf meine Angebot nicht anbiss, aber es war für mich eine ganz neue Erfahrung und dadurch lernte ich viel (wie geht man mit sowas um?). Dazu gehörte auch die Frankreichreise mit der Klasse und mit Studenten. Egal was wir uns einfielen ließen (z.B. Mister Bean oder der Exhibitionist), die Klasse blieb nett, aber indifferent. In Ulm hatte ich die Freude, eine sehr nette Gruppe von Senioren in die Blogarbeit einzuweisen, ob es Zukunftsperspektiven eröffnet, weiß ich nicht. Bei den Grünen versuche ich, mich nützlich zu machen, und nach einer längeren Einstiegsphase scheint es, dass es mir gelingen könnte. Ich durfte einen Vortrag halten und dieser kam Gott sei dank gut an. Mir kommt sehr zugute, dass ich dort eine einflussreiche Fürsprecherin habe und seit meinem Vortrag scheint sich ein gewisser good-will zu verbreiten. Morgen werde ich Unterschriften für ein Bürgerbegehren (Busse sollen in der Innenstadt fahren dürfen) sammeln. Hoffentlich schaffe ich das körperlich (Arthrose). Es sind, das darf ich vielleicht so sagen, „kleinere Brötchen“, aber für mich ganz wichtig. Nächstes Schuljahr werde ich auf jeden Fall eine neue 11.Klasse führen und ein Projektseminar (auch 11.Klässler).  All diese Handlungsräume sind nicht spektakulär, aber sie bringen mir viel Freude (Kicks). Und das kommt so:

2. Feed-back Kultur

Durch das Internet verlaufen Projekte meist in kompakten Zeiträumen und sehr intensiv. Wenn man mit Twitter, Blogs und eMails arbeitet ist es durchaus möglich, dass ein umfangreicheres Projekt innerhalb einer Woche angegangen und abgeschlossen wird, wobei fast Tag und Nacht zwischen den Akteuren kommuniziert wird. Und das ist, glaube ich, das Neue. Diese permanente Kommunikation zwingt eine Feed-Back-Kultur auf, die kontinuierlich Kicks verschafft. Allerdings setzt es voraus, dass die Akteure auch entsprechend handeln, also schnell Feed-Backs „verabreichen“.  Der heutige Tag war für mich beispielsweise voller „Kicks“, obwohl ich de facto kein Projekt durchgeführt habe, sondern nur an der Präsentation der Ergebnisse des MOSAIK-Projektes (Greca/Siebenhüter/Katharinen-Gymnasium/FOS/BOS-Ingolstadt) teilgenommen habe.  Dennoch habe ich mit Petra Kleine einen intensiven, kickreichen und für mich fruchtbaren Tweets- + Mailaustausch gehabt, Kicks erhielt ich auch von Alexander Rausch, von Johannes Hartmann aus Tansania, der am MOSAIK-Projekt mitgearbeitet hatte und mir liebe Grüße an Frau Heller ausrichten ließ, und jede Menge Kicks auch in Eichstätt selbst.  Und gerade jetzt noch einen Kick aus Ulm. Die Handlungsräume sind bescheidener als früher, aber die Kickmenge bleibt gleich, ja sie scheint sogar zu wachsen.

Fazit Großes Projekt, kleineres Projekt: die Kickmenge und Kickintensität bleibt dieselbe.

Rohstoff Senioren.

Resume Aufgrund meiner Erfahrungen mit meinem Kurs im Rahmen des Seniorenstudiums in Ulm stelle ich fest: „Da ist noch viel Musik drinnen!“

1.Wissensgesellschaft: Seniorenwissen bergen. Wo liegen die Hürden?

Ältere Menschen verfügen, dies festzustellen ist trivial, über enorme Wissens- und Erfahrungsressourcen. Auch dieses Wissen gehört zum „Rohstoff Geist“. Wie kommen wir an dieses Wissen ran? Wo liegen die Hürden? Zunächst meinen ältere Menschen, dass ihre Erfahrungen wertlos sind. Sie erkennen nicht den Nutzen ihres Wissens für die Gesellschaft. Ferner sehen sie nicht, wie sie ihr Wissen verfügbar machen können. Sie kennen zwar das Internet, aber sie glauben, dass die Technik zu kompliziert für sie ist. Schließlich trauen sie sich nicht, forsch nach vorne zu preschen, sondern, da sie in einem autoritätsorientierten Paradigma aufgewachsen sind, wollen sie sich bei Autoritäten immer wieder absichern.

2. Ältere Menschen über kommunikative Tools befreien

Die Aufgabe ist ganz einfach: innerhalb kurzer Zeit sind die Senioren in der Lage, einen Blog zu gestalten. Sie brauchen einen technischen Support, und wenn sie diesen haben, sind sie voller Motivation. Schnell merken sie, dass sie frei sind und völlig selbständig ihr Wissen weltweit zur Verfügung stellen können. Man muss ihnen nur zeigen, wo sie ihre Texte am wirksamsten einspeisen, z.B. in die Wikipedia. Das tun sie dann. Sie brauchen niemanden zu fragen, sie können tun! Exploratives Verhalten, no risk, so fun! Es kann nichts passieren! Das könnte, nein das MUSS zu einer Massenbewegung werden. Liebe Senioren, wir brauchen Sie! Rohstoff Geist! Und: für euch kann es zu einem wichtigen Entwicklungsschritt werden!

Fazit: Der Rohstoff Geist, den Senioren oft unbewusst und unbemerkt mit sich tragen muss erschlossen werden. Nichts geht leichter!