Twitter als Arbeitsplatz.

Resume Als Wissenschaftler begebe ich mich dort, wo ich am intensivsten Nahrung für mein Denken finde. Das ist zum einen die Schule,  zum anderen das Internet. Im Augenblick besonders Twitter.

1. In Twitter feed-backs holen

Der Schwerpunkt meiner Aktivitäten liegt auf der pädagogisch/didaktischen Forschung. Dazu habe ich ein konkretes, empirisches Handlungsfeld, das ist die Schule oder schulähliche Strukturen, wie die Seniorenuniversität in Ulm. Ein weiteres Forschungsfeld ist die Grüne-Partei-Ingolstadt, insbesondere was ihr Verhältnis zu den neuen Medien angeht und dies wiederum in enger Verbindung mit der Frage des Bildungssystems. Ist den Grünen klar, dass sie die Bildungsfragen nur über die Medienfrage angehen können? Ich glaube: nein. Ausgehend von meinen realen Erfahrungen in den genannten Feldern reflektiere ich permanent und die Ergebnisse dieser Reflexion publiziere ich in meinem Blog. Ferner bemühe ich mich auch um eine historische Rekonstruktion meiner Arbeit in den letzten 30 Jahren und schreibe an einer Autobiographie. In Twitter mache ich sowohl auf meine Erfahrungen im Alltag, als auch auf meinen Blog sowie auf meine Autobiographie aufmerksam. Und in Twitter kann ich sofort prüfen, ob meine Gedanken ankommen oder nicht.

2. In Twitter neue Entwicklungen verfolgen

Seit den Europawahlen bin ich besonders interessiert an der Entwicklung der Piratenpartei. In  Twitter habe ich den Ingolstädter „Boomel“ entdeckt und wir haben uns getroffen.  Von ihm habe ich viel erfahren, insbesondere die Vorstellung, dass „die Bildungskompetenz schrittweise von den etablierten Institutionen auf die Online-Communities übertragen wird“. Anders ausgedrückt: die Communities vermitteln technisches Wissen und gleichzeitig auch Allgemeinwissen und Werte, und machen damit Konkurrenz zu den etablierten Bildungsinstitutionen. In Twitter beobachte ich seitdem die Tweets von Boomel mit besonderem Interesse.

Fazit Über Twitter komme ich denktechnisch sofort in die Gänge. Ich erhalte feed-backs zu meinen vielfältigen Aktivitäten und neue Impulse für das Weiterdenken. Vom Aufstehen bis zum Insbettgehen.

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19 Antworten

  1. Hi Martin,

    das Treffen war sehr interessant! Für dein doch reifes Alter ehrlich gesagt absolute Oberklasse 🙂

    Die tweets vor der Bundestagswahl darfst du wohl eher vernachlässigen da sie Partei-Werbung im Sinne der online-Evolution darstellen. Danach geht es wieder normal weiter.

    Was dich auch interessieren könnte, ist der bereits forcierte Krieg der Meinungen über das Internet. Wie unbedarfte bzw. nicht eingeweihte Menschen auf die Extremen Darstellungen reagieren. Zensurbefürworter, meist offline, gegen die web 2.0 Blase der Zensurgegner. Das ist ein wahnsinniger Wissensvermittlungsvorgang der auf allen Ebenen gerade geschieht. Ob am Stammtisch , ob im Verein, ob in Telefonaten oder auch zufällig über aktive Reize wie das Zensursula T-Shirt. Das ist eine kognitive Meinung die sich da gerade bildet, die mit dem Alter aber nachlässt (wie sollte es auch anders sein :p )

    Bin echt gespannt ob das Internet die Mid-ager´s und golden agers erfassen kann.

    Bei deinen Studien viel Erfolg noch und vielleicht geht es mir am 9. Juli zu deinem Vortrag aus!

  2. @Boomel
    Danke, wieder Stoff zum Nachdenken + Handeln!:-)))

  3. „Das ist ein wahnsinniger Wissensvermittlungsvorgang der auf allen Ebenen gerade geschieht. Ob am Stammtisch , ob im Verein, ob in Telefonaten oder auch zufällig über aktive Reize wie das Zensursula T-Shirt. Das ist eine kognitive Meinung die sich da gerade bildet,“
    – Absolut!

  4. “die Bildungskompetenz schrittweise von den etablierten Institutionen auf die Online-Communities übertragen wird”

    Und das müssen wir dringend zensieren. Wo der Staat das Bildungsmonopol verliert, droht Anarchie. Man stelle sich einmal vor, dass LuL bundeslandübergreifend zusammenarbeiten – eine Unterminierung des Bildungsföderalismus! Eine Meinungsbildung abseits von kontrollierbaren Systemen! (Das war Ironie.)

    Ich sehe das ähnlich und es macht mir immer wieder Mut, dass noch mehr Verrückte unterwegs sind. (das war keine Ironie.)

  5. @mccab99
    Hier noch ein Verrückter, der Dir vollauf zustimmt.

    @jeanpol
    Danke für die Anregung – hatte gestern erst wieder eine Diskussion mit Kollegen über den Nutzen von Twitter als professionelles Netzwerk und Dein Beitrag kommt als willkommene Ergänzung zu meinen Anregungen.

  6. @mccab99

    Tja und eben genau zensieren ist der falsche Weg!

    Selbstverständlich ist ein Bildungsmonopol des Staates sehr wichtig sonst droht wirklich Ärger.

    Aber wie das der Martin schonmal gesagt hat, sei sexy 🙂

    Das gilt auch für die Bildungsstätten in diesem Land!

    Und der Sprachgebrauch „das müssen wir dringend ensieren“ trifft eher das Mittelalter als ein 21. Jahrhundert, oder?

  7. verdammt man sollte das wort „ironie“ doch mitlesen bevor man antwortet 😀

  8. […] Twitter, Piratenpartei und die Bildung By apanat Jean-Pol Martin berichtet von der Vorstellung, dass “die Bildungskompetenz schrittweise von den etablierten […]

  9. Nehmen wir die kommunikationstechnischen Möglichkeiten nicht viel zu wichtig? (Genauso übrigens wie die entsprechenden Gefahren – wie etwa die des Schnelllesens, denen Boomel eben erlegen ist – die aber uns allen im Netz zu schaffen machen.)
    Als ich einem jungen Informatiker, „shift happens“ (
    http://video.aol.com/video-detail/cocreatr-wusstest-du-based-on-shift-happens-20/4194389541) zugemailt hatte, war seine Reaktion:
    „Wenn das Video fragt: Was sollten wir den Schülern von heute beibringen, damit sie den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen sind? Dann würde ich sagen: Dasselbe, was was für junge Menschen schon immer wichtig war: Die Fähigkeit, sich existierendes Wissen
    anzueignen, kombiniert mit der Fähigkeit, dieses existierende Wissen kritisch zu hinterfragen. Ob man darüber hinaus den jungen Menschen von heute spezifische Fähigkeiten in Bezug auf die neue
    „Informationsgesellschaft“ vermitteln muss… da bin ich sehr skeptisch.“

  10. @Andreas Kalt
    Verblüffend, wie schnell bestimmte Themen emergieren und an diversen Orten zeitgleich abgearbeitet werden. Dezentral, parallel und dennoch fokussierend auf ein gemeinsames Ziel.

  11. @apanat
    Ein interessanter Link.
    „Ob man darüber hinaus den jungen Menschen von heute spezifische Fähigkeiten in Bezug auf die neue
    “Informationsgesellschaft” vermitteln muss… da bin ich sehr skeptisch.”
    – Ich möchte, dass sie mit twitter und mit Foren professionnell umgehen und dass sie in der Lage sind, beispielsweise Wikipedia-Artikel vernünftig auszuwerten und selbst Wissen gemeinsam zu konstuieren. Ich möchte auch, dass sie sich daran gewöhnen, rasch zu kommunizieren. Also dass sie tun, war wir, du und ich, gerade machen.

  12. @jeanpol: „Ich möchte auch, dass sie sich daran gewöhnen, rasch zu kommunizieren. Also dass sie tun, was wir, du und ich, gerade machen.“
    Anscheinend ist das aber – zumindest für für viele – etwas, was man nebenbei lernt, während man seine Fachqualifikationen und sozialen Fähigkeiten sich hart erarbeiten muss.

  13. @apanat
    „Anscheinend ist das aber – zumindest für viele – etwas, was man nebenbei lernt, während man seine Fachqualifikationen und sozialen Fähigkeiten sich hart erarbeiten muss.“
    – Meine Erfahrung mit Schülern und Studenten war und ist bis heute, was die Reaktionsgeschwindigkeit angeht, sehr ernüchternd.

  14. […] Ein Satz in einem Blogeitrag von Jean-Pol Martin, der mich sofort anspricht, dem ich zustimme, ohne zu wissen warum. Ein Satz dem ich nachgehen muss und der sinngemäß sagt: Die Bildungsfrage kann nur über die Medienfrage angegangen werden. […]

  15. bin über herrlarbig.de hergekommen, wo das zitat herausgelöst und verdichtet wurde: „Die Bildungsfrage kann nur über die Medienfrage angegangen werden.“ mein kommentar dort ist also genauso auch ein kommentar zu diesem post …

    http://herrlarbig.de/2009/06/28/die-bildungsfrage-als-medienfrage/comment-page-1/#comment-806

    dass die bildungskompetenz sich schrittweise von den etablierten Institutionen auf Online-Netzwerke verschiebt –
    um diese grundsätzliche frage wird es dann auch bei der unkonferenz Die Bildung Hacken (22. Oktober, Berlin, auch online) gehen. ich würde mich freuen, wenn du mitdiskutierst:

    http://wwweblern.pbworks.com/FrontPage

  16. @Martin Lindner
    Ich versuche mitzudiskutieren auf der Konferenz. Danke für die Einladung!

  17. @jeanpol „Reaktionsgeschwindigkeit“: Die kann man auch offline trainieren. Wer offline ein Schnelldenker ist, der wird auch online schnell mitkommen… wer online eine Trantuete ist, ist es im echten Leben wohl auch…
    Der Unterschied liegt sicher in der Motivation. Das hat sich in deiner 11. Klasse gezeigt. Aber auf Dauer behebt das Internet die Motivationsprobleme auch nicht.
    Dass der Internettext einer 8.-Klässlerin von mir 25000x abgerufen worden ist, lag nicht daran, dass er fürs Internet geschrieben wurde, sondern daran, dass sie eine anständige Präsentation machen wollte. Dass der Text ins Internet kommen könnte, davon war da noch gar nicht die Rede gewesen.

  18. @apanat
    Nur, dass das Internet Aktivitäten stark dynamisiert. Deine Schülerin wird beim nächsten mal auch an die Möglichkeit einer Internet-Veröffentlichung denken und noch stärker motiviert sein. Und die Geschwindigkeit der Verarbeitung wird durch die Menge der Impulse beschleunigt. Man hat keine Wahl, man muss die Impulse schnell verarbeiten.

  19. […] Grund möchte ich mich heute in die lange Liste der Warum-Twittere-ich-Blogposts (Beispiele: 1, 2, 3) einreihen und einmal meinen persönlichen Zwitscher-Mehrwert […]

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