Der Ludwigsburger-Hype. 44 Tage später?

Resume Wie tief dringt ein Angebot in die Persönlichkeit hinein und wie nachhaltig werden Gedanken und Konzepte (auch Metaphern) verinnerlicht. Beispielsweise die Inhalte, die auf dem Ludwigsburger-LdL-Tag angeboten wurden?

1. Ethnomethodologisches Vorgehen

An diversen Stellen habe ich beschrieben, dass ich als Aktionsforscher ethnomethodologisch (phänomenologisch) arbeite: ich biete Lernumwelten an, die ich objektiv beschreiben kann, und versuche zu ermitteln, welche Auswirkungen diese Angebote auf die Persönlichkeit der Adressaten haben. So beispielsweise meine letzte Frankreichtour mit Schülern, Fahrer und Studenten. Natürlich gehe ich methodisch vorwiegend qualitativ vor: ich bin angewiesen auf die Selbstauskunft der betroffenen Subjekte. Dieser Zugang kann sich auf einzelne Projekte beziehen, aber auch auf ein ganzes Forscherleben. Ich selbst versuche zu ergründen, wieweit meine Arbeit seit 30 Jahren nachhaltige Auswirkungen auf die Persönlichkeit meiner Adressaten (Kollegen, Schüler und Studenten) hatte.

2. Die Belege

Täglich nehme ich das von Guido Öebel herausgegebene Buch „LdL goes international“ in die Hand. Es enthält umfangreiche Artikel von Guido Öbel selbst, aber auch von Johannes Guttenberger, der mein Schüler drei Jahre lang war (von der 11.Klasse bis zur 13.), von Michael Kratky, der fast 10 Jahre meinem Einfluss ausgesetzt war und von Joachim Grzega, einer Art alter Ego. Das Buch enthält mein ganzes Gedankengut, gespiegelt von anderen Menschen, starken Persönlichkeiten. Ich denke, diese Personen tragen die Konzepte in sich.

3. Und die Ludwigsburger-Connection?

Die Ludwigsburger (will sagen: Spannagel + Studenten + Lutz Berger, auch wenn Lutz nicht in Ludwigsburg angesiedelt ist) sind keine Schüler von mir. Die Inkubationszeit war relativ kurz. Ich weiß nicht, ob und inwiefern sie das von mir vertretene Gedankengut nachhaltig verinnerlicht haben. Natürlich haben sie das alles nicht 1 zu 1 übernommen, sondern sie haben es aufgegriffen und ganz schnell weiterentwickelt. Daher stellt sich für mich als Ethnomethodologe die Frage, was genau im Ludwigsburger Kontext von den Akteuren verinnerlicht wurde. Mich würde auch sehr interessieren, was die Besucher des LdL-Tages in Ludwigsburg mitgenommen und langfristig in ihre intellektuelle (und emotionale) Landschaft integriert haben. Hier denke ich besonders an Maik Riecken und an HerrLarbig. Wie komme ich an die Subjektperspektive ran?

4. Ein Versuch

Schreibe in maximal 140 Zeichen was dir einfällt, wenn du an den LdL-Tag am 09.05.09. in Ludwigsburg denkst. Wenn du willst, kannst du auch 140 Seiten schreiben:

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27 Antworten

  1. Anfang Juni LdL vorgestellt in einem Ludwigsburger Seminar (1,5 Std.) schreibe noch ein Essay zum LdL-Tag. #nachhaltigkeit

  2. Ich gehöre zwar nicht zur angesprochenen „Ludwigsburger-Connection“, aber mir ist dennoch was (abstraktes) eingefallen: Spaß (Freude, Flow …) kann für einen qualitativ hochwertigen Vortrag auch hinderlich sein, wenn dabei Kognition hinter Emotion zurücktritt. (oder so ähnlich 🙂

  3. @johannes
    Was meinst du damit genau?

  4. nun ja, mir ist – wie ich meine – aufgefallen, dass herr grzega bei seinem hauptvortrag am anfang wohl wegen der guten atmosphäre und der tollen leute eher freudig war und mit der zeit ernster wurde, woran sein vortrag nicht gelitten hat. und bei Ihrem Hauptvortrag waren Sie am Anfang ernster (Kognition) und am Ende etwas mehr im Flow (Emotion). Beidesmal fand ich die „ernstere“(falscher Begriff, aber mir fällt jetzt nichts besseres ein) Phase qualitativ etwas besser. Und bei mir selber merke ich das auch oft, dass man bei viel Spaß und Flow geneigt ist, die Zügel der (kognitiven) Kontrolle etwas zu lockern – was nicht heißen soll, dass das automatisch schlecht ist.

  5. @Johannes
    Ja, diese Deutung habe ich geahnt!:-)))

  6. LdL spricht Leute an, die Motivation von Schülern verstärken wollen, insbesondere die, die mit dem Winterhoff-Phänomen (http://www.libri.de/shop/action/productDetails/7060600/michael_winterhoff_warum_unsere_kinder_tyrannen_werden_3579069802.html) bei Schülern zu kämpfen haben. (Ob seine Erklärung stimmt, ist sehr die Frage. Dass Schüler vermehrt die von ihm beschriebenen Symptome zeigen, steht für mich außer Frage. Deshalb die Bezeichnung „Phänomen“.)

  7. Mein Fokus in den letzten Wochen lag mehr auf dem Lebenserhaltungssystem: Abitur, Korrekturen, Noten – das könnte manchem Kollegen und mancher Kollegin gerade am Schuljahresende ähnlich gehen. Auf dem Holodeck war ich auch einmal wieder (Abiball).
    Aber die Warpspule ist rekonfiguriert und die Kommunikationsphalanx geht auch wieder online.

    PS: Ich weiß um die Problematik der stillen Emergenzen…

  8. Meine 140 Zeichen:

    LdL ist DIE Möglichkeit, Kontrolle an Schüler abzugeben.

    Wow, ich habe viel weniger als 140 Zeichen benötigt. 🙂

  9. LdL ist infiziös. Mich begeistert vor allem, dass die Schüler in der Schule lernen, nicht zuhause.

  10. kontroverse Diskussionen und die Erkenntnis, dass man „dran bleiben“ muss!

  11. @Michael
    Ja, dranbleiben. An was genau dranbleiben, in Ihrem Fall?

  12. @jean-pol: Abitur, Abitur, Abitur. Damit ist der letztlich zu nahezu vollständigem Netz-Schweigen gewordene Zustand beschrieben. Der Körper ist noch im Hochaktivitätszustand, in dem er eher funktioniert als auf die Funktion hin reflektiert.

    Nun stehen noch die Schuljahres-Rest-Aufgaben an und dann kommt die Reflexion auf die Planung des neuen Schuljahres hin, in der die Ludwigsburgerfahrung, die eigene LdL-Erfahrung und somit die Subjektperspektive zum Tragen kommen werden. Ach – und dann ist da ja auch noch der Beitrag fürs Buch zum LdL-Tag.

    Vielleicht klärt diese Zeit der Reflexionslücke wegen massiver Synapsenüberlast in meinem individuellen Gehirn auch ein wenig den Blick und lässt dann noch einmal neue Perspektiven auf LdL zu.

    Das ist mein dran bleiben am Thema.

    @apanat: Zu dem Winterhoff-Problem habe ich mir schon mal Gedanken macht. Vielleicht passt das hierher:
    http://herrlarbig.de/2008/09/08/zu-michael-winterhoffs-warum-unsere-kinder-tyrannen-werden/

  13. @Herrlarbig
    Danke, ich wollte nur ein bisschen schauen…

  14. Kompliment JPM, wie Sie eine Netzwerkkultur am Leben halten, initiieren….und ihren roten Faden nicht verlieren. Ich war nicht bei den LdL Tagen, habe aber das Video von Herrn Grzega gesehen. Prima. Engagiert. Verständlich. z.zt. führen wir dual ein Minidialog, bevor ich den Netzwerkeffekt auslöse (innere Vorbereitung auf die Geburt einer neuen Idee…).

    Grüße AK

  15. @adikreft
    Ja, ich verliere Sie nicht aus den Augen. Ich bin gespannt auf den „Knall“ (Bodensee)!

  16. Hallo,
    ich war zwar nicht in Ludwigsburg, wäre aber gerne gekommen(schon um die Gespräche zu führen, zu denen ich in Ilmenau nicht gekommen bin), beginne jetzt trotzdem mit Ldl:-)
    Am Thüringenkolleg Weimar beginnen wir mit Astronomie in Klassenstufe 11.
    Das ist eine gute Gelegenheit, weil mein eigener Unterricht in diesem Fach eigentlich vor 19 Jahren schon einmal beendet wurde. Da kann man beruhigt ganz anders anfangen als früher.
    (Ich habe die Zeichen nicht gezählt, aber die der Zeit hoffentlich verstanden)

  17. @Detlef
    Ja, die Zeichen der Zeit hast du 100% vestanden!:-)))

  18. @ ekirlu
    „LdL ist infiziös. Mich begeistert vor allem, dass die Schüler in der Schule lernen, nicht zuhause“. Ich schließe mich der Meinung von ekirlu an, wobei ich noch hinzufügen möchte, dass das zuhause lernen auch seine positiven Seiten hat und unsere Gehirne/ auch die der Schüler die ganze Zeit lernen, auch wenn wir uns keine Gedanken darüber machen. LdL entwickelt und stärkt die Autonomie der Schüler, und ich denke, autonom zu sein, ist eine ganz spannende Sache, so haben die Schüler auch mehr Spaß an dem Lernen und am Vermitteln vom Lernen – und um Freude am Lernprozess geht es doch auch, nicht wahr;-)?

    @ cspannagel
    „LdL ist DIE Möglichkeit, Kontrolle an Schüler abzugeben“. Ja, genau! Wer Kontrolle hat, hat auch die Macht! Schüler als Generale an die Unterrichtsfront! Da lernt man auch Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen dabei, und noch viele Sachen, an die man beim Einsteigen gar nicht gedacht hätte. Und das, nicht nur Sachinhalte, braucht man dann im Leben.

  19. @deutschkunterbund
    In der Tat, bei LdL wird viel in der schule gearbeitet, aber auch zu Hause. Siehe die Übersicht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Lehren#Die_Klasse_als_neuronales_Netz

  20. @ Jean-Pol,
    danke für deinen Tipp!
    E.

  21. 140 oder so: ich merke den einfluss von LdL jeden tag: mit studis, mit kollegen, mit mitarbeitern. self organisation rocks & danke JPM/CS

    …und in ludwigsburg war ich leider nicht.

  22. 140+: Aufgewühlt, verunsichert und zurückgeworfen von Umstrukturierungen, widersprüchlichen Aussagen innerhalb meiner Arbeitswelt habe ich eine Schreibblockade und sehne mich nach der inspirierenden Stimmung des LdL-Tags zurück. Wissen teilen unter gleichzeitigem Leistungsdruck? Scheint momentan fast unmöglich. Kontrolle abgeben muss vor allem die Führung lernen.
    Weiterhin absolut favorisiert. Und wo es geht wird es auch praktiziert.
    Wichtig eine kleine Erkenntnis am Rande: es muss immer eindeutig sein, wann die Fragesituation eine Leistungskontrolle ist. Dann geht es um falsch und richtig. Ansonsten immer wieder kommunizieren, dass es nicht um falsch oder richtig geht, sondern die Antworten der Teilnehmer (Schüler, Mitarbeiter, Kollegen etc….) eher als passend zum jeweiligen Thema oder wichtig für anderes Thema.
    Fazit, wenn ich wieder schreiben kann, „spamme“ ich auch wieder auf meinem Blog rum 😀

  23. […] Rückblick zum LdL-Tag zu schreiben. Und siehe da: in meinem Kommentar  zu diesem Blogeintrag (Der Ludwigsburger-Hype. 44 Tage später?) reichten die 140 Zeichen nicht aus und auch hier konnte ich mich zurückmelden. Danke,  Jean-Pol […]

  24. […] Scheint momentan fast unmöglich. Kontrolle abgeben muss vor allem die Führung lernen … (mehr) […]

  25. @marcus und nayrusworld
    Danke für die sehr ermutigenden Feed-Backs. Hier merke ich wieder einmal, wie „Lob“ für die Motivation unser aller wichtig ist. Und Lob bringt uns alle vorwärts, am meisten natürlich unsere Schüler und Studenten.

  26. @jeanpol
    „dranbleiben“ an einer Sache, von der man überzeugt ist und natürlich in Kontakt mit den Leuten bleiben, die diese Sache so überzeugend verkörpern.

  27. Mit den Workshops war nicht nicht so glücklich – dafür ist das LdL-Konzept wahrscheinlich in seiner verbreiteten Anwendung zu neu. Ein klassischer Workshop, um LdL zu lernen, ist vielleicht auch ein Widerspruch in sich.
    Ich glaube, dass ich mich sehr gerne in kleinen Gruppen (max. 15) strukturiert über Probleme ausgetauscht hätte, um dann aus dieser Haltung heraus zu überlegen, wie LdL bei der Bewältigung helfen kann – also erst der Mensch, dann die Theorie.
    Glücklich war ich über die neuen Menschen, die neuen Kontakte und die Bestätigung dafür, dass ich didaktisch-methodisch in einer für mich absolut richtigen Ecke suche.

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