200 Fotos von Markus: die Frankreichreise-Emergenz

Resume Als Forscher, der ethnomethodologisch vorgeht, biete ich Lernsituationen an und versuche die Subjektperspektive der Lerner einzufangen. Die Frankreichreise war eine solche Situation.

1. Früher ließ ich Tagebücher verfassen

Als es noch kein Internet gab, ließ ich meine Schüler und Studenten Tagebücher auf den Frankreichreisen verfassen. So konnte ich besser erfahren, was sie aus dem objektiven Angebot subjektiv mitgenommen hatten. Natürlich schrieben sie mit dem Bewusstsein, dass ich den Text später lesen würde, aber trotzdem erfuhr ich, was sie während der acht Tage wirklich beschäftigt hatte (z.B: „Gestern abend ging durch Beaugency ein Riesenhund, dick wie ein Ochs. Das hat mich sehr beeindruckt und ich habe davon geträumt.„). Durch die Tagebücher konnte ich auch das Format der Reise optimieren, denn ich wusste, was bei Schülern und Studenten besondere Spuren hinterlassen hatte. Die Forschungsergebnisse habe ich in meiner Habilitationsschrift 1994 veröffentlicht.

2. Dann kamen die Internet-Foren

Als das Internet aufkam, ließ ich keine Tagebücher mehr schreiben, sondern ich richtete Foren ein und die Schüler und Studenten posteten ihre Eindrücke und am Ende der Reise ihre rückblickenden Reflexion ein. Auch das waren qualitative Belege über die Subjektperspektive. Hier beispielsweise das Forum einer 9.Klasse, mit der ich eine wilde Parisreise zusammen mit Studenten 2001 durchgeführt hatte.

3. Und mit meiner 11c?

Ich habe bereits mehrfach darüber berichtet, dass meine gegenwärtige Klasse sehr wenig äußert. Das war auch während und nach der Frankreichreise so. Natürlich haben die Teilnehmer bestimmt viel erlebt, wir waren immerhin 8 Tage mit Bus unterwegs, sind 4000 kms gefahren (Eichstätt, Loireschlösser, La Rochelle, Bordeaux, Montpellier und zurück) und hatten 7 aktive Studenten dabei. Wir haben, die Studenten und ich, nicht mit Perturbationen gespart (z.B. der Exhibitionist und  Mister Bean am Strand). Aber ich habe kaum etwas erfahren. Ich denke, die Reise hat ihnen gefallen. Eine Gruppe war damit befasst, eine Dokumentation zu erstellen. Auch darüber wusste ich kaum etwas, nicht einmal ob und wann etwas im Netz erscheinen würde. Und gestern die Emergenz: 200 sehr schöne, sehr liebevoll und durchdachte Fotos. Von Markus erstellt. Er hat auch einen Blog angekündigt mit einem Bericht über die Reise. Natürlich bin ich gespannt!

Fazit Immer wieder: biete an, auch wenn du nicht weißt, was auf der Subjektebene wahrgenommen wird. Es lohnt sich (fast) immer!

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5 Antworten

  1. Die Dokumentation einer solchen Reise und deren Veröffentlichung ist äußerst wichtig, zum einen um wie bereits oben genannt „die Subjektperspektive der Lerner einzufangen“ und so meist neues und oft auch unerwartetes Feedback zu erhalten; zum anderen ist es für die Teilnehmer eine Möglichkeit, das Ergebnis ihrer erfolgreichen Arbeit/Fahrt in kompakter Form zu erhalten. Außerdem vergisst man, zurück im Alltag, schnell die Erfolgserlebnisse und die Gefahr, in den alten Trott zu verfallen ist groß. Da ist es doch schön, sich mithilfe der Dokumentation die erreichten Fortschritte vor Augen halten zu können.
    Normalerweise haben die Schüler (und natürlich auch die Lehrkraft + Studenten) nach so einer Fahrt das starke Bedürfnis, die Fotos zu sehen, ihren Eltern/Freunden zu zeigen und das Internet-Tagebuch zu lesen; der Mitschüler aus der Dokumentationsgruppe wird gedrängt, das Material hochzuladen.
    Aber wie bereits gesagt, wird sich in dieser Klasse im Vergleich zu anderen wenig zum Thema geäußert, und deshalb ist es umso erfreulicher, wenn sich ein Schüler, der offenbar nicht unter dem Druck der ständigen Nachfrage seiner Mitschüler steht, die Mühe macht und 200 Fotos online stellt.
    Daher kann ich das Fazit nur unterstreichen!

  2. @Laura
    Danke für vieles und auch für deine Internetkompetenz!

  3. @Laura
    Übrigens: die 9.Klasse, von der ich in Punkt 2 berichte und mit der ich in Paris war, ist die, mit der du im LK saßt.

  4. […] Neueste Kommentare Jean-Pol Martin zu 200 Fotos von Markus: die… […]

  5. @JPM:
    Hab ich schon gemerkt, hab mir das Forum durchgelesen 🙂

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