Meinung über Menschen dreimal am Tag geändert…

Resume In stabilen settings wie beispielsweise im Unterricht (Schule oder Uni) macht man sich relativ schnell eine Meinung über Menschen und diese bleibt stabil. Ganz anders im Rahmen von intensiven Projekten, wie einer Klassenreise.

1. Wenige Merkmale in einem stabilen Setting

Die Merkmale, die man zur Einordnung eines Menschen in einem stabilen Setting benutzt, sind überschaubar. Ein Schüler ist „brav“ und „fleißig“, der andere „unruhig“ aber „intelligent“, der dritte „kreativ“ und „lebhaft“. Ein Student ist „engagiert“. Je reichhaltiger die im Unterricht angebotenen Settings (insbesondere Projektarbeit), desto mehr Dimensionen werden mobilisiert.  Natürlich wird man immer wieder überrascht, wenn beispielsweise ein „Ruhiger“ plötzlich ausrastet, einer Kreativen nichts einfällt und  ein Behäbiger eine sehr lebhafte Pantomime präsentiert. Aber das sind keine richtigen Aha-Effekte.

2. Auf einer längeren Busreise

Im Rahmen eines handlungs- und situationsintensiven Projektes, wie einer Busreise durch Frankreich, wo alle Teilnehmer wichtige Aufgaben übernehmen müssen, werden alle Facetten einer Persönlichkeit sichtbar, vor allem sie werden permanent von den anderen Teilnehmern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sobald ein Konflikt auftritt werde ich als Lehrer und Projektleiter angedockt und mir wird berichtet, welche problematische Absicht diese Teilnehmer oder diese Gruppe versucht haben zu realisieren.  Abwechselnd schimmern ganz unerwartete – manchmal recht bestürtzende – Aspekte einer Persönlichkeit auf, je nach Kontext und je nach Person, die über das Verhalten berichtet. Meist handelt es sich um Missverständnisse, jeder verfolgte eine aus seiner Sicht vernünftige Absicht. Permanent verändere ich meinen Blick auf die Personen, wohlwissend dass ich nie zu einem abschließenden Eindruck gelange. Was zunächst illoyal schien, entpuppt sich als wahre Treue.  Oder umgekehrt.

Fazit In handlungsintensiven Kontexten zeigen Menschen ganz unterschiedliche Aspekte  ihrer Persönlichkeit, oft werden sie missverstanden. Als Leiter muss man sich bemühen, eine positive Interpretation ihres Verhaltens stets im Fokus zu behalten. Und sich informieren, informieren, informieren…