Als „Chef“ mit Lügen kompetent umgehen.

Resume Gerade habe ich eine Frankreichrundreise mit Schülern und Studenten hinter mir. Alles sehr nette Menschen, positiv und freundlich. Ich denke, sie mögen mich. Dass ich permanent belogen werde, ist selbstverständlich.

1. Warum wird gelogen?

In der Regel entstehen kleinere Lügen aus Komplexitätsreduktion und Ökonomie. Wenn mir Schüler sagen, sie haben die Hausaufgabe daheim vergessen (obwohl sie sie gar nicht gemacht haben) gehe ich nicht weiter darauf ein (natürlich „greife ich durch“ aber nicht wegen der „Lüge“).  Auf einer längeren Busreise mit zahlreichen Anlässen, kleinere oder größere Gesetze (auch ungewollt) zu übertreten, wird naturgemäß permanent gelogen. Angefangen vom Zuspätekommen über das Konsumieren von Alkohol bis zu unerwünschten Sexualkontakten innerhalb oder außerhalb der Gruppe kommt alles vor und die Akteure versuchen es mir gegenüber, der als Projektleiter zur Einhaltung der Gesetze drängt, zu verbergen. So weit, so gut.

2. Nicht nur Lügen, sondern Illoyalitäten

Wenn jemand eine Verantwortung in der Gruppe trägt, steckt er in einer Falle. Er muss dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden, andererseits ist er ständig dem Druck der „Basis“ ausgesetzt, da  und dort kleine Übertretungen zu dulden. Ferner sieht er – oft mit Empörung -, dass andere Verantwortungsträger auf seiner „Hierarchieebene“ locker mit den Gesetzen umgehen, also im Prinzip dem Leiter gegenüber „illoyal“ sind. Am akutesten ist es, wenn Verantwortungsträger sich hinter dem Rücken des Leiters gegen ihn wenden und sich über die von ihm formulierten Gesetze hinwegsetzen. Aufgabe des Chefs ist es, sich kontinuierlich über diese Vorgänge zu informieren und immer wieder die Wahrheit herauszubekommen und in die Gruppe als Stand der Reflexion einzuspeisen. Auch Illoyalität ist nachvollziehbar und soll nicht als „moralische Verfehlung“ gebrandmarkt werden. Die Illoyalität muss dem Mitarbeiter aufgezeigt und die Konsequenzen von Illoyalität erläutert werden. Die Konsequenzen für den Illoyalen sind folgende: innerhalb der Gruppe gerät auf kurz oder lang jeder in Konflikt mit anderen Gruppenmitgliedern, vielleicht sogar mit der ganzen Gruppe.  In einer solchen Situation, braucht er die Hilfe des Leiters.  War er illoyal und hat es der Chef mitbekommen, so ist er ganz und gar auf die Gnade des Leiters angewiesen.

3. Warum ist die Wahrheit so wichtig für den Chef?

Der Chef will gute Entscheidungen treffen. Dazu muss er permanent über den Stand der Gruppenaktivitäten informiert sein.  Lügen sind falsche Informationen. Da viel gelogen wird, muss er viele Gespräche führen, um die Wahrheit zu erfahren. Es wäre verfehlt, wenn er die Lügen persönliche nehmen würde. Aufgedeckte Lügen sind ohnehin Machtelemente, die er bei Bedarf einsetzen kann.

Fazit Als Chef sollte man wissen, dass Lügen im System begründet sind. Man sollte versuchen, soviele Lügen wie möglich aufzudecken und mit entsprechenden Maßnahmen zu reduzieren. Undramatisch, aber wirksam.