Ulmer Blogs

Resume Heute wurde wieder eine dreistündige Sitzung in Ulm abgehalten. Der Kurs in diesem Semester führte zum Erfolg: sechs schöne Blogs mit interessanten Inhalts stehen nun im Netz.

Die Teilnehmer haben viel Erfahrung in ihrem Leben gesammelt. Sie führen weiter Projekte durch. Wie kann man das entstandene und weiter entstehende Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen?

Durch Blogs!

1. Barbara berichtet über die Reise nach Kursk.

2. Brigitte befasst sich mit Frauengeschichten.

3. Christel sammelt ebenfalls Frauengeschichten.

4. Erdmute interviewt ihre Freundinnen (Reise nach Rumänien).

5. Holger Interessiert sich für Tennis sowie Essen + Trinken.

6. Und Manfred koordiniert das Ganze.

Jetzt sind alle Projekte zugänglich, weltweit!

Am Freitag, den 10. Juli um 10.00Uhr werden die Blogs präsentiert.

Fazit In relativ kurzer Zeit ist es möglich, ein ansehnliches Publikationsorgan einzurichten. Und jetzt kann es richitg losgehen!  Zeitlich gibt es kein Limit. In einem Blog kann man publizieren ein Leben lang!

Twitter als Arbeitsplatz.

Resume Als Wissenschaftler begebe ich mich dort, wo ich am intensivsten Nahrung für mein Denken finde. Das ist zum einen die Schule,  zum anderen das Internet. Im Augenblick besonders Twitter.

1. In Twitter feed-backs holen

Der Schwerpunkt meiner Aktivitäten liegt auf der pädagogisch/didaktischen Forschung. Dazu habe ich ein konkretes, empirisches Handlungsfeld, das ist die Schule oder schulähliche Strukturen, wie die Seniorenuniversität in Ulm. Ein weiteres Forschungsfeld ist die Grüne-Partei-Ingolstadt, insbesondere was ihr Verhältnis zu den neuen Medien angeht und dies wiederum in enger Verbindung mit der Frage des Bildungssystems. Ist den Grünen klar, dass sie die Bildungsfragen nur über die Medienfrage angehen können? Ich glaube: nein. Ausgehend von meinen realen Erfahrungen in den genannten Feldern reflektiere ich permanent und die Ergebnisse dieser Reflexion publiziere ich in meinem Blog. Ferner bemühe ich mich auch um eine historische Rekonstruktion meiner Arbeit in den letzten 30 Jahren und schreibe an einer Autobiographie. In Twitter mache ich sowohl auf meine Erfahrungen im Alltag, als auch auf meinen Blog sowie auf meine Autobiographie aufmerksam. Und in Twitter kann ich sofort prüfen, ob meine Gedanken ankommen oder nicht.

2. In Twitter neue Entwicklungen verfolgen

Seit den Europawahlen bin ich besonders interessiert an der Entwicklung der Piratenpartei. In  Twitter habe ich den Ingolstädter „Boomel“ entdeckt und wir haben uns getroffen.  Von ihm habe ich viel erfahren, insbesondere die Vorstellung, dass „die Bildungskompetenz schrittweise von den etablierten Institutionen auf die Online-Communities übertragen wird“. Anders ausgedrückt: die Communities vermitteln technisches Wissen und gleichzeitig auch Allgemeinwissen und Werte, und machen damit Konkurrenz zu den etablierten Bildungsinstitutionen. In Twitter beobachte ich seitdem die Tweets von Boomel mit besonderem Interesse.

Fazit Über Twitter komme ich denktechnisch sofort in die Gänge. Ich erhalte feed-backs zu meinen vielfältigen Aktivitäten und neue Impulse für das Weiterdenken. Vom Aufstehen bis zum Insbettgehen.

Laura Cau: „Ich liebe Ihre Biographie!“

Resume Immer wieder weise ich  auf das Phänomen der Emergenz hin: man powert in ein intransparentes System und plötzlich reagiert es. Und das gibt einen riesigen Motivationsschub!

1. Ich wurde zum Schreiben einer Autobiographie geschoben

Die Initiative ging von diversen Personen aus, aber richtiger Auslöser war Claudius Konrad. Er meinte, wenn ich weiter in der Szene aktiv sein und den LdL-Gedanke am Kochen halten wolle, so müsse ich ein LdL-Buch schreiben. Wenn man 30 Jahre lang an einem Thema gearbeitet und tonnenweise Artikel dazu verfasst und verfassen lassen hat, dann ist man bei der Perspektive, dies noch einmal zu tun, nicht begeistert. Ich fing dennoch an und merkte, dieses Projekt ist eng mit meiner Person verwoben. Insbesondere mit der Tatsache, dass ich von 15 bis 24 extrem viele Misserfolge gesammelt und den „Abgrund“ erreicht, und dann in einem radikalen Paradigmenwechsel die Situation umgekehrt hatte. Aus Laster wurde Tugend, aus Scheitern wurde kontinuierlicher Erfolg. Und LdL war ein wichtiges Instrument dazu. Das musste ich schildern!

2. Didaktisches Kompendium und Schelmenroman

Da ich sehr beschäftigt bin, stand das Buch-Projekt nicht im Zentrum meiner Bemühungen. Ich fing an zu schreiben und schreibe weiter, wie mir der Sinn danach ist. Und peu à peu entsteht eine Art Schelmenroman mit deutlichen Anleihen, auch vom Stil her, am 18.Jahrhundert (ich denke an Fanny Hill, aber auch an Jacques Le Fataliste von Diderot). Das ist nicht gewollt, sondern das ergibt sich. Natürlich sollen alle Anekdoten aus meinem Leben in eine Summe von pädagogischen Empfehlungen münden. Das Buch ist gezielt für Lehrer gedacht. Andererseits scheint es auch Leser anzusprechen, die nicht aus dem Schul- oder Unibereich stammen. Möglicherweise liegt es an dem distanzierten Stil, in welchem ich mein Leben beschreibe und analysiere. Sicherlich wird auch die Tatsache eine Rolle spielen, dass ich als Zeitzeuge über die Spanne von 1943 bis 2010 berichte. Demnächst werde ich als geschichtliche Kulisse den Algerienkrieg (1960) einbeziehen, später die Mai-Unruhen (1968). Noch später werde ich auf die Gründung der Grünen-Partei in Ingolstadt (1980) zu sprechen kommen, auch wenn ich darin keine zentrale Rolle spielte.

3. Ich werde angefeuert

Gelegentlich verliere ich die Autobiographie aus den Augen. Dann meldet sich Claudius Konrad in Twitter: „Wann geht das Buchschreiben weiter? 🙂„. Cethegus korrigiert den Text im Wiki und kommentiert auch auf der Diskussionsseite. Gerade hat Johannes, Grünes Mitglied und Entwicklungshelfer in Tansania getwittert: „Biographie von jeanpol gelesen,gefällt mir sehr gut, hoffe auf Fortsetzung. http://bit.ly/ukjgK.  Zähneputzen, dann in die Stadt einkaufen.“ Johannes putzt sich also die Zähne, nachdem er Auszüge aus meiner Biographie gelesen hat. Auch Melanie Gottschalk und Ulrike Kleinau feuern mich an! Ganz außerhalb von diesem Kontext hat mir Renate Maurer, textgewohnt, sehr kritische Redakteurin mitgeteilt:  „Das gefällt mir nach wie vor sehr gut! Beim Wort ‚mädchentechnisch‘ habe ich laut gelacht.“ Und vor 5 Minuten erhielt ich die Mail von Monika Bittl, Dekanatssekretärin in Eichstätt: „Ich habe es mit Begeisterung gelesen und warte sehnsüchtig auf Fortsetzung.“ Mit diesen Zeugnissen möchte ich es bewenden lassen. Aber: es sind die Emergenzen, ohne die ich vielleicht aufhören würde zu schreiben.

Fazit:  Körperlich geht es mir wie bei vielen Menschen meines Alters nicht so toll (Arthrose und arge Schmerzen in den Schultern). Ich möchte aus diesem Körper (vor allem aus dem Kopf) auf jeden Fall noch ein paar „Juwele“ rausholen. Und das Buch könnte eines sein. Ohne Anfeuerungen geht es nicht.

Liebe Ulmer,

heute haben  Sie Ihre Weblogs eingerichtet, um Ihre Gedanken und Texte in einem angemessenen, persönlichen Rahmen vorzustellen. Im Laufe der Zeit werden Sie einen passenden Hintergrund (vielleicht ein eigenes Foto) auswählen und ein paar weitere widgets benutzen, z.B. einen Tag-Cloud. Jeder/jede von Euch wird einen Text hochladen zu einem von ihm/ihr gewählten Thema. Die Entwürfe liegen ja bereits vor: z.B. der Bericht von Christel zur Begegnung in Rumänien, der Beitrag zu Essen + Trinken von Holger und der Eintrag von Barbara zur Reise nach Kursk. Alle diese Texte können vom layout verbessert werden (fette Überschriften, Absätze, Schrägschrift), sie können durch Fotos veranschaulicht und mit Links angereichtert werden. Auch Youtube-Videos kann man ohne großen Aufwand einbauen.

Man kann auch einen Text als Zitat markieren.

Ich werde wie angekündigt am nächsten Montag um 13.00Uhr wieder dabei sein und freue mich darauf, Ihre schönen Blogseiten anzusehen. Wir werden uns natürlich auch intensiver mit den Inhalten befassen.

Bis dann! Und ich hätte gerne von Ihnen (das war ja unsere Übung) einen kleinen Kommentar!

Der Ludwigsburger-Hype. 44 Tage später?

Resume Wie tief dringt ein Angebot in die Persönlichkeit hinein und wie nachhaltig werden Gedanken und Konzepte (auch Metaphern) verinnerlicht. Beispielsweise die Inhalte, die auf dem Ludwigsburger-LdL-Tag angeboten wurden?

1. Ethnomethodologisches Vorgehen

An diversen Stellen habe ich beschrieben, dass ich als Aktionsforscher ethnomethodologisch (phänomenologisch) arbeite: ich biete Lernumwelten an, die ich objektiv beschreiben kann, und versuche zu ermitteln, welche Auswirkungen diese Angebote auf die Persönlichkeit der Adressaten haben. So beispielsweise meine letzte Frankreichtour mit Schülern, Fahrer und Studenten. Natürlich gehe ich methodisch vorwiegend qualitativ vor: ich bin angewiesen auf die Selbstauskunft der betroffenen Subjekte. Dieser Zugang kann sich auf einzelne Projekte beziehen, aber auch auf ein ganzes Forscherleben. Ich selbst versuche zu ergründen, wieweit meine Arbeit seit 30 Jahren nachhaltige Auswirkungen auf die Persönlichkeit meiner Adressaten (Kollegen, Schüler und Studenten) hatte.

2. Die Belege

Täglich nehme ich das von Guido Öebel herausgegebene Buch „LdL goes international“ in die Hand. Es enthält umfangreiche Artikel von Guido Öbel selbst, aber auch von Johannes Guttenberger, der mein Schüler drei Jahre lang war (von der 11.Klasse bis zur 13.), von Michael Kratky, der fast 10 Jahre meinem Einfluss ausgesetzt war und von Joachim Grzega, einer Art alter Ego. Das Buch enthält mein ganzes Gedankengut, gespiegelt von anderen Menschen, starken Persönlichkeiten. Ich denke, diese Personen tragen die Konzepte in sich.

3. Und die Ludwigsburger-Connection?

Die Ludwigsburger (will sagen: Spannagel + Studenten + Lutz Berger, auch wenn Lutz nicht in Ludwigsburg angesiedelt ist) sind keine Schüler von mir. Die Inkubationszeit war relativ kurz. Ich weiß nicht, ob und inwiefern sie das von mir vertretene Gedankengut nachhaltig verinnerlicht haben. Natürlich haben sie das alles nicht 1 zu 1 übernommen, sondern sie haben es aufgegriffen und ganz schnell weiterentwickelt. Daher stellt sich für mich als Ethnomethodologe die Frage, was genau im Ludwigsburger Kontext von den Akteuren verinnerlicht wurde. Mich würde auch sehr interessieren, was die Besucher des LdL-Tages in Ludwigsburg mitgenommen und langfristig in ihre intellektuelle (und emotionale) Landschaft integriert haben. Hier denke ich besonders an Maik Riecken und an HerrLarbig. Wie komme ich an die Subjektperspektive ran?

4. Ein Versuch

Schreibe in maximal 140 Zeichen was dir einfällt, wenn du an den LdL-Tag am 09.05.09. in Ludwigsburg denkst. Wenn du willst, kannst du auch 140 Seiten schreiben:

200 Fotos von Markus: die Frankreichreise-Emergenz

Resume Als Forscher, der ethnomethodologisch vorgeht, biete ich Lernsituationen an und versuche die Subjektperspektive der Lerner einzufangen. Die Frankreichreise war eine solche Situation.

1. Früher ließ ich Tagebücher verfassen

Als es noch kein Internet gab, ließ ich meine Schüler und Studenten Tagebücher auf den Frankreichreisen verfassen. So konnte ich besser erfahren, was sie aus dem objektiven Angebot subjektiv mitgenommen hatten. Natürlich schrieben sie mit dem Bewusstsein, dass ich den Text später lesen würde, aber trotzdem erfuhr ich, was sie während der acht Tage wirklich beschäftigt hatte (z.B: „Gestern abend ging durch Beaugency ein Riesenhund, dick wie ein Ochs. Das hat mich sehr beeindruckt und ich habe davon geträumt.„). Durch die Tagebücher konnte ich auch das Format der Reise optimieren, denn ich wusste, was bei Schülern und Studenten besondere Spuren hinterlassen hatte. Die Forschungsergebnisse habe ich in meiner Habilitationsschrift 1994 veröffentlicht.

2. Dann kamen die Internet-Foren

Als das Internet aufkam, ließ ich keine Tagebücher mehr schreiben, sondern ich richtete Foren ein und die Schüler und Studenten posteten ihre Eindrücke und am Ende der Reise ihre rückblickenden Reflexion ein. Auch das waren qualitative Belege über die Subjektperspektive. Hier beispielsweise das Forum einer 9.Klasse, mit der ich eine wilde Parisreise zusammen mit Studenten 2001 durchgeführt hatte.

3. Und mit meiner 11c?

Ich habe bereits mehrfach darüber berichtet, dass meine gegenwärtige Klasse sehr wenig äußert. Das war auch während und nach der Frankreichreise so. Natürlich haben die Teilnehmer bestimmt viel erlebt, wir waren immerhin 8 Tage mit Bus unterwegs, sind 4000 kms gefahren (Eichstätt, Loireschlösser, La Rochelle, Bordeaux, Montpellier und zurück) und hatten 7 aktive Studenten dabei. Wir haben, die Studenten und ich, nicht mit Perturbationen gespart (z.B. der Exhibitionist und  Mister Bean am Strand). Aber ich habe kaum etwas erfahren. Ich denke, die Reise hat ihnen gefallen. Eine Gruppe war damit befasst, eine Dokumentation zu erstellen. Auch darüber wusste ich kaum etwas, nicht einmal ob und wann etwas im Netz erscheinen würde. Und gestern die Emergenz: 200 sehr schöne, sehr liebevoll und durchdachte Fotos. Von Markus erstellt. Er hat auch einen Blog angekündigt mit einem Bericht über die Reise. Natürlich bin ich gespannt!

Fazit Immer wieder: biete an, auch wenn du nicht weißt, was auf der Subjektebene wahrgenommen wird. Es lohnt sich (fast) immer!

Meinung über Menschen dreimal am Tag geändert…

Resume In stabilen settings wie beispielsweise im Unterricht (Schule oder Uni) macht man sich relativ schnell eine Meinung über Menschen und diese bleibt stabil. Ganz anders im Rahmen von intensiven Projekten, wie einer Klassenreise.

1. Wenige Merkmale in einem stabilen Setting

Die Merkmale, die man zur Einordnung eines Menschen in einem stabilen Setting benutzt, sind überschaubar. Ein Schüler ist „brav“ und „fleißig“, der andere „unruhig“ aber „intelligent“, der dritte „kreativ“ und „lebhaft“. Ein Student ist „engagiert“. Je reichhaltiger die im Unterricht angebotenen Settings (insbesondere Projektarbeit), desto mehr Dimensionen werden mobilisiert.  Natürlich wird man immer wieder überrascht, wenn beispielsweise ein „Ruhiger“ plötzlich ausrastet, einer Kreativen nichts einfällt und  ein Behäbiger eine sehr lebhafte Pantomime präsentiert. Aber das sind keine richtigen Aha-Effekte.

2. Auf einer längeren Busreise

Im Rahmen eines handlungs- und situationsintensiven Projektes, wie einer Busreise durch Frankreich, wo alle Teilnehmer wichtige Aufgaben übernehmen müssen, werden alle Facetten einer Persönlichkeit sichtbar, vor allem sie werden permanent von den anderen Teilnehmern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sobald ein Konflikt auftritt werde ich als Lehrer und Projektleiter angedockt und mir wird berichtet, welche problematische Absicht diese Teilnehmer oder diese Gruppe versucht haben zu realisieren.  Abwechselnd schimmern ganz unerwartete – manchmal recht bestürtzende – Aspekte einer Persönlichkeit auf, je nach Kontext und je nach Person, die über das Verhalten berichtet. Meist handelt es sich um Missverständnisse, jeder verfolgte eine aus seiner Sicht vernünftige Absicht. Permanent verändere ich meinen Blick auf die Personen, wohlwissend dass ich nie zu einem abschließenden Eindruck gelange. Was zunächst illoyal schien, entpuppt sich als wahre Treue.  Oder umgekehrt.

Fazit In handlungsintensiven Kontexten zeigen Menschen ganz unterschiedliche Aspekte  ihrer Persönlichkeit, oft werden sie missverstanden. Als Leiter muss man sich bemühen, eine positive Interpretation ihres Verhaltens stets im Fokus zu behalten. Und sich informieren, informieren, informieren…

Als „Chef“ mit Lügen kompetent umgehen.

Resume Gerade habe ich eine Frankreichrundreise mit Schülern und Studenten hinter mir. Alles sehr nette Menschen, positiv und freundlich. Ich denke, sie mögen mich. Dass ich permanent belogen werde, ist selbstverständlich.

1. Warum wird gelogen?

In der Regel entstehen kleinere Lügen aus Komplexitätsreduktion und Ökonomie. Wenn mir Schüler sagen, sie haben die Hausaufgabe daheim vergessen (obwohl sie sie gar nicht gemacht haben) gehe ich nicht weiter darauf ein (natürlich „greife ich durch“ aber nicht wegen der „Lüge“).  Auf einer längeren Busreise mit zahlreichen Anlässen, kleinere oder größere Gesetze (auch ungewollt) zu übertreten, wird naturgemäß permanent gelogen. Angefangen vom Zuspätekommen über das Konsumieren von Alkohol bis zu unerwünschten Sexualkontakten innerhalb oder außerhalb der Gruppe kommt alles vor und die Akteure versuchen es mir gegenüber, der als Projektleiter zur Einhaltung der Gesetze drängt, zu verbergen. So weit, so gut.

2. Nicht nur Lügen, sondern Illoyalitäten

Wenn jemand eine Verantwortung in der Gruppe trägt, steckt er in einer Falle. Er muss dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden, andererseits ist er ständig dem Druck der „Basis“ ausgesetzt, da  und dort kleine Übertretungen zu dulden. Ferner sieht er – oft mit Empörung -, dass andere Verantwortungsträger auf seiner „Hierarchieebene“ locker mit den Gesetzen umgehen, also im Prinzip dem Leiter gegenüber „illoyal“ sind. Am akutesten ist es, wenn Verantwortungsträger sich hinter dem Rücken des Leiters gegen ihn wenden und sich über die von ihm formulierten Gesetze hinwegsetzen. Aufgabe des Chefs ist es, sich kontinuierlich über diese Vorgänge zu informieren und immer wieder die Wahrheit herauszubekommen und in die Gruppe als Stand der Reflexion einzuspeisen. Auch Illoyalität ist nachvollziehbar und soll nicht als „moralische Verfehlung“ gebrandmarkt werden. Die Illoyalität muss dem Mitarbeiter aufgezeigt und die Konsequenzen von Illoyalität erläutert werden. Die Konsequenzen für den Illoyalen sind folgende: innerhalb der Gruppe gerät auf kurz oder lang jeder in Konflikt mit anderen Gruppenmitgliedern, vielleicht sogar mit der ganzen Gruppe.  In einer solchen Situation, braucht er die Hilfe des Leiters.  War er illoyal und hat es der Chef mitbekommen, so ist er ganz und gar auf die Gnade des Leiters angewiesen.

3. Warum ist die Wahrheit so wichtig für den Chef?

Der Chef will gute Entscheidungen treffen. Dazu muss er permanent über den Stand der Gruppenaktivitäten informiert sein.  Lügen sind falsche Informationen. Da viel gelogen wird, muss er viele Gespräche führen, um die Wahrheit zu erfahren. Es wäre verfehlt, wenn er die Lügen persönliche nehmen würde. Aufgedeckte Lügen sind ohnehin Machtelemente, die er bei Bedarf einsetzen kann.

Fazit Als Chef sollte man wissen, dass Lügen im System begründet sind. Man sollte versuchen, soviele Lügen wie möglich aufzudecken und mit entsprechenden Maßnahmen zu reduzieren. Undramatisch, aber wirksam.