Ich wurde kollektiv konstruiert.

Je genauer ich mich mit meiner Biographie befasse, desto klarer wird es mir: mehr als viele anderen Menschen wurde ich kollektiv konstruiert. Ab dem Zeitpunkt, wo es mir gelungen ist, mich zum Gegenstand von Beobachtungen und Zuschreibungen anderer Menschen zu machen und mich gleichzeitig durch das Versprechen, nur „Gutes“ zu tun (Pfad der Tugend) auf einen bestimmten, für mich glücksverschaffenden Weg festzulegen, gab es kein zurück. Ich wurde zur Projektionsfläche von Wünschen und Hoffnungen, die ich nur zu gerne erfüllte.  Ähnliches könnte/sollte Spannagel und Grzega passieren. Allerdings: bis es soweit war, musste ich eine lange Durststrecke hinterlegen.

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10 Antworten

  1. Eine interessante Betrachtungsweise: Das Kollektiv zu nutzen, um so zu werden, wie man sein möchte. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.

    Wenn man nicht im „Rampenlicht“ steht finde ich das eine gute Strategie, um zu wachsen, um die selbst gesteckten Ziele durch die permanente Reflexion, durch das Feedback des Kollektivs unterstützend zu erreichen.

    Auf der anderen Seite erinnert mich das aber an die vielen „unglücklichen Stars“, die genau daran zerbrechen! Der Unterschied ist hier, in den meisten Fällen, aber auch sehr deutlich: Sie entscheiden sich meist nicht selbst für das, was sie darstellen wollen/sollen. Das machen andere, z.B. PR-Berater, die Fans oder oder…

    Ich gehe davon aus, dass du dich frei entschieden hast der zu werden, der du bist – von daher ein, auf deine „Konstruktion“ bezogener, erfolgreicher Weg.

    Nachahmenswert, aber vorher genau überlegen, ob man sich dem auch wirklich aussetzen möchte =)

  2. „Ich gehe davon aus, dass du dich frei entschieden hast der zu werden, der du bist – “
    – Jedenfalls hat die Empirie mir gezeigt, dass ich mit dem späteingeschlagenen „Weg der Tugend“ besser ankam und mehr Freude am Leben hatte, als mit dem „Weg des Lasters“.

  3. „mehr als viele andere Menschen wurde ich kollektiv konstruiert“

    Das hängt wohl nicht zuletzt von der Dichte und Unterschiedlichkeit der Sozialkontakte ab.

    Aber das wir kollektiv konstruiert werden halte ich für eine weise und tiefe Einsicht!

    Eben KEINE Autopoiesis!

    Und ich übertrage das auch auf soziale Systeme, mit verschiedenen Ausprägungen.

  4. Richtig. Mir ist auf dem Hintergrund der hier geführten Diskussion aufgefallen, wie sehr ich selbst konstruiert wurde. Und da hast du bestimmt recht: das hängt von der Unterschiedlichkeit der Sozialkontakte ab, aber auch von der Nachhaltigkeit mit der meine Schüler und Studenten an mir gearbeitet haben und umgekehrt. Auf diesen Punkt werde ich wieder zurückkommen: Schüler, mit denen ich 5 Jahre lang 5 Stunden in der Woche gearbeitet habe, haben mich geformt und vice versa.

  5. „Das Kollektiv zu nutzen, um so zu werden, wie man sein möchte.“

    Das ist ein toller Satz, ähnliches fand ich hier unter Punkt 3: „Surround yourself with people who expect you to succeed in a big way.“

    http://jonbischke.com/2009/04/24/the-5-things-id-tell-my-21-year-old-entrepreneurial-self/

    “You are the average of the five people you spend the most time with.” -Jim Rohn

  6. Das Jim Rohn Zitat fand ich toll, hab danach gegoogelt und dabei dies gefunden: „Shape your life by choosing who you are with“

    http://embraceliving.net/blog/2009/01/you-are-the-average-of-the-5-people-you-spend-the-most-time-with/

    Ist das eine Einsicht, die wir in den Schulunterricht übertragen können? Sollte man sich per twitter vernetzen? Oder öfter die Vorbilder der Schüler einladen?

  7. @ Basti Hirsch: im Rückblick auf Schule und Studium habe ich sehr von Kontakten zu Leuten profitiert, die ein paar Jahre älter bzw. im Studium ein paar Semester weiter waren… an Unis gab (gibt es hoffentlich noch) öfter mal Mentoren und Tutoren… so etwas in der Schule einzuführen, damit den Älteren auch eine Chance zur sozialen Verantwortung zu geben, das ist vielleicht eine Idee…

  8. Solange die eigene Selbstsicherheit anhält und man sich im „richtigen“ Umfeld des Kollektiva bewegt ist das Bild der Projektionsfläche wunderbar. Verbringt man jedoch sein Dasein in einer Umgebung, die aus Neidern, Zweiflern und sonstigen negativen Projezierern besteht und man zu Zweifeln an der eigenen Persönlichkeit neigt, so wird die Umsetzung schwierig. oder anders gesagt, man neigt dann auch dazu die weniger schöne Projektion und Zuschreibung anzunehmen. Aber vielleicht benötigt man einfach nur ein Stück mehr Erfahrung auf dem Weg der Tugend, der sicherlich auch oft Hindernisse anzubieten hat. Aber daran kann man ja wachsen. 🙂

  9. „in einer Umgebung, die aus Neidern, Zweiflern und sonstigen negativen Projezierern besteht“
    – Richtig. Man muss ein Umfeld schaffen aus Menschen, die Projektionsflächen für ihre guten Seiten suchen (Ich-Ideal). Sonst ist man keine Projektionsfläche, sondern Mülleimer!:-))

  10. Reblogged this on mensakomplott und kommentierte:
    ich? ne, du!

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