LdL als Allheilmittel? Im Prinzip, ja!

Resume Seit 1981 setze ich LdL in allen Klassen und allen Lehrveranstaltungen ein.  Sowohl in disziplinär schwierigen Gruppen als auch in ruhigen aber passiven Klassen ist LdL die Rettung.

1. LdL als Rettung in disziplinär schwierigen Klassen

Vor langer Zeit unterrichtete ich mit 5 Wochenstunden eine 7.Klasse (33 Schüler) in Französisch.  Die Gruppe war gefürchtet, einige gestandene Kollegen wurden gelegentlich im Unterricht mit Kreide beworfen. Als ich LdL einführte war natürlich am Anfang Chaos, denn diese Methoden öffnet Freiräume, die schrittweise durch klare Anweisungen wieder geschlossen werden müssen. Die Schüler bekommen die Freiheit intensiv zu arbeiten und müssen es auch tun!:-))) Spätestens wenn sie nach vorne gehen und den neuen Stoff vorstellen, merkt man, ob ihre Partnerarbeit fruchtbar war oder nicht. Und hier hat man einen Ansatzpunkt, um umfangreich zu loben oder zu tadeln, je nach Arbeitsergebnis. Das ist bei anderen Unterrichtsformen nicht so leicht (wo kann man sonst so überschwenglich loben oder hart tadeln?).  Kurzum: mit LdL kann man unruhige Klassen so beschäftigen, dass sie ihre Energie kanalisieren und in die Arbeit (Vorbereitungen und LdL-Sequenzen) einbringen. Oft  sind disziplinär schwierige Klassen sehr kreativ. Mit der 7.Klasse damals habe ich sehr viel Spaß gehabt, nachdem ich sie dank LdL gezähmt hatte. Hier mein Tagebuch.

2. LdL in weniger aktiven Klassen

In wenig aktiven Klasse besteht die Gefahr, dass man nur mit zwei oder drei Leuten arbeitet und die anderen schrittweise ins Nichts abgleiten lässt.  Dieses Nichts manifestiert sich bald in einer Art beschäftigungsloser Unruhe. Mit LdL ist gewährleistet, dass jeder tournusmäßig zur Aktivität gezwungen wird und somit den Kontakt zum Stoff nicht verliert. Wenn es auch gelingt, einen sinnvollen Stoff anzubieten, wird die laue Motivation durch die relevanten Inhalte und den Zwang, turnusmäßig den Stoff zu vermitteln auf einem akzeptablen Level gehalten.

Fazit Mit LdL kann man alle Typen von Lernergruppen bedienen, auch die sehr undisziplinierten oder sehr zurückhaltenden. Daher: pädagogisches Allheilmittel? Ja, wenn man sich LdL zeitlich erlauben kann (viel Arbeit für den Lehrer).

10 Antworten

  1. Ich finde es interessant, dass du schon in dem Tagebuch (siehe Link oben) vom 12.01.1997 beschreibst, wie Schule funktionieren kann. Guter Denkansatz!

    Ich verbreite diesen Eintrag (inkl. Tagebuch) an die Lehrer, die ich kenne, die hier nicht mitlesen. Allheilmittel soll es ja nicht geben – aber LdL ist für mich der vielversprechendste und flexibelste Ansatz, den ich kenne. Hier passt alles rein, jedes Thema, die verschiedenen Lerngruppen und…?

    Ich weiß, dass die Mehrarbeit bei LdL viele Lehrende abschrecken wird. Verstehen kann ich es nicht, da ich so viele Lehrende kenne, die niemals aus dem Schulthema rauskommen, nicht einmal in den Ferien. Sie verbringen dann „lieber“ die Sommerferien in Sanatorien, als die Mehrarbeit bei alternativen Modellen des Schulunterrichts auf sich zu nehmen.

    Neben der Mehrarbeit wird eines vergessen: Der Flow der einsetzt, wenn die schwierige Klasse auf einmal gerne im Unterricht sitzt und mitmacht, Interesse zeigt… Das gibt Energie und Freude am Job.

    Danke für die Einblicke ins Tagebuch von 1996/97😉

  2. @Alexander
    Gerade habe ich in L’Express einen Artikel über den Lehrer-Job in Frankreich gelesen. Natürlich kenne ich schon die Situation, aber die Berichte erschüttern mich immer wieder. Vielleicht liegt es daran, dass in Frankreich ein einseitiger Frontalunterricht praktiziert wird. Mit entsprechenden Konsequenzen für das Klima und die kaum auszuhaltende nervliche Anspannung der Lehrer.

  3. Ich hatte vergessen, dass ich die Neuron-Metapher bereits 1996 genauso formuliert hatte wie heute:
    http://www.ldl.de/reflex/schule3.htm

  4. Ich frage mich die ganze Zeit, und auch als ich dieses lese, ob Ldl nicht die Fortführung von Frontalunterricht mit anderen Mitteln ist? Vielleicht kommt es mir aber nur so vor, weil mir die genaue Methodik noch nicht ganz klar ist…

  5. […] Jean Pol Martin, der Wegbereiter des „Lernen durch Lehren“-Ansatzes, sieht im LdL sogar eine Möglichkeit, alle möglichen Typen von Lernergruppen zu aktivieren, auch die sehr undisziplinierten oder sehr zurückhaltenden. Damit ist dieser Ansatz auch im Hinblick auf ein erfolgreiches Classroom Management von Bedeutung (vgl. Jean Pols Blogbeitrag “LdL als Allheilmittel? Im Prinzip, ja!“). […]

  6. […] 3. LdL als Allheilmittel? Im Prinzip Ja! (April 2009). […]

  7. […] 3. LdL als Allheilmittel? Im Prinzip Ja! (April 2009). […]

  8. […] 3. LdL als Allheilmittel? Im Prinzip Ja! (April 2009). […]

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