LdL als Allheilmittel? Im Prinzip, ja!

Resume Seit 1981 setze ich LdL in allen Klassen und allen Lehrveranstaltungen ein.  Sowohl in disziplinär schwierigen Gruppen als auch in ruhigen aber passiven Klassen ist LdL die Rettung.

1. LdL als Rettung in disziplinär schwierigen Klassen

Vor langer Zeit unterrichtete ich mit 5 Wochenstunden eine 7.Klasse (33 Schüler) in Französisch.  Die Gruppe war gefürchtet, einige gestandene Kollegen wurden gelegentlich im Unterricht mit Kreide beworfen. Als ich LdL einführte war natürlich am Anfang Chaos, denn diese Methoden öffnet Freiräume, die schrittweise durch klare Anweisungen wieder geschlossen werden müssen. Die Schüler bekommen die Freiheit intensiv zu arbeiten und müssen es auch tun!:-))) Spätestens wenn sie nach vorne gehen und den neuen Stoff vorstellen, merkt man, ob ihre Partnerarbeit fruchtbar war oder nicht. Und hier hat man einen Ansatzpunkt, um umfangreich zu loben oder zu tadeln, je nach Arbeitsergebnis. Das ist bei anderen Unterrichtsformen nicht so leicht (wo kann man sonst so überschwenglich loben oder hart tadeln?).  Kurzum: mit LdL kann man unruhige Klassen so beschäftigen, dass sie ihre Energie kanalisieren und in die Arbeit (Vorbereitungen und LdL-Sequenzen) einbringen. Oft  sind disziplinär schwierige Klassen sehr kreativ. Mit der 7.Klasse damals habe ich sehr viel Spaß gehabt, nachdem ich sie dank LdL gezähmt hatte. Hier mein Tagebuch.

2. LdL in weniger aktiven Klassen

In wenig aktiven Klasse besteht die Gefahr, dass man nur mit zwei oder drei Leuten arbeitet und die anderen schrittweise ins Nichts abgleiten lässt.  Dieses Nichts manifestiert sich bald in einer Art beschäftigungsloser Unruhe. Mit LdL ist gewährleistet, dass jeder tournusmäßig zur Aktivität gezwungen wird und somit den Kontakt zum Stoff nicht verliert. Wenn es auch gelingt, einen sinnvollen Stoff anzubieten, wird die laue Motivation durch die relevanten Inhalte und den Zwang, turnusmäßig den Stoff zu vermitteln auf einem akzeptablen Level gehalten.

Fazit Mit LdL kann man alle Typen von Lernergruppen bedienen, auch die sehr undisziplinierten oder sehr zurückhaltenden. Daher: pädagogisches Allheilmittel? Ja, wenn man sich LdL zeitlich erlauben kann (viel Arbeit für den Lehrer).

Menschenrechte Artikel 19: „Informationen suchen, empfangen, verbreiten“.

Resume Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, (…) über Medien jeder Art ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

1. Wenn man das Recht hat, muss man auch die Möglichkeit bekommen

Wenn es ein Menschenrecht ist, Informationen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten, dann gilt es, alles zu tun, um allen Menschen diese Möglichkeit zu eröffnen. Auf diese Weise können wir die Denkressourcen von Milliarden von Menschen weltweit zur Problemlösung mobilisieren. Ein Schritt in diese Richtung sind Alexander Rausch und Ulrike Reinhard mit ihrem Benin-Projekt gegangen.

2. Und so bereite ich meine Schüler darauf vor,  für die Verwirklichung von Artikel 19 zu kämpfen

Auszug aus dem Aufsatz: „Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität„:

(…) So wird im Leistungkurs Französisch umfangreiches geschichtliches Wissen vermittelt, aber immer im Hinblick auf die Durchführung von Projekten, die eine Veränderung der Welt zum Ziel haben. Dies betrifft beispielsweise die Aufarbeitung der Ereignisse nach dem zweiten Weltkrieg, die zur Gründung der UNO im Jahre 1945 und zum Verfassen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 geführt haben. Erst auf diesem Wissenshintergrund sind Schüler und Lehrer argumentativ in der Lage, glaubhaft und nachhaltig für die weltweite Implementierung des Artikels 19 zu kämpfen. (…)

Fazit Sich für die Verbreitung von Kommunikationsmitteln weltweit einzusetzen ist kein Hobby und keine Marotte. Es ist eine Pflicht.

Die Gruppe als Gehirn. Das limbische System: „Ausländer raus!“

Resume Um aufzuzeigen, welche Areale des Gehirns unsere Entscheidungen bestimmen, kann man eine kleine Übung mit 30 Leuten im Klassenzimmer oder 1000 im Hörsaal durchführen. Sicherlich sind dabei twitter + beamer für den Hörsaal von großem Nutzen.

1. Übung: die Gruppe zum Gehirn strukturieren

Um meinen Schülern und Studenten zu zeigen, wie einfach wir funktionieren, zeige ich ihnen die 4 wichtigsten Areale im Gehirn und wie sie zusammen wirken: Kleinhirn (vegetatives System), Temporallappen (Gedächtnis), limbisches System (Emotionen), Cortex (Koordination und Planung). Dann bitte ich die Teilnehmer, sich ein Areal auszusuchen, zu denen sie Affinität verspüren. Wer sich selbst als eher emotional einordnet, geht in die Gruppe „limbisches System“, wer eher kognitiv ausgerichtet ist wandert zur Cortex-Gruppe, wer über ein umfangreiches Wissen verfügt, beispielsweise weil er sich für Geschichte interessiert, geht zum Temporallappen und zum Kleinhirn schicke ich die Leute, die gerne Kleinkram erledigen und für die Essen und sonstige Alltagsautomatismen wichtig zu sein scheinen („ich habe hunger“, „ich muss aufs Klo„).

2. Der Gruppe ein Problem zur Bearbeitung vorlegen

Damit das Gehirn eine Aufgabe zur Bearbeitung erhält, werfe ich in die Gruppe den Spruch „Ausländer raus“ ein und bitte die verschiedenen Areale Position zu beziehen und mit den anderen Arealen in Interaktion zu treten.  So liegt es nahe, dass die erste Region, die abfeuert, das limbische System (Emotion) ist: „Ja, Ausländer raus“ meist sekundiert vom Kleinhirn („Ausländer nehmen mir mein Essen weg und stehen vor mir in der Schlange wenn ich aufs Klo will“). Hier muss der Cortex koordinieren und bittet den Temporallappen (Gedächtnis) darzulegen, wie es dazu kam, dass soviele Ausländer in Deutschland leben. Der Temporallappen erinnert daran, dass ab den 60er Jahren überall in der Türkei, in Nordafrika, in Spanien, Italien und Spanien Büros von Deutschland aus eingerichtet wurden, die ausländische Arbeitskräfte („Gastarbeiter„) anwarben, um den riesigen Bedarf  abzudecken. Der Cortex bittet um Bedenkzeit und versucht eine Prognose zu erstellen: wie wird es auf dem Arbeitsmarkt in zehn Jahren in Deutschland aussehen? Während dieser Zeit stört das Kleinhirn mit Meldungen über den Zustand des Organismus („Es ist 13.00Uhr, wir wollen nach Hause und außerdem ich muss ins Klo“), sekundiert durch das limbische System, das durch die kognitiven Anstrengungen des Cortexes überfordert ist. Der Cortex kommt zu dem Ergebnis, dass wir nicht weniger, sondern mehr Ausländer brauchen. Er vermeidet es, dies direkt dem limbischen System und dem Kleinhirn mitzuteilen, überlegt sich aber eine Strategie, wie er zumindest die Emotionen auf seine Seite ziehen kann, indem er beispielsweise Fotos von süßen ausländischen Kindern zeigt.

3. Politische Folgerungen

Natürlich ist nicht alles so einfach, aber einfach ist es trotzdem. Und die politischen Parteien haben auch entsprechend ihre Klientel: die Rechten (NPD) und DIE LINKE wenden sich fast ausschließlich an Kleinhirn und limbisches System, die Konservativen (CDU, SPD) wenden sich ebenfalls an Kleinhirn und limbisches System, beziehen aber stärker den Cortex und die Temporallappen ein, und die Grünen bemühen sich innovativ zu sein, wollen den Cortex mobilisieren wobei ihnen ihr eigenes limbische System im Weg steht („Datenschutz„).

Fazit Mit dieser Übung lernt man viel und sie macht Spaß! Ich hoffe, ich konnte mit dieser kleinen Beschreibung 3 Areale in Ihrem Gehirn ansprechen und das vierte (Kleinhirn) für kurze Zeit zurückdrängen!:-))

Nach „Neuron“ die nächsten Schritte: Hub, Temporallappen, Limbisches System, Cortex…

Resume Nachdem das Neuronenkonzept durch ist*, möchte ich die nächsten Schritte ansteuern. Wir wollen ja keine Neuronen, sondern ein Gehirn konstruieren!:-)))

1. Nicht Neuronen lösen Probleme, sondern Gehirne

Seit mehr als zehn Jahren schwebt mir vor, im Netz eine Problemlösemaschine nach dem Modell des Gehirns aufzubauen. Dazu braucht man viele, viele Neuronen. Seit anderthalb Jahren bin ich bemüht, normale Menschen zu Neuronen „umzufunktionieren“. Natürlich geht so ein Vorhaben nur, wenn man sehr schnell Partner findet, die sich von der Idee begeistern lassen. Und die habe ich im Rahmen des Educamps gefunden. Jetzt sind wir soweit, dass die Neuronen andere normale Menschen anstecken und umfunktionieren. Wir sind also in der Phase, wo auf Vorrat Neuronen produziert werden, die nicht spezialisiert sind (Frühkindheit). Wir müssen uns genau überlegen, wie es dann weitergeht. In meinem letzten Blogeintrag habe ich beschrieben, dass Neuronen allein nicht funktionstüchtig sind, sondern dass sie erst als Gruppe wirksam werden und dass sie eine Ebene brauchen, auf der die Impulse selegiert und zu Konzepten verarbeitet werden (Hub).  Diesen Schritt müssen wir nun systematisch angehen. Wenn es soweit ist und wir bewusst unsere Hubs konstruiert haben, müssen wir sehen, dass wir Spezialisierungen vornehmen und ein Kleinhirn (vegetatives System), ein Gedächtnis (Temporallappen), ein limbisches System und vor allem natürlich ein Cortex orten. Ich sage bewusst „orten“, denn diese Spezialisierungen erfolgen bereits, nur dass das Phänomen im Augenblick von niemandem erkannt und konzeptualisiert wird. Und das tue ich hier gerade.

2. Ein Gehirn wozu?

Wie ich in meinem Artikel vor 12 Jahren beschrieb, muss die Menschheit eine ganze Menge von Problemen bewältigen, viel mehr als es vor 30 Jahren noch der Fall war. Damals genügte eine relativ kleine „Elite“, um das Weltschiff zu steuern. Heute aber müssen angesichts der Akzeleration der Problemgenerierung in der Welt entsprechende Problemlösestrukturen entwickelt werden und alle verfügbaren Denkressourcen weltweit eingebunden werden.  Daher sind Aktionen wie die von Ulrike und Alexander nützlich, weil sie auf lange Sicht weitere Neuronen mobilisieren (in diesem Fall afrikanische). Spannagel macht ähnliches in einem anderen Bereich, er bringt den Leuten bei, wie man mit Hilfe der neuen Tools rasch und permanent kommuniziert. Und wenn das Gehirn steht, was machen wir dann? Wir werden Probleme lösen! Welche? Das weiß ich nicht. Wir bauen unser Gehirn auf Vorrat.

Fazit „Neuron“? Yuhuu! Aber wir stehen erst am Anfang! Ein Neuron ist noch kein Gehirn!:-)))

*Das sagte mir Felix Schaumburg auf dem letzten Educamp!

Abfeuern: nicht ab und zu, sondern permanent!

Resume Wenn man die Neuronen-Metapher weiterdenkt, so stellt sich die Frage, was mit den einzelnen Neuronen-Impulsen passiert. Sie werden an Sammelstellen (Knoten, Hubs) gebündelt, verarbeitet und weiter nach oben gereicht. Auch in der Wissenschaft verläuft es so.

1. Was im Nervensystem passiert (vereinfacht)

Die Impulse, die von einzelnen Neuronen ausgehen, werden an Sammelstellen (Hubs) verarbeitet. Das bedeutet, dass die für das Leben relevanten Impulse selegiert und gebündelt werden und an die hierarchisch nächste Instanz zur Weiterverarbeitung gereicht werden. Die nichtrelevanten Impulse werden nicht beachtet. Im übertragenen Sinn könnte man formulieren, dass die Neuronenensembles aus der Menge der Informationen die zentrale Botschaft zusammenstellen, also „konzeptualisieren“. Wenn beispielsweise einzelne Neuronen aus der Blase – gedankenlos – abfeuern, werden die Signale auf der nächst höheren Ebene (Hub-Ebene 1) interpretiert und es wird die Botschaft „Erhöhung des Drucks an Stelle A“ formuliert (Konzeptualisierung) und an die hierarchisch nächste Ebene (Hub-Ebene 2) zur Verarbeitung weitergereicht. Wenn auf der Hub-Ebene 2 weitere Signale aus der Blase kommen („Erhöhung des Drucks an Stelle B, Stelle C, Stelle D…“) wird Hub-Ebene 2 diese verschiedenen Botschaften bündeln und interpretieren („Blase voll“) und an die hierarchisch nächsthöhere Instanz weiterreichen. Nun drängt die Botschaft „Blase ist voll“ immer höher nach oben, ohne bereits auf der Bewusstheitsebene (Cortex) zu emergieren. Je nach Kontext wird sich diese Botschaft problemlos hinaufarbeiten oder sie wird in eine Warteschleife geparkt, weil andere Neuronenkonstellationen noch dringendere Botschaften vermitteln wollen (z.B: „Attraktive Nachbarin muss überzeugt werden, heute abend auf die Party mit mir zu gehen“).

2. Und im Web

Angesichts der Akzeleration aller Interaktionsvorgänge im Web, also der kollektiven Reflexion werden die „Hubs“ besonders gefordert. Es müssen Menschen oder vielmehr Menschengruppen die Aufgabe übernehmen, aus der Fülle der Impulse rasch die relevanten Informationen zu extrahieren, zu Konzepten umzuformen und zur Verarbeitung an die nächsthöhere Instanz weiterzureichen. Eine solche Entwicklung lässt sich bereits in den immer zahlreicher werdenden Blogs beobachten. Blogs sind Hubs und Konzeptualisierungsmaschinen.

3. Konsequenzen für Wissenschaftler: wie gewinnt man und stabilisiert man Reputation?

Wissenschaftler halten sich für besonders befähigt, zu konzeptualisieren. Im alten Paradigma haben sie sich damit viel Zeit gelassen und daher wurde ihre gesellschaftliche Relevanz immer geringer. Will ein Wissenschaftler im neuen Paradigma emergieren und eine zeitlang emergiert bleiben, so muss er permanent auf unterschiedlichen Hub-Ebenen konzeptualisieren und diese Konzepte rasch abfeuern. Am besten ist es, wenn seine Konzepte auch eine Handlungsanweisung enthalten (bei meinem Beispiel oben wäre diese Handlungsanweisung: „Blase ist voll, Gang ins Klo wird empfohlen“). Wie im Nervensystem werden nicht einzelne Tweets von der Web-Öffentlichkeit  wahrgenommen, sondern Neuronen (oder Neuronenkonstellationen) die permanent abfeuern. Und in der Wissenschaft ist es im neuen Paradigma ähnlich. Daher meine Empfehlung: wenn du als Wissenschaftler im neuen Paradigma Reputation gewinnen und eine zeitlang erhalten willst, muss du kontinuierlich konzeptualisieren und abfeuern.

Fazit Geschwindigkeit und Vernetzung. Problemlösungen permanent und reflexartig erarbeiten und gleich weiterleiten.

Konzeptualisieren? Aber nicht schon beim Frühstück!

Resume Angesichts der Beschleunigung aller Lebensvorgänge, insbesondere auch des Outputs an Informationen müssen wir uns daran gewöhnen, Alltagserfahrungen rasch zu kognitiven Schemata zu verarbeiten.

1. Alltagserfahrungen schnell zu abstrakten Schemata umformen

Ich neige dazu, meine Handlungen, auch die scheinbar trivialsten, theoriegeleitet und theoriegenerierend zu gestalten. So ist mein Gang zur Kaffeemaschine in der Früh gleichzeitig eine Prüfung meiner Theorie, dass Kaffee fit macht. Diese Theorie wird meist bestätigt. Alle anderen Aktivitäten gehe ich auf diese Weise an. Nicht selten versuche ich, die entsprechenden Mechanismen und Überlegungen meiner Frau mitzuteilen, sobald ich sie erblicke, auch beim Frühstück.  Meine Frau, meine Kinder und generell meine Umwelt finden mich sehr anstrengend. Bei der Durchführung von Projekten wird dieser Prozess noch intensiviert. Durch die Verbreitung der neuen Kommunikationsmittel wurde der Ablauf sehr beschleunigt, weil das Aufkommen an Handlungen und Informationen vielfach gestiegen ist. Ich führe sehr viele Projekte durch und konzeptualisiere permanent. Und das Konzeptualisieren ist eine Notwendigkeit, weil es die Voraussetzung bildet für den nächsten Schritt.

2. Konzeptualisieren  in der Wissenschaft, im alten und im neuen Paradigma

Im alten Paradigma neigte man dazu, a posteriori zu konzeptualisieren. Das bereits Gedachte wurde ausführlich rezipiert, ausdifferenziert, gegeneinander abgegrenzt. Rousseau, Pestalozzi, Dewey, Montessori, die im Prinzip ähnliches sagen, wurden bis in die kleinsten Details untersucht und interpretiert. Das war vertretbar in einer Welt, in der wenig Neues passierte, so dass man sich erlauben konnte, viel Zeit mit Lapalien zu verbringen. Heute aber, wo jeder Schritt neue Horizonte eröffnet,  ist eine ganz andere Wissenschaft angesagt: man soll sehr schnell zusammenfassen, was frühere Denker für eine Zeit gedacht haben, die die ihrige war (wir wollen ja das Rad nicht ständig neu erfinden) und dann auf der Basis dieser Grunderkenntnisse, explorativ die neue Welt angehen. Mir persönlich genügen mein Menschenbild und ein paar zusätzliche Metaphern. Und dann dringe ich beherzt in das Forschungsfeld ein, das eine Fülle von neuen Problemen anbietet, was zu einer permanenten Generierung von Hypothesen und Lösungen führt, also zur kontinuierlichen Konzeptualisierung. Und so schafft man permanent neues Wissen zur Beherrschung einer neuen Welt (Kontrollbedürfnis).

Fazit Handeln, reflektieren, konzeptualisieren. Nicht nacheinander, sondern parallel.

Konzeptualisieren und Personalisieren

Resume Angesichts des Informationshypes muss man, wenn man sich Gehör verschaffen will, sein Angebot inhaltlich verdichten und symbolisch schärfen. Das bedeutet: kontinuierliche Konzeptualisierung und Personalisierung.

1. Permanent konzeptualisieren

Will der einzelne die im Netz abgefeuerten Statements überblicken und fruchtbar nutzen, so muss er permanent konzeptualisieren, also rekurrente Strukturen erkennen und zu stabilen Schemata umformen. Wenn diese Schemata als Handlungsanweisungen dienen sollen, weil sie beispielsweise den Alltag optimieren, so ist es günstig, wenn man sie in Metaphern kleidet, weil sie sich so besser diffundieren lassen. Das permanente Konzeptualisieren ist notwendig, um mit der Beschleunigung aller lebensrelevanter Prozesse kognitiv Schritt zu halten (vgl. auch „Netzsensibilität oder nur Riecher?“). Nur eine permanente kognitive Adaptation sichert, dass wir die Kontrolle über die Prozesse erhalten.

2. Diffundieren über Personen

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass man im Netz angesichts der Fülle der Informationen und Selbstbeschreibungen zwar Ideen und Wissensbausteine aufgreift und verwertet, aber diese kaum noch mit den Produzenten verbindet.  Die Autorenschaft einzelner Personen wird kaum noch registriert. Ähnlich verhält es sich im Gehirn wenn Neuronen, die niemand persönlich kennt, abfeuern!:-)) So weit, so gut. Allerdings stellt sich die Frage, wie man als einzelner oder als Gruppe ein komplexeres Gedankengebilde in dem Informationsvirrwarr positionieren kann. Komplexe Modelle lassen sich schlecht in überall verstreuten, kleinen, autorenlosen Wissenspäckchen vermitteln. Hier verlangt es schon nach einer Person oder einer Gruppe, die die Wissensentität redundant in verschiedenen Feldern präsentiert und bei Bedarf erläutert. Es empfiehlt sich, das Gebäude, die Metapher oder das Projekt, mit einer Person zu verknüpfen, die das Produkt symbolisch repräsentiert und auf die in diversen Kontexten fokussiert werden kann.

Fazit Die enorme Menge an Ideen und Informationen, die ins Netz eingespült werden, zwingt einzelne und Gruppen zur permanenten Konzeptualisierung. Will man die Konzepte diffundieren, so empfiehlt es sich, sie in eine Metapher zu kleiden und über Personen zu verbreiten.

Was heißt sexy?

Das nenne ich sexy:

Explikation:  „sexy“ sind Produkte (Gegenstände, Gedanken oder Personen), die möglichst viele Bedürfnisse des Menschen ansprechen. So wendet sich das Video von Lutz Berger an die physiologischen Bedürfnisse (Musik, fröhliche Menschen, Humor im Sinne einer Befreiung von Zwängen), an die Bedürfnisse nach sozialer Zugehörigkeit, an die Selbstverwirklichung (Freiheit der Aktivitäten) und an das Bedürfnis nach Sinn (es wird die Zukunft vorbereitet).  Wenn Gegenstand oder Personen „sexy“ sind, kann vorübergehend oder langfristig eine Fixierung auf diese Entitäten stattfinden (z.B. Verliebtheit, siehe: Liebe als Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung).

Netzsensibilität oder einfach nur Riecher?

Resume Auf dem Educamp wurde ich vielfach darauf hingewiesen, dass unsere Gruppe (Spannagel und ich) einen gewissen Einfluss übten. Meine Bemühungen, zu analysieren, worauf dieser Einfluss gründet, werden von Spannagel nicht unterstützt. Ich möchte aber das Ganze unbedingt konzeptualisieren.

1. „Ich weiß es nicht“

Wenn ich Spannagel frage, warum wir recht gut vorankommen mit unseren Projekten, teilt er mir immer wieder mit, er wisse es nicht. Klar, dass ich ihn mit dieser Frage langweile. Aus meiner Sicht als Aktionsforscher aber, dienen Aktionen nur einem Zweck: die empirische Basis für Konzeptualisierungen zu liefern. Ich habe a) eine Intuition b) ich suche mir ein Feld, um diese Intuition zu prüfen und dann wird c) sofort (am liebsten während des Vorgangs selbst) konzeptualisiert.  Es ist selbstverständlich, dass Spannagel auch als Forscher konzeptualisiert, aber nicht in dem Augenblick, wo ich ihn gerne als Denkpartner hätte. Wenn ich ihn zum Konzeptualisieren andocken will, rennt er gerade irgendwohin, beispielsweise weil er seinen Laptop verloren hat (es stellt sich dann heraus, dass ich diesen Laptop aus Versehen in mein Fach eingesperrt habe).

2. Lutz Berger: „du hast einen Riecher“

Klar, dass ich niemanden außer Spannagel direkt frage „warum haben wir Erfolg?“. Mein Gesprächspartner würde das sofort in die Kategorie Eitelkeit/Egozentrik einordnen und mir keine brauchbare Information liefern. Der Erfolg freut mich, das habe ich bereits an diversen Stellen thematisiert, aber ich kenne dessen Flüchtigkeit. Was mich also brennend interessiert sind die Mechanismen, die diesen Erfolg begründen, damit ich die entsprechenden Verhaltensweisen sofort modellieren (z.B. als Metapher) und diffundieren kann. Aber um zu erfahren, welche Merkmale integriert werden müssen, damit der Erfolg sich dauerhaft einstellt, bin ich in Ermanglung eines Denk-Partners auf zufällige Nebenbemerkungen angewiesen. In einem Gespräch mit Lutz Berger fiel der Satz: „du hast einen Riecher“. Damit kann ich was anfangen. Allerdings muss ich „du  hast einen Riecher“ operationalisierbar machen. Und das habe ich vor längerer Zeit unter dem Begriff Netzsensibilität getan. Ich habe auch mehrfach versucht den Begriff in der Wikipedia zu verankern (erfolglos: „Wir wollen keine Theoriefindung“!)

3. Das Benin-Projekt

Mein Riecher sagt mir, dass das Benin-Projekt (Ulrike, Tim, Anne, Salifou, Alexander und viele andere mehr) uns noch erfolgreiche Tage bescheren wird. Es weist alle Merkmale auf, die Menschen anziehen. Moralisch auf der höchsten Ebene angesiedelt, und dennoch konkret und sofort umsetzbar. Dadurch befriedigt das Benin-Projekt alle menschlichen Grundbedürfnisse. Ich war am Anfang ein bisschen zögerlich (ich wurde gebeten, die Blog-Texte ins Französische zu übersetzen, was zunächst nach – wenig glanzvoller – Arbeit aussah), aber je erfolgreicher das Projekt sich entwickelte, desto williger wurde ich. Und jetzt sehe ich viele weitere Perspektiven: in Eichstätt läuft ein Togo-Projekt im Rahmen des IPKs, Petra Kleine hat uns mit einem Entwicklungshelfer aus Tanzania verbunden, und ich habe mir vorgenommen, die Senioren, die demnächst meinen Ulm-Kurs besuchen werden, als Blogübersetzer in den Afrika-Projekten einzuspannen. Vernetzen was das Zeug hält, und für eine gute Sache („Bedürfnis nach Transzendenz, also sich in einer Aktion eingebunden fühlen, die über einen selbst hinausreicht“).

Fazit Intuition, Riecher oder Netzsensibilität? Just do it!

Educamp Ilmenau 2009

Resume Von Freitag bis Sonntag war ich in Ilmenau auf dem Educamp.

1. Der Rahmen

Das Educamp hat bisher dreimal stattgefunden: zweimal in Ilmenau und einmal in Berlin. Die gesamte Stimmung ist basisdemokratisch, was bedeutet, dass jeder, der eine gute Ideen hat, spontan eine Session zu einem Thema anbieten kann. Ein solches Konzept mit vielen Unwägbarkeiten verlangt von den Organisatoren Talent, nicht nur was die technischen Abläufe angeht (je spontaner, desto  größer die Anforderungen an die Adaptationsfähigkeit der Strukturen) sondern zwischenmenschlich, um den Gästen das Gefühl zu vermitteln, dass sie und ihre – gelegentlich komplizierten – Wünsche willkommen sind. Dies gelingt Thomas BernhardtSteffen Büffel und Marcel Kirchner hervorragend. Man fühlt sich dort wie zu Hause, unter Freunden.

2. Ein paar Sätze an

@Claudia Als wir uns noch kurz vor dem Bahnhof unterhielten, habe ich etwas scheinbar Widersprüchliches gesagt: ich sagte, dass man durch Bloggen schnell zu einem tieferen Austausch kommt und die essentials (Menschenbild und fundamentale Ziele) einer Person rasch erfährt. Dann bestünde die Gefahr, dass man das Interesse verliert, weil man die Person kenne und nichts Neues mehr erwarte. Andererseits behaupte ich, dass durch Bloggen eine Vertiefung der Beziehungen entsteht, was Nachhaltigkeit fördert. Letzteres stimmt, aber nur dann, wenn nach den vertieften Einsichten dann zügig gemeinsame Ziele und Projekte angesteuert werden. Daher auch der Begriff nachhaltige Projektbeziehungen.

@Michael Nach unseren Gesprächen und unserer gemeinsamen Session fühle ich mich noch mehr verpflichtet, Qualität zu bringen. Vor allem, wenn wir dann tatsächlich ein Projekt gemeinsam durchführen.

@Felix Ähnliches gilt für dich: wenn ich euch als Denkpartner behalten will, darf ich nicht nachlassen!:-)))

3. Alexanders Vorstellung des Bénin-Projektes

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4. Mein Gefühl danach