Das Wesen von LdL. Dank an Spannagel (+ Studis) und an Lutz Berger!

Resume Durch den Besuch gestern von Spannagel + Studis und Lutz Berger wurde uns allen klar: man stellt sich unter LdL etwas ganz anderes vor als es wirklich ist.

1. Die Schüler bergen unsichtbare Juwele

Immer wenn ich eine neue Klasse bekomme, lasse ich die Schüler am Wochenende Hausaufgaben über anspruchsvolle Themen schreiben. Zur Zeit beispielsweise über die Geschichte Israels nach dem ersten Weltkrieg und über den aktuellen Krieg Israels gegen Hamas. Und immer bin ich verblüfft. Der Unterschied zwischen dem ängstlichen, scheuen Verhalten im Unterricht  und der hohen Qualität ihrer Texte ist frappierend  (natürlich gilt es nicht generell für alle Schüler, denn einige sind durchaus selbstbewusst) .  Meine Aufgabe als Lehrer ist es also, ihnen soviel Vertrauen zu geben, dass ihr Wissen und ihre Gedanken auch im Klassendiskurs sichtbar werden. Durch LdL wird der Vorgang erleichtert, denn wenn die Schüler als Lehrer auftreten, können sie ihre Qualitäten entfalten, weil sie den Raum selbst gestalten können. Natürlich sind die ersten Versuche sehr zögerlich und man könnte glauben, dass man sich doch getäuscht hat, dass die Schüler eben nicht die vermuteten Juwele in sich tragen. Aber Geduld! Peu à peu kommen die Ideen, sie werden immer besser und oft würde ich mir von manchem Kollegen wünschen, dass er so differenziert und tiefgehend reflektiert, wie meine 11.Klässler. Der Lehrer muss den entsprechenden Raum schaffen. Er muss einerseits sehr anspruchsvolle Inhalte anbieten, andererseits die Atmosphäre der Konzentration im Unterricht einfordern, die notwendig ist, um das Konzert der Ideen zum Erklingen zu bringen. Eine solche Atmosphäre kann man nicht in Blogeinträgen beschreiben. Das muss man erleben. Und noch etwas: beim allmählichen Aufblühen der Gedanken darf der Lehrer nicht stören! Er muss stützen und dafür sorgen, dass der Schüler solange Zeit hat sich auszudrücken, wie er dazu braucht. Und das Warten lohnt sich! Je komplexer die Gedanken der Schüler, desto länger brauchen sie bevor sie etwas sagen. Und von außen sieht man nichts! Man muss Vertrauen haben, dass sich Komplexes im Gehirn abspielt, auch wenn das Gesicht nichts von dieser Aktivität verrät. Ein Beispiel: gefragt, ob sie sich motiviert fühlen, „die Welt zu verbessern“ (siehe 1000 Wikis) meinte ein Schüler, er müsse mit sich selbst klarkommen, bevor er sich an die Welt heranmache, sonst bestünde die Gefahr, dass er seine eigenen Probleme auf die Welt projiziere. Das nenne ich Qualität!

2. Der Besuch gestern: das Wesen von LdL

Der gestrige Besuch war insofern sehr wichtig für mich, weil mir plötzlich klar wurde, dass auch kluge Menschen, die sich ein paar Monate mit LdL befassen, die sehr motiviert und wohlwollend sind und eine ganze Reihe von Texten, Filmen und Videos über LdL gesehen haben, trotzdem ganz überrascht sind, wenn sie LdL konkret erleben. Sie sind überrascht, dass der Lehrer wie ein Regisseur oder ein Kapellmeister sehr viel Präsenz zeigt. Sie sehen auch, wie intensiv und respektvoll der Lehrer sich mit den Gedanken der Schüler befasst. Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich in Schülergedanken „verliebt“ bin (zum Begriff Liebe siehe mein Menschenbild!:-))) Das alles wurde mir gestern durch die Beobachtungen und Fragen der Besucher erst richtig klar. Ulrike Kleinau meinte: „Durch die Unterrichtsatmosphäre werden die Schüler angeregt, frei zu denken!„. Dieser Aspekt war mir noch nicht bewusst. Sehr erfreulich war für mich, heute einen Twitteraustausch zwischen Spannagel, Scheppler und Schb zu lesen, in dem Christian auf das Wesen von LdL eingeht und klarstellt, dass man sich unter LdL etwas anderes vorstellt als es ist: „Klar, das ist ja auch alles super – nur es ist nicht „LdL“. LdL bezeichnet die Methode von @jeanpol – alles andere ist was ähnliches.“ Dieser Austausch wäre vor dem gestrigen Besuch wohl nicht möglich gewesen.

3. Die LdL-BlogParade

Spannagel und Lutz Berger befassen sich seit mehr als einem Jahr mit LdL. Offensichtlich finden sie die Methode so überzeugend, dass sie diese auch großflächig bekannt machen wollen.  Was kann einem besseres passieren, als dass ausgesprochene Kommunikationsfreaks sich vornehmen, die eigenen Gedanken zu verbreiten? Lutz Berger hatte die Ideen, über LdL eine Blogparade zu veranstalten. Dass Christian Spannagel und seine Studenten sofort Feuer und Flamme waren, versteht sich von selbst! Gestern haben die Besucher enorm viel Material gesammelt (Interviews, Filme), gleichzeitig wurde auch die LdL-BlogParade gestartet. Da werden wieder tolle Synergien entstehen!

Fazit Der Besuch von Christian Spannagel mit seinen Studenten und von Lutz Berger hat gezeigt, dass das Phänomen LdL noch genauer gefasst, dokumentiert und verbreitet werden muss. Und die entsprechende Dynamik haben sie auch gleich in Gang gesetzt!

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18 Antworten

  1. „dass das Phänomen LdL noch genauer gefasst, dokumentiert und verbreitet werden muss“

    @JP
    Ich red mir schon eine Weile den Mund fusselig und die Finger wund, wenn ich dich immer wieder dränge, ein Poem zu schreiben … Narration ist der beste Weg, Zugang zu Dingen zu erhalten, die man rational nicht erfasst. Die Atmosphäre, so scheint es, hat deine Besucher überrascht, verblüfft und dich auf einmal wieder in einem neuen Licht erscheinen lassen.

    @all
    Ich hätte nun von den Besuchern deines Unterrichts gerne hier Kommentare, was sie entdeckt haben, am liebsten von jeden Einzelnen … denn im Moment sehe ich nur deine Reflexion darauf – und ich möchte lernen lernen lernen … Und ich möchte keine theoretisch trockenen Geschichten, sondern das lebendige, erlebte und emotionale … den Lehrer Jean-Pol bitte und nicht den Rest … denn da gibt es offensichtlich noch viel mehr zu entdecken, als nur LdL 😉 Ich weiß das ganz sicher, denn ich habe da bereits schon mehr entdecken können und ich bin ja als Hexe ein wenig bewandert in diesen Dingen *gg* …

    Itari

  2. @Itari
    Dein Interesse an mir ehrt mich und freut mich. Aber ich stecke meine Energie in andere Projekte. Du scheinst dich für mich zu interessieren, ich möchte aber „Weltvebesserungsprojekte“ durchführen.

  3. Weltverbesserungsprojekte interessieren mich nicht sonderlich.

    Man muss mit dem leben lernen, was da ist und nicht mit dem, was sein könnte. <- Dies ist eine Weisheit, für die man sehr viel Geld nehmen könnte.

    Ich hab sehr wenig übrig für die, die nicht im hier und jetzt leben. Und schade, dass du immer noch diesen ‚blinden Fleck‘ pflegst … ich dachte, es wäre mittlerweile bei dir angekommen, das es nicht darauf ankommt, was du tust, sondern wie du es tust 😉

  4. @Itari
    Ich sagte schon. Wir verfolgen unterschiedliche Ziele. Und mit meinen Zielen komme ich sehr gut zurecht. Deine will ich dir auch nicht ausreden, oder?:-))

  5. @jean-pol
    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und wir Studenten sind voller Ideen und Tatendrang. Mehr Gedanken von mir zum Wesen von LdL in meinem Blog. 😉 (Trackback kommt)

    @itari
    im Zuge der LdL-Blogparade wirst du viele Einblicke bekommen, wie wir Studenten das Wesen von LdL sachlich, fachlich und emotional erlebt haben. Stay tuned. 😉

    Die Exkursion hat sich in jeder Hinsicht gelohnt!!! Die Eindrücke gehören verarbeitet, das Gehirn ist Hyperaktiv und so gilt es auch diesmal die Fülle der Eindrücke, Erfahrungen und Informationen zu ordnen und zu reflektieren.

  6. @Mila78
    Ich bin voller Neugier! Weiter so!

  7. Mich freut es außerordentlich, dass du unsere Exkursion als so positiv empfunden hast. Ich denke, dass wir großartige Aufnahmen gemacht haben, und dass Lutz die Aufnahmen noch großartiger zusammenschneiden und präsentieren wird!

    @itari: Ich denke, du wirst demnächst mit LdL-Material (Blogbeiträge, Videoaufnahmen, …) überhäuft werden. 🙂

  8. @cspannagel
    Euer Besuch hat, wie du siehst, wieder entscheidende Impulse geliefert.

  9. Wenn ich die Beiträge so verfolge, dann bin ich von der Euphorie sehr beeindruckt. Heißt das jetzt, dass die Methode LdL flächendeckend von allen Interessierten in die Schulen transformiert wird? Auch in der Lehrerausbildung? Mach ihr dann auf dem EduCamp Sessions dazu? Gibt es schon eine Version LdL 2.0 in der Entwicklung?

    Ich bin gespannt, ob hierdurch eine „LdL-Bewegung“ ausgelöst wird und ob sie auf eure KollegInnen überschwappt….Super!

  10. @Alexander
    Im Augenblick läuft die LdL-Blogparade. Die anderen von dir genannten Ziele werden wir gleich danach anpeilen!:-)))

  11. An LdL 2.0 bin ich privat dran und schaue gerade nach den Möglichkeiten. Aber Ergebnisse werde ich wohl erst ab März präsentieren können.

  12. @mila78
    Ich dachte, ihr wollt eure Aktivitäten auf die LdL-BlogParade und auf LdL überhaupt eine zeitlang konzentrieren? Das ist ohnehin Arbeit genug für eine relativ kleine Gruppe von etwa 5 Aktiven.

  13. Sehr aufschlussreicher Blogeintrag von Spannagel zum Wesen von LdL!

  14. Eine Beobachterin des LdL-Unterrichts von Jean-Pol Martin schließt ihre Reflexion mit dem Satz “Ein weiterer Aspekt warum LdL anstrengend ist und warum nicht jeder das Zeug dazu hat.”.
    Ich denke, dass das Konzept fruchtbarer ist, als es in dieser Formulierung mitschwingt. Man braucht nicht Martins Unterrichtsstil zu folgen, wenn man Lernen durch Lehren einsetzt. Wenn LdL nur „was Martin macht“ sein sollte, wäre es kein brauchbares Konzept.

  15. @apanat
    Absolut, denn LdL wird seit Jahrzehnten konsequent eingesetzt von Kollegen, die durchaus unterschiedliche Temperamente aufweisen (siehe http://www.ldl.de )

  16. @Jean-Pol

    keine Sorge – deshalb schrieb ich ja „privat“ … und um dich selbst zu zitieren: „LdL ist nicht alles.“
    Es wäre doch dumm von uns, wenn wir nicht auch über deine Ideen hinaus denken würden. Das wäre dann um im Schulbenotungssystem zu bleiben: „Melanie, hat die Inhalte verstanden und kann diese auch anwenden“ Also ein weiteres Beispiel für die Plagiat-Wirtschaft… das wären verschwendete Ressourcen.

  17. @Melanie
    Ich meinte schon, dass es sinnvoll wäre, an LdL mit geeingten Kräften dranzubleiben, um diese Methode gezielt und zügig zu verbreiten. Aber das macht ihr ja…

  18. […] Sinne lernen: Es geht um das Informatikdidaktik-Seminar von Christian Spannnagel und um Lehren durch Lernen. Und weil eine Diskussion auch von der Kontroverse lebt, will ich in diesem Beitrag für […]

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