Wikipedia: bereits jetzt die wichtigste Wissensquelle weltweit.

Resume Lange bevor es Wikipedia gab war ich der Überzeugung, dass es eines Tages eine einzige Datenbank geben würde, in die alle Wissensträger der Welt ihre Texte einspeisen. Dafür spricht der gesunde Menschenverstand.

1. Anthropologische Voraussetzungen

Jeder Mensch sucht Anerkennung. Das Edelste, was der Mensch produziert, ist Erkenntnis und dafür möchte er belohnt werden. Einige machen daraus einen Beruf und werden fürs Forschen bezahlt. Bis heute veröffentlichen sie ihre Ergebnisse in mehr oder minder obskuren Fachzeitschriften, die nur ein paar Kollegen erreichen. Es ist ein Rätsel, warum sie ihre Texte nicht in die Wissensbank einspeisen, die jeder kennt und jeder als erstes aufsucht, die Wikipedia. Wenn die Forscher einmal ihre Ängste und Bedenken überwunden haben, werden sie ganz wild darauf sein, den Wikipedia-Artikel zu verfassen, der ihr Spezialgebiet abdeckt. Der wichtigste, aktuellste und meistgelesene Artikel über die Methode, die ich mit Hilfe vieler Kollegen entwickelt habe, also „Lernen durch Lehren“ (LdL)  ist der Wikipedia-Artikel (monatlich etwa 3000 Zugriffe). Diesen Text habe ich auch in viele Sprachen übersetzen (z.B. Chinesisch, oder Russisch) und in die entsprechenden Wikipedias einpflegen lassen.

2. Ökonomische Voraussetzungen

Es ist im Sinne der Ökonomie, wenn Fachleute sich entschließen, ihr Wissen in die einzige Datenbank einzuspeisen, die weltweit aufgesucht wird, nämlich die Wikipedia. Sie können ihre Texte ständig aktualisieren und stehen permanent unter Beobachtung. Jederzeit kann jemand, der sich ebenfalls als Spezialist für das jeweilige Thema ansieht, den Text modifizieren oder ergänzen. Dass die Wissenschaftler dieses geniale Instrument noch nicht entdeckt und angenommen haben, liegt daran, dass sie noch im alten Paradigma leben (top-down). Immer schon hinkte die etablierte Wissenschaft hinter dem tatsächlichen Stand der Innovationen. So musste beispielsweise François Ier, der französische Renaissancekönig, parallel zu den aus dem Mittelalter stammenden Universitäten neue Anstalten schaffen, die nützliches Wissen hervorbrachten und verbreiteten (Collège de France). Die alten, mittelalterlichen Unis befassten sich und ihre Studenten dann weiter mit irrelevantem Kleinkram.

Fazit Ich zweifle nicht daran, dass in absehbarer Zeit jeder Wissenschaftler bemüht sein wird, den Wikipedia-Artikel über sein Spezialgebiet zu verfassen oder zumindest zu prägen. Ich selbst habe sehr früh meine Themen besetzt und die affinen Artikel mitredigiert.

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13 Antworten

  1. Ich liebe Wikipedia. Ich bin nicht immer mit ihr einverstanden, aber das ist nicht schlimm.

    Allerdings hab ich ein grundsätzliches Problem mit Monopolen und Wikipedia ist ein Monopol geworden. Ähnlich geht es mir auch mit Google. Mir wäre es lieber, wenn es drei bis fünf Wikipedias gäbe, die unterschiedliche Informationen usw. liefern würden. Alleine wenn ich daran denke, wie wir über Amis denken und sie über uns. Mich würde auch interessieren, wie Afrikaner, Asiaten, Aborigine über europäische Kultur- und Wissenschaftsbegriffe denken usw. Auch alternative, weltanschaulich-religiöse, fantastische Betrachtungen und Meinungen wie es sie ja im Web zu Haufen (http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Hauptseite) gibt, sollte man nachschlagen können. Der Zugang zu diesem Wissen innerhalb der Wikipedia ist ‚poor‘ und es wäre besser wenn es gleich mächtige Web-Angebote gäbe, die jeder kennt und nutzen würde.

  2. @itari
    „Mir wäre es lieber, wenn…“
    Ja, das verstehe ich. Aber es ist nun einmal anders und man muss die dadurch eröffneten Möglichkeiten voll ausschöpfen. Es fragt sich auch, ob die alternativen fantastischen Betrachtungen wirklich rich sind. Gerade sie haben groteske Welten hervorgebracht. „Aborigenes“? Da muss ich mir es genau überlegen!:-))

  3. Und ich dachte, Information ist Entropie, ein Lexikon die Liste aller möglichen (und daher auch unmöglichen) Kombinationen von Worten/Begriffen, eine Enzyklopädie eine Sammlung alles Wissens/aller Inhalte (und daher auch des Unwissens und Nonsense) und googeln eine wissenschaftliche Methode. Jetzt muss ich umdenken, Wissen muss also ‚rich‘ sein … gibt es dafür eine Metrik? Ich würde mir so gern Gewissheit verschaffen wollen. Gegen ‚aber es ist nun einmal anders …‘ kann ich nicht argumentieren, das ist nicht zu toppen.

  4. Willst du deine Wikipedia-Blog-Beiträge nicht auch im Planet veröffentlichen?

    „Planet Wikimedia is a weblog aggregator operated by the Wikimedia Foundation, to bring together on-topic posts about wikis from Wikimedia community members“

    http://de.planet.wikimedia.org/
    http://meta.wikimedia.org/wiki/Planet_Wikimedia

  5. @cherubino
    Klar möchte ich das. Gute Idee. Danke. Was muss ich konkret machen?

  6. Um es polemisch zu sagen: Wenn jeder Wissenschaftler „seinen“ Artikel zu seinem Gebiet verfassen würde, wäre es der reine Horror. Edit-wars ohne Ende oder Diktatur von Wissenschaftsschulen mit Ersticken der Diskussion.
    Wir brauchen unterschiedliche Positionen, die nicht nur auf der Diskussionsseite repräsentiert werden.
    Das ginge in kollektiv erarbeiteten Artikeln, bei denen anders als bei LdL die unterschiedlichen Positionen gegeneinander gesetzt werden.
    Aber auch dann wäre eine Wissensquelle mit Monopolcharakter eine große Gefahr. Noch ist es durchaus nicht so, und es ist auch nicht zu wünschen.

  7. @apanat
    Ich sehe auch die Gefahren. Aber trotzdem meine ich, dass die Wikipedia das gesamte Weltwissen in mehr oder minder ferner Zukunft auffangen wird, weil es ökonomischer ist, eine einzige Wissensquelle zu pflegen. Sicherlich werden sich neue Strukturen einstellen, die die von dir beschriebene Fehlentwicklungen wieder auffangen. Zum Beispiel dass unterschiedliche Artikel zu einem selben Thema verfasst werden, indem jede „wichtige“ Schule ihre eigene Position darstellt und als solche kennzeichnet

  8. Spielt bei dem Wunsch, dass alle Wikipedia nutzen, nicht auch der Menschheitstraum eine Rolle, dass es eine einzige Wahrheit geben könnte, wenn man nur intensiv genug forschen würde?

    Ich halte Wikipedia für Alltagswissen und als umfangreiche Wissensdatenbank für nützlich und bin dankbar, dass sich ein paar Leute um die Pflege kümmern.

    Als Instrument für Wissenschaft halte ich Wikipedia aber nicht für sinnvoll. Wohlgemerkt die Wikipedia, und nicht die Kommunikationsform „Wiki“.

    F.

  9. @Felix
    Es gibt auf jeden Fall einen „aktuellen Stand der Forschung“. Und ich fände es sehr nützlich, wenn Forscher, die in ihrem Bereich an der Spitze sind, entsprechende Artikel für die Wikipedia verfassen und betreuen. Da könnte man auch unterschiedliche Standpunkte (in unterschiedlichen Artikeln) darstellen, je nach aktuell diskutierten Positionen.

  10. @Jean-Pol
    Ist es denn nicht so, dass selbst umfassende Fachzeitschriften diese Aufgabe übernehmen? Sind diese nicht in der Regel schon gut gefüllt?

    Ich finde es gut, wenn die Wissenschaft alltagsfähiges Wissen weitergibt, wie es von Richard David Precht („Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“) bei E. Heidenreich so treffend formuliert wurde.
    Dies gilt aber vor allem für gesichertes Wissen, welches man auch in der Wikipedia schon finden kann.

    These: Für aktuelle Forschung ist der Spagat zwischen Verständlichkeit und Wissenschaftlichkeit zu groß, weshalb viele Wissenschaftler das meiden.

    F.

  11. @Felix
    „umfassende Fachzeitschriften diese Aufgabe übernehmen? Sind diese nicht in der Regel schon gut gefüllt?“
    – Aber was spricht dagegen, dass die Quintessenz dieses Wissens an einem Ort veröffentlicht wird, der für alle weltweit zugänglich ist. Ist sehe keinen Widerspruch zwischen Fachzeitschrifte, die wenig zugänglich sind, und einem zentralen Veröffentlichungsort für die Erkenntnisse, die einem größeren Publikum zur Verfügung gestellt werden sollten.

    „These: Für aktuelle Forschung ist der Spagat zwischen Verständlichkeit und Wissenschaftlichkeit zu groß, weshalb viele Wissenschaftler das meiden.“
    – Gegenthese: Immer wenn es möglich ist, den Spagat zwischen Verständlichkeit und Wissenschaftlichkeit zu erzielen, sollten Wissenschaftler diese Leistung erbringen (Pflicht). Und Wikipedia wäre der Ort zur Veröffentlichung.

  12. […] in zwei Jahren nicht.” Die Wikipedia-Kompetenz halte ich deshalb für so wichtig, weil ich der Überzeugung bin, dass in mittelbarer Zukunft jeder Wissenschaftler versuchen muss, sein Wissen in die Wikipedia, […]

  13. Ipod: Session mit Thomas Bernhardt über meine Erfahrungen mit der Wikipedia:
    http://tinyurl.com/obr84u

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