LdL + Web2.0: Wissensmetabolismus im Klassenzimmer

Resume Seit dem Aufkommen des Internets wusste ich: in Zukunft werden die Schüler Informationen aus der Aussenwelt holen und intensiv im Klassenzimmer interagieren (LdL), um aus Informationen Wissen zu schaffen. Und jetzt ist es soweit!

1. LdL: mit Informationen Wissen konstruieren

Im Gegensatz zu Referaten oder Präsentationen wird bei „Lernen durch Lehren“ der Stoff von den Schülern so aufbereitet, dass er den Mitschülern vermittelt wird. Die aus den Unterrichtsmaterialien entnommenen Informationen sollen nicht nur vorgestellt, sondern sie sollen in der Klasse durch intensive Reflexionen und Interaktionen zu (Handlungs-) Wissen umgeformt werden (Wissensmetabolismus).

2. Das Problem bis vor einer Woche

Mit LdL hatte ich also die eine Seite des Problems gelöst: die Schüler blieben nicht Rezipienten der Informationen, sondern sie wurden zu Mitkonstrukteuren von Wissen. Allerdings stellte sich ein anderes Problem: die Schüler waren bei ihrer Wissenskonstruktion auf die Informationen angewiesen, die ich ihnen zur Verfügung stellte. War ich beispielsweise der Meinung, dass die Behandlung der Renaissance für die Schüler wichtige Einsichten bringt (epochaler Paradigmenwechsel mit zahlreichen Parallelen zur heutigen Epoche), so teilte ich Texte aus, deren Informationsgehalt naturgemäß sehr begrenzt war (Blätter, Bücher). Es war für  die Schüler unmöglich, wenn sie beispielsweise auf den Begriff „Humanismus“ stießen, mehr Informationen zu erhalten, als die im Text vorhanden.  Es frurstrierte die Schüler, die tiefer einsteigen wollten. Andere wiederum waren von meinen Texten überfordert. Ferner war ich sehr auf den Vorgang der Informationsverarbeitung fixiert und verlangte absolute Disziplin, was gelegentlich zu Konflikten führte.
3. Die Lösung
Mein Wunsch war immer, dass die Schüler vom Klassenzimmer aus jederzeit Informationen aus dem Netz holen können, insbesondere wenn sie ihre LdL-Sequenzen vorbereiten. Wenn es darum geht, dass Schüler Wissen konstruieren, dann brauchen sie mehr und schneller Informationen/Bausteine, als die, die ich ihnen per Papier liefern kann. Ich weiß nicht, warum ich immer auf Laptops fixiert war. Der Computerraum tut es auch. Jetzt bin ich in jeder Stunden drinnen und die Schüler habe jederzeit Internetzugang. Und der Ablauf ist folgender:
Vorbereitung der LdL-Sequenz mit Hilfe des Internets:
Die Schüler bekommen von mir einen kleinen Abschnitt (z.B. aus der Geschichte) zur Vorbereitung.  Wenn im Text Personen oder Begriffe enthalten sind, die sie nicht kennen, recherchieren sie (meist Wikipedia). Im Hinblick auf die spätere LdL-Sequenz laden sie in ihre Wikiseite Materialien (Grafiken, Fotos, Links, Lückentexte, Fragen zum Text). So zum Beispiel: Dennis Eberlein
– Durchführung der LdL-Sequenz
Wenn die Gruppe ihre LdL-Sequenz durchführt, kann sie zum einen per Beamer ständig auf Internet- Infos und Veranschaulichungen klicken, ferner kann sie Arbeitsaufträge erteilen, die sie bereits in ihre Seiten hochgeladen haben, oder sie können ihre Mitschüler bitten, in ihren eigenen Wikiseiten Arbeitsaufträge zu erledigen.
4. Arbeitsklima völlig verändert
Zwar habe ich bisher nur zwei Stunden im Computerraum verbracht, aber ich sehe die großen Klima-Veränderungen, die durch die Kombination LdL + Web 2.0 eingeleitet werden können. So herrschte endlich im Klassenraum die Atmosphäre, die ich mir immer gewünscht habe: die Schüler gehen zu ihrem Computer, arbeiten entspannt und zielbezogen, stehen auf und gehen zu einem Mitschüler, um ihn fachbezogen zu fragen, all das auf französisch (meine Forderung). Die störanfälligen Zentralphasen (alle müssen zuhören und mitmachen) werden stark reduziert zugunsten der dezentralen Arbeit und konzentrieren sich hauptsächlich auf die LdL-Sequenzen.
Fazit Dass die Kombination LdL + Web2.0 einen hohen  Mehrwert bringt, davon bin ich überzeugt. Insbesondere das Klassenklima muss dadurch noch stark verbessert werden. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
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5 Antworten

  1. Das klingt gut und deckt sich mit meinen Erfahrungen (auch ohne LdL). Neu und nachahmenswert erscheint hier vor allem die Kombination von Recherche und Wiki-Dokumentation.

    Wenn man keinen Computerraum zur Verfügung hat, muss man sich nicht gänzlich der Methode entsagen:
    Sofern das Internet vor allem für die Wikipedia-Recherche genutzt wird, reichen in der Regel auch die mobile Geräte der SuS aus, die sie eh immer dabei haben und deren Nutzen sie oft nicht kennen. Mit einer 2 GB Speicher-Karte kann man sich inzwischen problemlos die Wikipedia auf das Handy laden. Mehr Infos dazu hier:

    http://tinyurl.com/57ylp4

    Gruß,

    Felix

  2. @Felix
    Danke für den Link! Natürlich würde es mich freuen, wenn du den Mehrwert von LdL in diesem Zusammenhang erleben würdest. Die Wikiseite der Schüler sind nämlich ganz anders strukturiert, wenn sie sich vornehmen, den Stoff von ihren Mitschülern diskutieren und verinnerlichen zu lassen, als wenn sie ihn nur vorstellen würden. Sie müssen Übungen überlegen und hochladen, vertiefende Fragen in ihre Wikis fomulieren, also den vorzustellenden Stoff didaktisieren mit regelrechter Unterrichtsvorbereitung (allerdings ohne entsprechende Metareflexionen!:-)))

  3. […] be able to constantly get access to resources (Wikipedia) to answer questions. See his blog entry here. Felix Schaumburg has commented on this blog entry that it’s also possible to access Wikipedia in […]

  4. […] einem weiteren Artikel ergibt sich nun folgerichtig die Erkenntnis, dass, je mehr Eigenverantwortung Schüler bei der […]

  5. […] breites Feld zur freien Informationsverarbeitung eröffnet. Im Klassenzimmer kann also durch die Kombination LdL + Web2.0 mehr “Glück” […]

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