Web 2.0 in der Schule (für Scheppler)

Resume Am 17.12.08 wird Scheppler an seiner Schule eine Einführung in das von ihm erstellte virtuelle Lehrerzimmer anbieten. Er hat mich gebeten, am 17.12. per Skype einen kurzen Einstiegsvortrag zu halten.

1. Für Schüler und für Lehrer ist web 2.0 Arbeit

Mein erster Schritt in Richtung web 2.0 habe ich im Februar 2000 gemacht mit der Eröffnung eines Forums für Studenten, die meine Übung „Geschichte der Literatur“ besuchten. Ich wollte den Teilnehmern die Möglichkeit bieten, zusammen mit mir Punkte zu vertiefen, die in der Übung zu kurz gekommen waren. Die Präsenzveranstaltung selbst kam gut an, aber das Forum wurde von den Studenten nicht benutzt. Sie fanden, dass es zu viel Arbeit war. Dafür meldeten sich ehemalige Studenten, die schon längst die Uni verlassen hatten, oder interessierte Kollegen. Seitdem habe ich unzählige Wikis für Schüler und Studenten eingerichtet mit der Bitte, sich eine Benutzerseite anzulegen. Das haben die meisten aus Wohlwollen getan, aber dann nicht mehr genutzt. Allerdings und das ist entscheidend: es gab immer ein paar Schüler, die richtig in Web 2.0 eingestiegen sind, mit enormem Erfolg!

2. Tolle Seiten von ein paar wenigen erstellt

Damit man sich etwas darunter vorstellen kann, setze ich einen Link auf eine Seite, die ganz freiwillig und völlig außerhalb des Unterrichts von drei Schülern eingerichtet wurde und ein paar Tage von der ganzen Klasse benutzt wurde. Es war das UNO-Projekt, bei dem jeder Schüler die Rolle eines Staates einnahm und aus dessen Position in Krisensituationen argumentiert hat (damals Probleme mit Nordkorea). Das Angebot der Schüler kam gut an und nach einer Woche war das Ganze abgeschlossen: UNO-Projekt des LK-Französisch 06-08. Ansonsten wurde für den LK von mir und zwei engagierten Schülern eine Kursseite eingerichtet, darunter eine lückenlose Dokumentation des Unterrichts selbst, die immer wieder benutzt wurde, aber die Hauptarbeit hatte ich. Wenn die Möglichkeiten von Web 20 genutzt werden, ist der Lerneffekt gigantisch. Aber wenn man eine größere Gruppe nachhaltig zur systematischen Verwendung von Web 2.0 tools bewegen will, geht es ohne Zwang kaum.

3. Muss man das überhaupt, wenn es ohne Zwang nicht geht? Ja, das muss man!

Aus meiner Sicht liegt die Zukunft des Bildungssystems in der Blended-Learning Struktur. Massenfütterung im Gleichtakt in Lernfabriken war unvermeidbar im 20. Jahrhundert. Heute muss der Lerner in Ruhe nach seinem Tempo Informationen aufnehmen und daraus Wissen konstruieren, ohne Störung. Das geht im Klassenverband nicht. Die Zukunft sieht für mich so aus, dass Menschen phasenweise real bzw. virtuell zusammenkommen und gemeinsam Wissen konstruieren werden (Projektziel). Sie werden intensiv und in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen arbeiten. Ihre wichtigsten Werkzeuge werde Foren und Wikis sein, für die Projektleiter, die öffentlich reflektieren müssen, wird es noch einen Blog geben. Insofern stellt sich die Frage nicht, ob Web 20, sondern wie Web 2.0.

4. Hohe Prokrastinationsgefahr! Klare Ziele und Selbstdisziplin

Wenn, wie ich meine, Sinn und Zweck von Web 2.0 einzig darin besteht, neues Wissen gemeinsam zu konstruieren, dann müssen bestimmte Verhaltensweisen rasch automatisiert werden, die zielstrebige Arbeit sichern. So besteht im Web die Gefahr, dass der Spaß an der Kommunikation, der ein hoher Motivationsfaktor ist, so mächtig ist, dass die Projektziele aus den Augen geraten. Mehr als in der realen Welt verlangt Internetarbeit einen Projektleiter, der streng und genau auf die Einhaltung der zu Projektbeginn festgelegten Marschroute achtet. Ein Beispiel dafür ist das internationale studentische Forschungsmodul „Internet- und Projektkompetenz“ (IPK), in dessen Rahmen Studenten aus verschiedenen Ländern kleine Forschungsprojekte in virtueller Zusammenarbeit durchführen.

5. Neuronverhalten und Ressourcenorientierung

Damit die gemeinsame Wissenskonstruktion mit Hilfe von Web 2.0 und anderen Kommunikationstools erfolgreich verläuft, müssen die beteiligten Lehrer und Schüler sich wie Neuronen verhalten und einen ressourcenorientierten Blick entwickeln.

Fazit An web 2.0 wird niemand vorbeikommen. Wir werden gemeinsam Wissen konstruieren, ununterbrochen. Es werden kurze, arbeitsintensive Projekte durchgeführt, mit wechselnden Besetzungen. Das wird sehr anstrengend sein, und viel Spaß machen.