30 Tage für 30 Jahre: das war’s

Resume Es hat nur 30 Tage gedauert, und alle Ideen, die ich in den letzten 30 Jahren entwickelt und erprobt habe, konnten hier veröffentlicht werden. Mal sehen, wie es weitergeht.

1. Und das kam so:

Als Forscher interessiert mich nur eines: ich will neues, für die Menschheit relevantes Wissen konstruieren und dieses Wissen verbreiten.  Dazu brauche ich Partner. Wo finde ich sie und wir verfahre ich, damit sie bis zum Schluss (Produktion und Verbreitung von ‚“Wissenscontainern„) dabei bleiben? Umfangreiche Erfahrungen habe ich im Rahmen einer intensiven Wikipedia-Arbeit gesammelt. Die dort geleistete Wissenskonstruktion ist mühsam aber sehr lohnend, weil am Ende des Konstruktionsprozesses fast perfekte Produkte vorliegen, z.B. der Artikel „Lernen durch Lehren“ (hier ein typischer Fall „legitimer Selbstreferenzialität„:-))). Ferner habe ich vor langer Zeit das Modul IPK erstellt, das Studenten mit viel Druck und großer Zielstrebigkeit ebenfalls zur gemeinsamen Konstruktion von Wissen führt. In Wikipedia arbeiten nur 3 bis 4 Leute an einem Artikel, im IPK maximal etwa 100  Leute (weltweit) an Themen, die sie selbst wählen. Ich brauche aber mehr. Da traf es sich ganz gut, dass ich vor einem Jahr in die Educamp-Welt von Steffen Büffel eingeladen wurde.

2. Educamp-Leute motivieren, gemeinsam Wissen zu konstruieren?

Natürlich ist die Educamp-Population eine ganz andere als in der Wikipedia-Sphäre. Während die Wikipedia-Leute zusammen finden, um Wissen zu konstruieren (sie sehen das zwar anders „wir konstruieren kein Wissen, sondern wir bilden bereits vorhandenes Wissen ab!„, aber de facto konstruieren sie Wissen) und während die IPK-Studenten – gelegentlich gegen ihren Willen – Wissen konstruieren müssen, so wollen die Educamp-Leute in erster Linie kommunizieren und zwar vorwiegend über die Kommunikation und die dazugehörigen Tools selbst. Sie wollen auch die virtuelle  Kommunikation in die  Schule hineintragen. Das finde ich ganz toll, denn Educamp ist der Rahmen, wo das von mir und anderen erstellte Wissen diffundiert werden kann. Im Gegensatz zu den Educamp-Leuten ist allerdings meine These, dass man am besten kommunikative Kompetenz vermitteln kann, wenn man Situationen schafft, in denen die Teilnehmer sich nach kommunikativen Tools sehnen! Und das sind Wissenskonstruktionsprojekte. Der Haken dabei: es macht extrem viel Spaß zu kommunizieren in Twitter oder auf Kommunikationsplattformen, aber es macht weniger Spaß, konzentriert an einem Wissenskonstruktionsprojekt zu arbeiten.

3. Meine Versuche seit dem Educamp im April 2008 in Ilmenau

Im Vorfeld von Ilmenau und in Ilmenau selbst war es möglich, eine kleine Gruppen von sehr aktiven Leuten zu bilden. Für mich persönlich ein Traum, denn die Freak-Ambiente ist genau die, die mich inspiriert und beflügelt. Superleute, die einen kognitiv und emotional stützen und fördern! Die Namen lasse ich aus, denn die Leute mögen solche Benennungen nicht.  Es ist auch gelungen, einen Konsens in Bezug auf die Ziele zu finden. Entsprechend wurde auch eine Kommunikationsplattform geschaffen: Neuron. Es wurden auch diverse Wissenskonstruktionsprojekte angedacht und begonnen. Im Augenblick hat sich das Gros der Gruppe stärker auf die Rekrutierung von Mitgliedern und die Schaffung von weiteren Kommunikations- und Verbreitungsplattformen hingewendet (siehe insbesondere  Maschendraht). Ich persönlich kann mich nur freuen, denn auch wenn mein Schwerpunkt auf der Wissenskonstruktion liegt, so bin ich sehr froh, wenn das Wissen diffundiert wird.

4. Die nonstop Vorlesung und die Produktion des Wissenscontainers „LdL/IPK-Theorie“

Ohne Theorie läuft nichts! Im Lauf des Projektes wurde ich dazu geführt, auf die Theorie zu rekurrieren, die ich seit 30 Jahren mühsam entwickelt hatte,  um die Phänomene vorauszusehen oder im Nachhinein zu deuten. Auf diese Weise haben das Projekt und die Teilnehmer wie Hebammen gewirkt, die mir geholfen haben, das Baby „LdL/IPK-Theorie“ innerhalb von 30 Tagen auf die Welt zu bringen. Es liegt nun vor und man kann bei Bedarf immer wieder auf bestimmte Theoriebausteine zurückgreifen.

5. Wie es weitergeht

Die Theorie kann nun redundant und in unterschiedlichen Projektkontexten immer wieder zur Erklärung von Phänomenen und die Planung von weiteren Schritten eingespeist werden. Das wird die Praxis reflektierbarer machen und die Theorie selbst wird sich bei jedem neuen Projekt anreichern und aktualisieren.

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7 Antworten

  1. Die Educamps 2009 versprechen einiges… (geht schon los im Netzwerk) Ich bin schon gespannt, was der offene Mix aus Menschen verschiedenster Richtungen an frischen Wind in die Schulen und Hochschulen bringen wird!

  2. Ja, daher bin ich froh, dass ich selbst über ein klares Konzept (Theorie und Praxis) verfüge, damit ich in diesem riesigen Trubel die Orientierung nicht verlieren!

  3. Ist es zuviel erbeten, wenn ich darum bitte, die Links zu den verschiedenen Blogeinträgen in einem Blogeintrag zusammenzutragen?
    Dann hätte man die Möglichkeit, auf deine gesamte Theorie in der neusten Fassung zu verweisen, wenn man bei der vorgesehenen Blog-Aktion LdL vorstellen will.

  4. Wunsch gerade erfüllt (auch in meinem Blog-Eintrag). Die Theorie firmiert unter „Vorlesung“, also hier:
    https://jeanpol.wordpress.com/vorlesungsthemen/

  5. Auch bei Maschendraht geht es um die Instanziierung von Projekten (auf der Basis der „Maschendrahtvernetzung“) und die gemeinsame Wissenskonstruktion. So arbeiten gerade die Studenten in meinem Seminar mit Nils und seinen Schülern an LdL im Informatikunterricht; hier entstehen neue Produkte! (LdL-Unterrichtseinheiten für Informatik):
    http://de.wikiversity.org/wiki/Kurs:Fachdidaktik_Informatik
    http://emabonn.pbwiki.com/

  6. Danke für den Hinweis (ich habe diese Arbeit natürlich nicht übersehen). Im Augenblick habe ich aufgeführt, was bereits vorliegt. In meinem nächsten Block, werde ich die fertigen Produkte vorstellen und es wird die Weiterentwicklung zusammen mit der dazugehörigen Theorie beschreiben.

  7. […] alles verdichtet, was ich in den letzten 35 Jahren an Überlegungen gesammelt habe (siehe auch: 30 Tage für 30 Jahre: das war’s).  Da viele Einträge mit Querverweisen versehen sind, liegt ein kohärentes Ganze vor. Mit […]

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