Kommunikation als Kickspender und Verführung! Auf die Ziele kommt es an!

Resume Kommunizieren macht Spaß, sehr viel Spaß! Oft vergessen Menschen, dass die Kommunikation nur dazu dient, zusammen mit anderen bestimmte Ziele zu erreichen. Auch die Kommunikation über Kommunikation ist noch kein relevanter Inhalt. Oh je!

1. Warum im virtuellen Raum soviel kommuniziert und sowenig realisiert wird

Ich habe bereits beschrieben, dass der Vorgang der Informationsverarbeitung durch den Organismus belohnt wird. Es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, sonst würde das Lebewesen dies nicht tun und bald nicht mehr mit der Umwelt klar kommen. Wie alle anderen Lebensfunktionen, die im Sinne der Lebenserhaltung viel Spaß machen müssen, damit wir es überhaupt tun  (z.B. auch Nahrungsaufnahme und Geschlechtsverkehr) ist die Aufnahme von Informationen hochgradig suchtinduzierend. Das kann man beispielsweise an der Videospielsucht beobachten. Wenn Menschen sich also vornehmen, gemeinsam ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und dafür viel zu kommunizieren, ist die Gefahr immer gegeben, dass sie anfangen, permanent zu kommunizieren und dabei vergessen, warum sie es tun. Oder sie können sich auch ein gutes Gewissen verschaffen, indem sie über die Optimierung und Verbreitung von Kommunikationsmitteln kommunizieren, auch wenn sie für das zu erreichende Ziel ausreichend mit einem Telephon und einem Blatt Papier versorgt wären. Natürlich spreche ich hier nicht von den Menschen, die von berufswegen über Kommunikation reflektieren. Das ist ja ihr Job! Für sie, und nur für sie ist die Gestaltung von Kommunikationsmitteln der Inhalt. Alle anderen, insbesondere Lehrer, benutzen Kommunikationsmittel um mit ihren Schülern Inhalte zu barbeiten, im Idealfall sogar gemeinsam zu konstruieren. Da das eventuell festgelegte Ziel immer wieder aus den Augen gerät, lösen sich communities immer wieder auf und es bilden sich neue, ohne dass die Kommunikation gestört wird. Man rennt von einem Kommunikationsrausch zum anderen mit wechselnder Party-Besetzung.

2. Wikipedia als Gegenmodell: gemeinsame Wissenskonstruktion

Bei Wikipedia ist das Ziel sehr klar definiert: es wird gemeinsam Wissen konstruiert. Dieses Wissen wird in Form von Artikeln gespeichert. Alles andere ist zweitrangig. Jeder weiß, was von ihm erwartet wird, nämlich dass er sich an die strengen Regeln der Wikipedia-Arbeit hält: „wir erstellen eine Enzyklopädie, basta!“.  Zur Konstruktion von Artikeln wird natürlich sehr intensiv kommuniziert, aber dies erfolgt über ganz einfache, mintunter spröde Tools. Beim Schreiben von Artikeln ist die Autorenbesetzung zwar nicht durchgängig stabil, aber oft bilden sich Gruppen von zwei oder drei Autoren, die über Jahre hinweg an ihren Artikeln arbeiten. Natürlich kann man auch im Rahmen der Wikipedia Suchtverhalten entwickeln und sich dem Kommunikationsrausch hingeben, aber dies geschieht eher im Bereich der Wartung, insbesondere des Suchens und Stellens von Vandalen, oder in der Abwehr von Trolls. Wikipedia nenne ich deshalb ein „Gegenmodell“ zu Twitter und Blogs, weil die hedonistische Komponente fehlt. In der Wikipedia werden in spröder kommunikativer Ambiente außergewöhnliche Zielorientierung, Nachhaltigkeit und Durchhaltevermögen mobilisiert.

3. Der dritte Weg: die IPK-Struktur (oder Neuron)

In der Twitter/Blogger-Welt wird der Schwerpunkt auf den Akt der Kommunikation und der Vernetzung gelegt. Bei Wikipedia steht die Zusammenstellung und Präsentation des existierenden Wissens im Vordergrund.  Das IPK-Modul (auch Neuron-Konzept) bemüht sich um die Integration der beiden Komponenten, indem nicht nur wie in der Wikipedia existierendes Wissen präsentiert wird, sondern Wissen im Rahmen von Projekten hergestellt wird: Menschen kommen zusammen, definieren einen Bereich, über den sie Wissen erstellen wollen, entwickeln ein entsprechendes Design, führen das Projekt durch und speichern das gewonnene Wissen ins Netz. Sie lernen also zu kommunizieren, indem sie gemeinsam Wissen erstellen.

Fazit Kommunizieren lernt man am besten im Rahmen von Projekten mit dem Ziel, relevantes Wissen gemeinsam zu konstruieren. 

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6 Antworten

  1. Könnte man vereinfachend zusammenfassen, dass Kommunikation – so wie die Kunst – nicht immer einen Informations-Zweck oder Appell-Zweck haben muss, sondern auch als L’Art pour L’Art durchgeführt werden kann (und darf)?

  2. Solange es nicht den ganzen Menschen permanent beansprucht (Sucht), ja.

  3. Hallo Jean-Pol,

    der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf!

    Freundliche Grüße aus Oldenburg

    Thorsten

  4. @ths
    Danke für deine Rückmeldung! Vielleicht kannst du auf diesen Text hinweisen, denn er ist vielleicht hilfreich für den/die eine/n oder andere/n…:-))

  5. Kommunikation als Thema, im Sinn von erfolgreiche Kommunikation praktizieren können, ist für Lehrende ist wichtiges Thema. Häufig scheitert es daran die Lernenden zu erreichen. Die Kommunikationskompetenz spielt hier eine große Rolle, als Basis für alles weitere. Viele Konflikte und Probleme würden erst gar nicht entstehen bzw. gut gelöst werden können.
    Ich erlebe das ständig, nicht nur an Schulen ;-))

  6. @Alexander
    Ja, es ist auf jeden Fall wichtig. Besonders weil du durch deinen Job besonders auf diesen Punkt achten musst. Aber Lehrer sollten vielleicht doch Ziele anpeilen, die nur über viel Kommunikation zu erreichen sind. Und dann erst stellt sich die Frage der Kommunikation. Aber – um ein extremes Beispiel zu nennen – warum soll ein Lehrer, die frontal unterrichtet, sich groß Gedanken über Kommunikation machen? Noch einmal: Menschen kommunizieren dann, wenn dies zur Zielerreichung notwendig ist. Also: legen wir Ziele, die ohne Kommunikation gar nicht zu erreichen sind. Und das ist beispielsweise der Fall bei LdL, bei IPK und bei allen Modellen der kollektiven Wissenskonstruktion.

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