Stabile online-communities? Geht das?

Resume Online-Beziehungen sind volatiler als in der realen Welt, hört man. Welche Merkmale muss eine community aufweisen, damit sie über Jahre hinweg stabil bleibt?

Projekte sind wie Busfahrten

In der realen Welt, noch viel mehr aber in der virtuellen, sind Projekte, an denen man freiwillig teilnimmt, wie Busfahrten. Man kann ein- und aussteigen, wie man will. Natürlich gibt es so etwas wie eine moralische Verpflichtung, sich an Abmachungen zu halten, aber es gibt viele Möglichkeiten, sich diesen zu entziehen. Möchte jemand also ein Projekt mithilfe einer Online-Community durchführen und über genug Mitstreiter bis zum Abschluss des Projektes verfügen, muss er bestimmte Regeln beachten:

  • Festes Projektziel

Das Ziel muss so gewählt werden, dass die Mitarbeit anspruchsvoll ist und einen „transzendentalen“ appeal hat (z.B die Weltverbesserung). Andererseits muss der Weg zum Ziel sehr konkret und in Unterprojekte aufteilbar sein (z.B. die Verbreitung der innovativen Unterrichtsmethode LdL als Teilziel des Globalziels „Weltverbesserung“). Im Rahmen der IPK-Projekte wird die „Weltverbesserung“ (Globalziel) dadurch erreicht, dass internationale Studentengruppen gemeinsam relevantes Wissen in ihren jeweiligen Fächern konstruieren (Teilziele). Sie wählen selbst das Thema und die „Fahrt“ dauert ein Semester.

  • Offenheit für Ein-, Aus- und Wiedereinsteiger

Wenn die Projekte auf Freiwilligkeit beruhen, muss der Projektleiter immer darauf gefasst sein, dass plötzlich und aus nichtvorhersehbaren Gründen ein Teil der Besatzung ausbleibt. Bei Busfahrten ist es ähnlich: Leute steigen ein und aus und wieder ein, ohne dass der Busfahrer Anstoß daran nehmen würde. Allerdings darf der Busfahrer nicht selbst plötzlich das Ziel der Fahrt ändern. Wenn auf dem Schild „Honolulu“ steht und die Fahrgäste deshalb in diesen Bus einsteigen, muss der Fahrer nach Honolulu, auch wenn nur noch zwei Gäste im Bus sitzen und alle anderen sich plötzlich für Moskau entschieden haben und umgestiegen sind. Es ist für alle wichtig zu wissen, dass die Option „Honolulu“ immer noch besteht. Jeder muss wissen, dass sein Platz im Bus warmgehalten wird.

Fazit: Das Ziel muss offen genug sein und attraktiv für viele. Das Gesamtprojekt muss in Unterprojekte teilbar sein. Die Möglichkeit des Ein- und Ausstiegs muss immer gegeben sein. Der Projektleiter muss sich an seine ursprüngliche Zielsetzung halten, selbst wenn er am Ende allein sein sollte.

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7 Antworten

  1. @ Jean-Pol
    Vielen Dank für diesen Beitrag. 🙂 Die Landkarten die wir zeichnen von oben zu betrachten, hilft manchmal um den Kurs wieder aufzunehmen. Jetzt ist nur die Frage, wie viele Busfahrer sind wir eigentlich, oder, wer ist der Busfahrer… hm. Auf jeden Fall hilft es, mal drei Schritte zurückzugehen.

    Viele Grüße

    Mel

  2. @Melanie
    Vielen Dank für die Rückmeldung. Die brauche ich nämlich sehr, um sicher zu sein, dass ich nicht ganz danebenliege. Was den Busfahrer angeht, er kann gelegentlich ausgetauscht werden. Was aber bleiben muss, ist das Ziel. Meist weiß man nicht, wer der Busfahrer ist, aber man weiß, dass der Bus zur Oper oder zum Bahnhof fährt. Und darauf kommt es an.

  3. Im modernen Management sind die Forderungen nach Zielen schon lange bekannt. Man spricht von Visionen. Eine gute Vision vermag Menschen zu mobilisieren, dazu zähle ich z.B. Gandhis Vision nach einem freien Indien oder den „Traum“ von Martin Luther King.
    Merkmale einer guten Vision sind:
    – sie muss einem übergeordnetem Ziel dienen,
    – sie darf keiner persönlichen Bereicherung entsprechen,
    – sie muss leicht verständlich sein,
    – viele Menschen müssen sie wollen.
    Maschendraht benötigt ebenfalls eine gute Vision, um nicht in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen.
    Ich liebe Zitate von „alten“ Denkern wie Seneca:

    Wer nicht weiß, welchen Hafen er ansteuert,
    für den ist kein Wind ein günstiger!

    (Lucius Annaeus Seneca, röm. Philosoph,
    ~4 v.Chr. bis 65 n. Chr.)

  4. Ja. Und so ein Projekt haben wir bereits seit 7 Monaten, und es ist recht weit fortgeschritten. Vielleicht lässt sich „Maschendraht“ als Teilprojekt des Neuron-Projektes definieren. Aber ich möchte da nicht zu sehr insistieren.

  5. Wer nicht weiß wo er hin möchte, braucht sich nicht darüber zu wundern wo er ankommt (…). Viele Menschen wundern sich aber, dass sie immer wieder irgendwo ankommen, aber niemals zufrieden damit sind – Das wundert mich ;-))

    Was den Busfahrer und die Route betrifft, das kommt auf das Ziel /Vision drauf an: Wie bei anderen Projekten auch, gibt es unterschiedliche Stile den Bus zu lenken.
    Ich persönlich favorisiere den Busführerschein für so viele Beteiligten wie möglich. Das entspannt und jeder kann mal fahren. Ist sehr hilfreich, wenn es mal einen guten Geländefahrer benötigt, oder jemanden der auf Glatteis gut fahren kann usw.

    Was die Route betrifft, so ist z.B. bei Weltverbesserungsprojekten jede Route geeignet (Welt ist überall), wobei man schon von einem Ort zum nächsten fahren sollte, um die Orientierung zu behalten. (Wunder statt Wundern ;-)) Sonst passiert es leicht, das man in der Wüste im Kreis fährt und außer die Umwelt zu belasten, nichts zum Projekt beigetragen hat.

    Kennt eigentlich noch jemand den KliKlaKlavitter (?) Bus? Da passen alle rein, ob groß, ob klein!

  6. @ Jean-Pol

    Ich hatte im Neuron! das Projekt vorgeschlagen und da kamen keine Reaktionen. Ansonsten wäre der Weg eventuell (!) ein anderer gewesen. Ich sehe Maschendraht weiter als ein Projekt für die Vernetzung an und es lässt sich aus meiner Sicht gut integrieren in das Neuron! Konzept. Aber es ist nur meine Meinung und es müssten mehrere aufgreifen. *smile* Die Handlungsfläche wird ja jetzt eh nicht mehr verändert, nur die Struktur der Community.

  7. @Alexander
    Ja, so sehe ich das auch: Führerschein für alle, klares Ziel und viele Möglichkeiten dieses Ziel zu erreichen, solange die unterschiedlichen Wege realistisch sind und kohärent im Projektgefüge bleiben (Frage der Ökonomie: was kann man mit einer bestimmten Mannschaft und in einem überschaubaren Zeitraum leisten).
    @Melanie
    Gut. Dann passt es ja!

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