LdL macht glücklich(er): bedürfnistheoretische Begründung

Wir haben uns mit der Konstitution des Menschen beschäftigt und mit seinen Grundbedürfnissen, wobei ich mich auf Maslow stützte. Dabei habe ich hervorgehoben, dass alle von Maslow genannten Bedürfnisse sich einem einzigen, übergreifenden zuordnen lassen, dem Bedürfnis nach Kontrolle.  Ich habe auch ausgeführt, dass Menschen sich im Spannungsfeld antinomischer (widersprüchlicher) Bedürfnisse bewegen. Schließlich habe ich aufgezeigt, dass nach Dörner (1983)  Menschen eine Erfolgsdynamik einschlagen können, wenn sie sich explorativ (risikobereit) zeigen: je explorativer, desto mehr Erfahrungen (kognitive Landkarte), je mehr Erfahrung, desto mehr Selbstbewusstsein, je mehr Selbstbewusstsein, desto stärker das explorative Verhalten usw. Schließlich ist mir vor kurzen klargeworden, dass der Vorgang der Informationsvearbeitung ein Grundbedürfnis ist. Und nun werde ich aufzeigen, inwiefern man mit LdL mehr als mit allen anderen disktutierten alternativen Methoden (z.B. Stationenlernen oder Freiarbeit) die Grundbedürfnisse von Lernenden befriedigen kann.

1. LdL und das Bedürfnis nach Kontrolle

– Das Kontrollbedürfnis des Lehrers: jeder verlangt vom Lehrer, dass er alles im Griff hat (Direktor, Eltern und die Schüler selbst auch). Wenn die leiseste Anzeichen, dass er vielleicht seine Klasse nicht beherrscht, nach außen dringen, ist das Ansehen des Lehrers ruiniert. Da Verlust von Kontrolle vom Individuum mit Angst und Pankik verbunden ist (und Wiedergewinnung mit Triumphgefühlen) ist das Thema „Kontrolle“ das Wichtigste im Leben des Lehrers überhaupt. Er fühlt sich nur wohl, wenn er alles, was die Klasse tut, kontrolliert.

– Die Befriedigung des Kontrollbedürfnisses des Schülers ist direkt abhängig von Kontrollbedürfnis des Lehrers. Je mehr der Lehrer kontrolliert, desto weniger kann der Schüler selbstbestimmt handeln. Sein Gefühl, seinen Lebensraum zu kontrollieren, tendiert zu Null.

– Bei LdL gibt der Lehrer einen Großteil des Handlungsfeldes in die Hand der  Schüler. Er zieht sich zurück und interveniert nur, wenn die Lernaktivitäten der Schüler nicht zielführend sind. Die Schüler übernehmen die Verantwortung über fast alle Handlungen, die im Klassenzimmer erfolgen. Dennoch verliert der Lehrer nicht die Kontrolle, sondern er begibt sich auf die höhere Kontrollebene. Es ist keine Engführung mehr, sondern er befasst sich vor allem mit der Frage, ob die Lernprozesse ökonomisch verlaufen. Das entlastet ihn sehr, und die Schüler auch.

Das Bedürfnis nach Kontrolle wird bei LdL besser befriedigt als bei alternativen Methoden wie Freiarbeit oder Stationenlernen, weil die Handlungen, die die Schüler durchführen müssen, deutlich anspruchsvoller sind. Es ist schwieriger, einen neuen Stoff Mitschülern zu vermitteln, als Stationenaufgaben oder Freiarbeit zu erledigen. Bei der Bewältigung von schwierigen Aufgaben ist das Kontrollgefühl (Flow) stärker als bei einfachen.

2. Physiologische Bedürfnisse, Sicherheit, soziale Einbettung, soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn

Dass diese Bedürfnisse besser mit LdL als mit Frontalunterricht befriedigt werden, muss nicht ausgeführt werden. Wenn Schüler einen neuen Stoff anderen vermitteln ernten sie mehr Anerkennung als wenn sie im Trichtersystem Informationen des Lehrers aufnehmen. Achtung! Wenn bei LdL der Lehrer die unterrichtenden Schüler benotet, ist es nicht günstig, denn das Sicherheitsbedürfnis wird dadurch stark eingeschränkt. Es empfiehlt sich also die unterrichtenden Schüler nicht zu benoten.

Alternative Methoden wie Freiarbeit oder Stationenlernen sind weniger anspruchsvoll und verschaffen daher den Schülern weniger Anerkennung, ermöglichen weniger Selbstverwirklichung und Sinnerfüllung.

3. Das Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung

Bei LdL wird auf hohem Niveau und vielschichtig Information verarbeitet und zu Wissen transformiert. Die Schüler müssen den neuen Stoff erfassen, sie müssen ihn durchdringen, um eine interessante Vorstellung des Stoffes zu entwickeln und sie müssen den Stoff so multipolar begreifen, dass sie im Anschluss je nach Aufnahme durch ihre Mitschüler varieren, umformen, neupräsentieren müssen. Es ist die höchste Stufe der Informationsverarbeitung, bei der Erstbegegnung, bei der Vorbereitung im Vorfeld der Unterrichtssequenz und während der Unterrichtssequenz. Die höchste Stufe der Informationsverarbeitung wird also erst bei der Vermittlung erreicht. Und nur LdL sieht eine Vermittlung des Sfottes durch die Schüler vor.

Alternative Methoden wie Freiarbeit oder Stationenlernen beinhalten keine Stoffvermittlung durch die Schüler. Insofern ist die Methode LdL die einzige, die das Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung auf hohem Niveau befriedigt!

ZUM-Forum für Fragen von Referendaren, die LdL einführen wollen.

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2 Antworten

  1. Bei dieser Darstellung ist freilich der Trick, dass nur die Lehraktivität mit den anderen Arbeitsformen verglichen wird, nicht die Arbeitsform, die von den Lehrenden eingesetzt wird.
    Dennoch ist ein hoher Anteil von LdL aufgrund der angegebenen Begründung offenbar sinnvoll.

  2. Richtig. Insofern gehören Lernstationen oder Freiarbeitsphasen, wenn sie von Schülern organisiert werden, auch zu unserer LdL-Praxis und sie werden sehr oft eingesetzt.

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