Zur Struktur von dynamischen non-stop Vorlesungen

Wenn „Vorlesung“ bedeutet, dass ein präexistierendes Wissen an Zuhörer weitervermittelt wird, dann trifft der Begriff „Dynamische non-stop Vorlesung“ zu, denn alle Bausteine, die hier eingespeist werden, liegen bereits vor. Von einer traditionellen Vorlesung unterscheidet sich diese durch folgende Merkmale:

1. Linearität a posteriori

Im Gegensatz zu traditionellen Vorlesungen, deren Inhalte linear unabhängig vom Rezeptionskontext vermittelt werden, werden hier die Bausteine stets in Bezug auf den Bedarf der Hörer eingespeist, die in einem Handlungszusammenhang (Projekt) agieren. Von Zeit zu Zeit werden die Bausteine geordnet (Zusammenfassungen), damit die Genese rekonstruierbar wird (Linearität a posteriori).

2. Hohe Redundanz

Im Gegensatz zu traditionellen Vorlesungen, die Redundanz im Text vermeiden, wird hier nach jedem Beitrag auf Fragen der Leser eingegangen, unabhängig davon, ob diese Frage bereits in einem älteren Beitrag beantwortet wurde. jeder Hörer kann zu jedem Zeitpunkt ein- und aussteigen und wieder einsteigen. Sein Platz wird warmgehalten. Der große Vorteil ist, dass auch wenn ein Punkt bereits behandelt wurde, durch die in der Zwischenzeit eingegangenen Hörerreflexionen die Antwort selbst sich auch verändert hat. Die permanente Reflexion ändert auch die Inhalte. Wenn beispielsweise zu Beginn der Vorlesung „Aufmerksamkeitsökonomie“ auf eine bestimmte Weise definiert wurde, kann es sein, dass zwei Monate später eine andere leichte Verschiebung stattgefunden hat, die nur durch das Beantworten der scheinbar redundanten Frage auffällt.

3. Breite kollektive Reflexion: Differenzierung und Integration

Die Vorlesungsstruktur sichert die Integration der unterschiedlichen Denkströme, die Kommentarstruktur sichert die Ausdifferenzierung der zentral angebotenen Gedanken.

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5 Antworten

  1. But, can you dance to it?

    Brillianter Ansatz, richtige Richtung – können wir diesen digialen Ermöglichungsraum mal anhand eines Themas testen? OK, man könnte einwenden, dies ist bereits ein Testlauf, interessieren würde mich trotzdem ein inter-, besser transmedialer Ansatz, der über die hier doch ar strapazierte Gutenberg-Galaxis hinausgeht. So à la MindMaps mit Medien … wo ich Textbausteine, Audio- und Videofiles rund um ein Thema aggregieren kann? Wäre second life ein Medium dafür? Eine multimediale Timeline- oder MindMapping-Software, wo ich Files, Audio- und Videokommentare anhängen kann? Das (i)Phone tauglich ist, mobilen Zugang ermöglicht usw, also mehrere Sinne anspricht?

  2. […] Martin skizziert gerade in seinem erst vor wenigen Wochen gestarteten Blog eine mögliche “Struktur von dynamischen non-stop Vorlesungen“, die ich mit diesem Video ergänzen möchte: Gaia-Education. Was im übrigen mal wieder […]

  3. @Lutz
    Ich kann leider nur, was ich kann!:-)) Daher bin ich so dankbar um deine Hilfe! Inhaltlich geht die „Vorlesung“ so weiter, wie sie begonnen hat. Also der nächste Schritt ist, dass die Projektgruppe lernt, wie man im Rahmen der Wikipedia gemeinsam Wissen konstruiert. Danach folgt die Erweiterung unserer „Weltverbesserungsprojekte“ durch Rekrutierung von Studenten, die im internationalen Kurs IPK eingeschrieben sind. Dies, damit mehr Menschen an der „kollektiven Reflexion + Problemlösungsangebot“ beteiligt werden. Dein turn wäre, wie die kommunizierenden Menschen ihre Botschaften multimedial gestalten. Aber für unser Projekt hier ist die spröde Textkommunikation ausreichend. Für uns sinnvoll wäre, wenn du unser Projekt medial darstellt, was du ohnehin schon tust. Aber wir (oder zumindest ich) haben/habe ein klares Ablaufprogramm.

  4. @jeanpol,
    der titel triggerte bei mir ein allgemeines modell von vorlesungen, kein spezifisches seminar. vor diesem hintergrund meine fragen … und meine stoßrichtung in mehrere sinne, mehrere medien integrieren.

  5. OK. Klar! Ich verstehe! Man könnte selbst hier an eine multimediale Aufbereitung denken, beispielsweise für den nächsten Beitrag, der sehr theoretisch und spröde sein wird.

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