die meerschweinchenmetapher

Metaphern komprimieren die Komplexität. Wohlgemerkt „komprimieren“, nicht „reduzieren“. Sie haben den großen Vorteil, dass sie nicht nur umfangreiche Theoriegebäude auf ein Konzept verdichten, sondern dass – wenn die Metapher geschickt gewält ist, diese eine starke handlungsinduzierende Kraft besitzt. Dies gilt beispielsweise für die von uns geschaffene Neuronen-Analogie: Menschen sollen sich wie Neuronen verhalten, un dann wird die Welt besser. Nun bin ich vor sehr langer Zeit auf der Grundlage meiner Reflexion über die Maslowschen Bedürfnishierachie zum Schluss gekommen, dass Menschen exakt dieselben Bedürfnisse haben wie Ameisen oder Meerschweinchen. Menschen lassen sich, wenn überhaupt, nur durch ihr Bedürfnis nach Sinn von allen anderen nicht menschlichen Lebewesen unterscheiden. Das nenne ich die Meerschweinchentheorie. Das hat den großen Vorteil, dass es unsere Bedeutung sehr zurückschraubt. Wir sind gar nicht so wichtig, also können wir das Leben mit einer gewissen Distanz betrachten und nicht jede Kleinigkeit als weltbewegende Katastrophe bewerten. Das würde Theologen und Philosophen traurig stimmen, denn „das sosein im hiersein vom nebensein“ (Heidegger?) wäre nicht mehr so der hit! Und auch Jean-Pol Sartre („wir sind in die welt geworfen und tragen verantwortung“) würde an Bedeutung verlieren… Denn auch Meerschweinchen werden buchstäblich in die welt geworfen und tragen Verantwortung. Aber Sartre und Heidegger kümmern sich nicht um sie, oder?

Zurück zu meinem Anliegen: in Ludwigsburg fand eine Studentin die Meerschweinchenmetapher so handlungsleitend, dass sie sich gleich als Meerschweinchen auf den Weg gemacht hat:hier ihr Blog: SchuleUndMeerschweinchen

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6 Antworten

  1. Passend zu der Meerschweinchentheorie 😉 ist auch ein Artikel in der Brandeins vom Oktober: „Die Biene. Ein Vorbild“ (…) improvisieren, flexibel sein, Entscheidungen treffen…. und natürlich sich selbst nicht so wichtig nehmen! Also die Tiere sind derzeit wieder sehr gefragt… Einfach mal loslassen und von ihnen Lernen? Meistens kommen ja sofort die „Ja, aber….“ Einwürfe (also Nein, wie können wir uns mit Tieren vergleichen) – Ja, aber was spricht denn dagegen?

  2. Danke, Alexander, ich wusste, das würde dir gefallen!

  3. Bei mir selbst hat die Meerschweinchen-Theorie Eindruck hinterlassen und ich verwende sie auch gerne mal in anderen Seminaren (da kommen die „ja, aber…“ s immer 😉 )
    Bei der Bienen-Theorie, habe auch ich „ja, abers“ … die Bienen sind ein gut organisiertes Volk, genau wie die Ameisen. Es sind gar diktatorische Strukturen und die Einzelne kommt nur zum Vorschein wenn sie die Arbeit boykottiert. Anders gesagt, wir sprechen von einem Meerschweinchen = Mensch und den Bienen = Menschen. Das Neuronen-Konzept kann aber doch nur Früchte tragen, wenn sich jeder Einzelne als solche versteht. Die Vielfältigkeit entsteht dabei eben doch wieder durch die Ansätze von Sartre und Co. Jeder von uns nimmt sich wichtig und mal von dem Kreis gesprochen der sich gerade um unseren „Flow“ gesammelt hat, ist doch jeder grundlegend Verschieden. Da schießen die Neuronen von tollen Charakteren und docken im großen Netz an. Deshalb… versteh ich mich lieber als Meerschweinchen anstatt als eine Arbeiterbiene (jaja, das gute alte Ego) 😉

  4. […] legitim, wenn man wie jedes andere Lebewesen auch seine Grundbedrüfnisse befriedigen will (”Meerschweinchenmetapher“). Man soll dies aber nicht nach außen anders darstellen (Selbstidealisierung). Wenn man die […]

  5. […] ich mit der Denkbeschäftigung mein Bedürfnis nach Sinn befriedigen will, wie JPMartin es in der Meerschweinchenmetapher beschreibt. Diesen Sinn kann ich ausgerechnet in der Statistik noch nicht erkennen. Interessant […]

  6. […] ist legitim, wenn man wie jedes andere Lebewesen auch seine Grundbedrüfnisse befriedigen will (“Meerschweinchenmetapher“). Man soll dies aber nicht nach außen anders darstellen (Selbstidealisierung). Wenn man die […]

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