die meerschweinchenmetapher

Metaphern komprimieren die Komplexität. Wohlgemerkt „komprimieren“, nicht „reduzieren“. Sie haben den großen Vorteil, dass sie nicht nur umfangreiche Theoriegebäude auf ein Konzept verdichten, sondern dass – wenn die Metapher geschickt gewält ist, diese eine starke handlungsinduzierende Kraft besitzt. Dies gilt beispielsweise für die von uns geschaffene Neuronen-Analogie: Menschen sollen sich wie Neuronen verhalten, un dann wird die Welt besser. Nun bin ich vor sehr langer Zeit auf der Grundlage meiner Reflexion über die Maslowschen Bedürfnishierachie zum Schluss gekommen, dass Menschen exakt dieselben Bedürfnisse haben wie Ameisen oder Meerschweinchen. Menschen lassen sich, wenn überhaupt, nur durch ihr Bedürfnis nach Sinn von allen anderen nicht menschlichen Lebewesen unterscheiden. Das nenne ich die Meerschweinchentheorie. Das hat den großen Vorteil, dass es unsere Bedeutung sehr zurückschraubt. Wir sind gar nicht so wichtig, also können wir das Leben mit einer gewissen Distanz betrachten und nicht jede Kleinigkeit als weltbewegende Katastrophe bewerten. Das würde Theologen und Philosophen traurig stimmen, denn „das sosein im hiersein vom nebensein“ (Heidegger?) wäre nicht mehr so der hit! Und auch Jean-Pol Sartre („wir sind in die welt geworfen und tragen verantwortung“) würde an Bedeutung verlieren… Denn auch Meerschweinchen werden buchstäblich in die welt geworfen und tragen Verantwortung. Aber Sartre und Heidegger kümmern sich nicht um sie, oder?

Zurück zu meinem Anliegen: in Ludwigsburg fand eine Studentin die Meerschweinchenmetapher so handlungsleitend, dass sie sich gleich als Meerschweinchen auf den Weg gemacht hat:hier ihr Blog: SchuleUndMeerschweinchen