Spannagel, der digital-native Professor? Ja, aber… Ein Angebot.

1. Ausgangspunkt: ein bisschen gemeinsame Geschichte

Als ich auf die Plattform zur Vorbereitung des ersten Educamps in Ilmenau (April 2008) hingewiesen wurde, war ich voller Erwartungen: ich war gerade in einem heftigen Kampf um die  Prädizierung „lesenswert“ des Artikels „Lernen durch Lehren“ in der Wikipedia verwickelt und dachte, dass ich im Rahmen von Educamp genau die Leute finden würde, die Web20-fitt einsteigen. Ich sprach dich (und ein paar andere) auf der Educamp-Plattform an und machte euch den Vorschlag, um uns warmzulaufen, den „Lernen durch Lehren“-Artikel auf „lesenswert“ upgraden zu lassen.

Zu meiner Verblüffung teilten mir die meisten Angesprochenen mit, dass sie keine Erfahrung mit aktiver Mitarbeit in der Wikipedia hätten.

2. Digital devide: Wikipedia-Kultur vs. Twitter-Kultur?

Wikipedia-Kultur: Als ich 2004 von Wikipedia erfuhr, wusste ich: „Das wird einmal die einzige, weltweite Wissensquelle“. Aus anthropologischen und ökonomischen Gründen: warum das Wissen zerstreuen, wenn es weltweit an einem Ort sein kann (ökonomischer Grund) und warum sollen Menschen verstreut publizieren, wenn der einzige Wissensreservoire, auf den jeder zurückgreift, die Wikipedia ist (anthropologischer Grund)? Ab diesem Zeitpunkt war klar: das Wissen, das ich mit meiner Forschung erzeuge, werden ich in die Wikipedia einspeisen. Die Wikipedia ist der Ort, an dem das gesamte Weltwissen sichtbar für alle emergiert. Voller Freude verfasste ich einen theoretischen Artikel in diesem Sinne für die Wikipedia, der sofort verspottet und mit einem Löschantrag belegt wurde. So komisch es klingt: die Wikipedianer sind in der Regel sehr geprägt vom alten Paradigma und enorm um Seriosität bemüht. Alles, was ein bisschen spekulativ ist, hassen sie. Diese Haltung hat den großen Vorteil, dass die Wikipedia ein Hort der Stabilität und der Nachhaltigkeit ist. Hier wird Wissen konstruiert, und zwar extrem zielstrebig. Der in der Wikipedia herrschende Ton ist oft wehleidig, manchmal extrem brutal. In der Wikipedia habe ich viel auch für das reale Leben gelernt (ich gehe spielerisch um mit Aggressionen im realen Leben). In der Wikipedia wurde ich unermüdlich unterstützt von stabilen Partnern, jahrelang bis heute: Benutzer:GS, Benutzer:Ot, Benutzer:Cethegus sind beispiele, die mir spontan einfallen.

Twitter-Kultur:Ganz anders bei Twitter. Hier rennt man ständig von einem Ort zum anderen, gelegentlich kopflos. Hier sind eher Jäger und Sammler am Werk. Es werden Tonnen von Informationen hin- und hergeschoben, Wissensaggregate emergieren dann auch, aber das geduldige, nachhaltige Konstruieren an einem kleinen Wissensgebäude, wie es der Fall in der Wikipedia ist, fehlt. Bei Twitter ist im Gegensatz zur Wikipedia der Umgangston ausgesprochen freundlich!

Die Kombination bringt’s: wie bereits Claudius Konrad es vermerkte: wir brauchen alles. Twittern (Sammeln von Informationen), Wikis (erste Phase der kollektiven Wissenskonstruktion), Blogs (individuelle Wissenskonstruktion) und schließlich die Wikipedia als dynamisches Reservoire für Weltwissen.

3. Mein Angebot an Spannagel

Damit du endgültig zum digital-native-Prof wirst,  schlage ich dir vor, dass du die letzte Stufe, also die Wikipedia-Stufe erklimmst. Man lernt eine Menge dabei. Eine erste Übung wäre, dass wir gemeinsam meinen Artikel „Netzsensibilität„, der nach einer längeren Diskussion in der Wikipedia gelöscht wurde (Vorwurf: „Theoriefindung“), noch einmal einbringen. Wir müssen dann belegen, dass der Begriff anerkannt und etabliert ist (das wird nicht so leicht sein). Eine weitere Übung wäre, dass du selbst aus deinem Spezialgebiet einen Artikel verfasst une hochlädst (oder einen bereits bestehenden Artikel ergänzst). Auch nicht schelcht wäre, wenn es uns mit allen, die helfen wollen, meinen Artikel „Lernen durch Lehren“ als „lesenswert“ prädizieren lassen (das ist eine sehr harte Prüfung).

Und wenn du dich fragst (du wirst dich nicht fragen, soweit kenne ich dich schon) warum ich das alles hier kommuniziere, dann ist die Antwort ganz evident:

Du und ich sind „öffentliche Wissenschaftler„!:-)))