Immersion. Marcus Birkenkrahe.

IMMERSION
Mit seinem Blogeintrag öffnet Marcus Birkenkrahe den Weg zu einer wissenschaftlichen, systematischen Beschreibung von LdL als Methode für Online-Angebote.
Ganz wesentlich erscheint mir das für LdL zentrale Ziel, Immersive Strukturen als Lernumwelten anzubieten:

“In LdL ist es die schrittweise Vertiefung des Lernens sowohl auf Seiten der lehrenden Schüler/Studenten, als auch auf Seiten der be-lehrten Schüler/Studenten, die mich am meisten an diese Immersion erinnert. Einen Konflikt kann ich hier also theoretisch ebenfalls nicht erkennen. Für eine weitergehende Instrumentalisierung des Begriffes Immersion im Rahmen von LdL fehlen mir hier Wissen und Zeit. Summarisch sagt mir mein Gefühl und meine bisherige (äußerst begrenzte) LdL Erfahrung, dass der LdL Ansatz sich sogar besser eignet, um über Vertiefung Immersion herzustellen.”
http://birkenkrahe.com/wordpress/ldl-online/

Marcus Birkenkrahe: LdL als Methode für Onlinecourse.

[Text meines Vortrags beim Hangout zum 2. LdLMOOC am 3.11.2014. Mitschnitt (Google+) | Text (PDF) | Präsentation (Slideshare) — danke an Lena Zauner, Jean-Pol Martin, Monika E. König und Peter Ringeisen!].


LdL-Online – 3.11.14

Jetzt wird es also allmählich ernst: die Sitzung beginnt in viereinhalb Stunden, und ich muss mir jetzt überlegen, was ich im Verlauf von ca. einer halben Stunde zum Thema “Lernen durch Lehren in Online Veranstaltungen” eigentlich zu sagen habe bzw. sagen möchte.

Ich werde mal so vorgehen, dass ich zunächst das Verhältnis von LdL (“Lernen durch Lehren” nach Jean-Pol Martin) und online Lehre allgemein beleuchte, d.h. für das sog. Blended Learning (Präsenzlehre im Zentrum, Online als Erweiterung); dann mache ich einige Bemerkungen zu dem Thema, das mich gegenwärtig persönlich am meisten umtreibt, nämlich reine Online Lehre.  Am Schluss dann noch mein aktuelles Projekt (“Research Methods for Androids“) als Beispiel.

In jedem der Abschnitte werde ich, wo es passt, ein paar Thesen absondern, die ich dann am Schluss noch einmal zum Zweck der Diskussion in der Übersicht zeige.

LdL und Online beim Blended Learning

Zurzeit der ersten Publikationen von Martin und anderen (Mitte der 1980er) war das Netz mit all seinen Möglichkeiten und Einschränkungen weder in Schule noch Universität auf breiter Front angekommen.

Trotzdem nimmt LdL diese Möglichkeiten und Einschränkungen des Netzes bereits auf verschiedenen Ebenen voraus – das ist auch gleich meine erste These:

Neuronenmetapher = Netzrealität

Die “Neuronenmetapher” ist vom Präsenzunterricht nicht nur leicht auf eine Netzsituation erweiterbar, sondern sie zeigt hier erst ihre wirkliche Macht. Die Essenz dieser Metapher ist für mich, dass die traditionelle Dynamik Schüler-Lehrer oder Student-Dozent durchbrochen wird. Indem alle Teilnehmer der Lehr- (und Lern!) Veranstaltung als (definitionsgemäß gleichwertige) „Neuronen“ gesehen werden, werden ganz neue Verhaltensmuster möglich. Gleichzeitig wird die traditionelle Dynamik nicht einfach radikal abgeschafft. Man könnte diese Metapher noch weiter entwickeln (vielleicht haben Martin oder andere das auch getan?) und mit einbauen, dass es ja durchaus völlig verschiedene Typen von Neuronen gibt – d.h. das Rollenkonzept lässt sich auch berücksichtigen ohne dass man die Metapher verlässt.

Bevor ich mich aber in abstrakten Überlegungen verliere, hier zur Übung und zur Gewöhnung ein Beispiel. Bei den Beispielen werde ich mich auf die im deutschen Wikipedia LdL-Eintrag auffindbare Tabelle „die Klasse als neuronales Netz“ beziehen1.

Hier geht es weiter

#LdLmooc2, der 4.Hangout

Stoffvermittlung bei LdL? Peter Ringeisen beschreibt den Prozess!

Peter Ringeisen Noch hinterher:
Man könnte auch sagen, dass die Stoffvermittlung der Beginn der Transformationsphase ist, die aus Vorstellung, Umwälzung und (gegenseitiger) Überprüfung besteht
Vorbereitung: Daten werden (über Komplexitätsreduktion) zu Information
Transformation:
- Die Information wird der Klasse vorgestellt
- Durch Übungen und Nachfragen wird die Information umgewälzt und die Information wird zu Wissen umgearbeitet
- Durch Nachfragen des Schüler-/Lehrer-Teams an die Klasse und durch Nachfragen der Klasse an das S-/L-Team versichert man sich gegenseitig, ob die Umarbeitung geglückt ist, und aus Einzelwissen wird kollektives Wissen (–> Flow)

Oder?

#LdLmoocs und Nachhaltigkeit?

Aus Facebook.

Mich beschäftigt gerade die Frage der “Nachhaltigkeit”. Wenn ich beispielsweise Isabelle Schuhladen Le Bourhis betrachte oder Laura Gabbiano, dann habe ich das Gefühl, dass das Thema LdL sie nie mehr verlassen wird (oder umgekehrt, sie das Thema nie mehr verlassen werden!:-) Wie ist es aber mit den unterrichtenden KollegInnen, die im Rahmen unserer Moocs zum ersten Mal damit in Berührung kommen? Wie ist es beispielsweise mit Sabine Strauss, die richtig mächtig eingestiegen ist? Sind die LdL-Moocs vergleichbar mit anderen, die vorwiegend Stoffvermittlung anstreben? Oder Raffaelina Rossetti? Haben diese LdL-Moocs bei ihr nachhaltig gewirkt? Das Gegenteil würde mich sehr überraschen! Und Monika E. König? Unterscheidet sich unser Mooc von anderen in der Tiefenwirkung? Kann man sich wochenlang mit einer bestimmten Anthropologie/Pädagogik/Didaktik befassen und sie einige Monate später ganz aus dem Blick verlieren? Ich habe nur die TN genannt, die mir gleich in den Sinn gekommen sind, aber natürlich hätte ich auch Angelika Mogk erwähnen können, oder… (aber ich höre lieber auf…):-)

  • Angelika Mogk Nachhaltigkeit. Interessant, dass du dich danach fragst. Ich habe im letzten Semester in einer Hausarbeit an dem Thema etwas rumgekratzt. Allerdings nur im Zusammenhang mit xMOOCs. Für mich ist es so, dass du durch deine Facebook-Posts LdL immer im Augenwinkel aktiv hälst. Da ich Facebook momentan regelmäßig nutze, kann es für mich gar nicht verschwinden. Auch wenn ich nicht so intensiv dort eingestiegen bin wie ich für mich wünschenswert halte, so denke ich bei der Planung von Aktivitäten in der Regel daran, ob ich zumindest Elemente davon einbauen kann. Außerdem habe ich eher ein Auge darauf, ob in Lernarrangements entsprechende Möglichkeiten vorhanden sind. Die Wirkung des MOOCs war durchaus nachhaltiger als manches andere, das ich bisher online gemacht habe. Nachhaltigkeit hat aber anscheinend etwas damit zu tun, ob die Inhalte denen ich begegne für mich eine Bedeutung gewinnen können. Das geht gut mit den Sachen für die ich bereits eine Disposition habe, also die irgendwie in mein persönliches Gesamtkonzept passen. Kann ich sie darin unterbringen, dann finden sie auch einen Platz für zukünftige Anwendung oder zumindest gedankliche Berücksichtigung. Interessanterweise kann das über unterschiedliche Lehrmethoden geschehen. Hat mich eine Sache gepackt, dann lese ich gebannt oder höre gebannt zu und denke dazu nach und erstelle vielleicht eine Karte oder ein Bild oder einen Blogbeitrag oder führe eine Diskussion. Oder schreibe beispielsweise einen Kommentar wie hier. Manchmal bin ich allerdings auch einfach von Dingen fasziniert und dann steigt die Offenheit dafür. Und damit erreichen mich Informationen auf einer tiefer gehenden Ebene. Das ist dann so als würde sich etwas öffnen, statt dass Informationen nur auf der Oberfläche bleiben und schnell wieder verloren sind. Und so etwas wird auch ohne die unmittelbare Anwendungsmöglichkeit zu haben leichter erinnert und weitergenutzt.
  • Jean-Pol Martin Danke sehr! Ja, so stelle ich mir das vor. Und damit ist schon viel erreicht. Daher finde ich auch besonders wichtig, dass wir die Theorie zu Beginn und recht intensiv behandeln, weil sie auch für Nicht-Lehrer interessant sein kann. Was die Lehrer angeht, so besteht bei mir die Hoffnung, dass sie LdL in ihrem Unterricht erproben und nie mehr davon wegkommen, auch wenn sie es nur ab und zu, wenn es sich gerade in einer Klasse anbietet, einsetzen.
  • Roma Maria Mukherjee Zur Nachhaltigkeit in meinem Fall kann ich Folgendes sagen: seit ich zum ersten Mal von LDL gehört habe, hat mich die Methode interessiert und begeistert. Leider hatte ich zum Ende des 1. MOOC zu wenig Zeit. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass es einen weiteren MOOC zu dem Thema gibt. Auch hier geht mir so langsam die Zeit aus, ich möchte aber unbedingt bis zum Ende “dabeibleiben”. Ich würde auch noch einen 3. oder 4. mitmachen Ich habe mit vielen über die Methode gesprochen (die sie vorher nicht kannten) und denke häufig darüber nach, welche Elemente aus meinem “Unterricht” damit bereits korrespondieren bzw. was man ausbauen könnte. Selbst wenn ich in meiner Tätigkeit kein reines LDL machen werden kann, beschäftigt mich die Methode sicherlich nachhaltig – auch in theoretischer Weise. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, dass ich mich durchaus über einen langen Zeitraum gedanklich immer wieder mit etwas beschäftige, die “hermeneutische Spirale” halt.
  • Raffaelina Rossetti Für mich war sehr schnell klar, dass LdL über den Schulrahmen hinaus ein Wahnsinnspotenzial hat. Ich schließe mich sowohl den Gedanken von Angelika Mogk als auch Roma Maria Mukherjee an. Für mich ist die Theorie so wichtig, weil man dadurch einen klareren Zugang zur Umsetzung in der Praxis hat und auch erkennt, wo sich LdL überall einsetzen läßt.
    Zum Abschluß eines Seminars zur Bertriebsratstätigkeit habe ich dem Referenten aus Münster natürlich gleich wärmstens die LdL-Tagung empfohlen und er will sie auch an Lehrer aus seinem Bekanntenkreis weiter empfehlen. Wenn auch nichts daraus werden sollte, so suche ich jede Gelegenheit, um die Samen zu streuen. Wo die Saat dann letztlich aufgehen, wird sich vielleicht eines Tages zeigen.
    Privat hat mich die LdL-Haltung in meiner Beziehung zu meinem Sohn sehr beeinflußt. Ich behandle ihn stärker auf Augenhöhe und gebe ihm bewußter die Möglichkeit, mir seine Überlegungen mitzuteilen und ihm nicht schon vorher meine mitzuteilen.
  • Jean-Pol Martin Danke! Ich bin froh, dass ich diese Frage gestellt habe! Ich werden Eure Beiträge in meinem Blog speichern, um sie immer griffbereit zu haben!
  • Raffaelina Rossetti Vielen Dank für Deine Redundanz, Jean-Pol! Bis eine Haltung sich verfestigt, ist dies ein wichtiges Mittel der permanenten Erinnerung gegen das Einschlafen durch festgefahrene Gewohnheiten.
  • Jean-Pol Martin Es muss natürlich eine Balance gefunden werden zwischen in Erinnerung rufen und nerven!
  • Raffaelina Rossetti Gerade deshalb wollte ich Dir das Feedback geben, dass es nicht nervt, zumindest mich nicht. Ich empfinde es als Angebot. Wer es nicht lesen möchte ider kann, muss ja nicht!
  • Jean-Pol Martin Danke! Ich habe mich für Redundanz entschieden und ziehe das einfach durch!

Fernsehbericht 1992 zu LdL: heute noch ganz aktuell! Alles ist drinnen!

#ldlmooc2 Produkte der Teilnehmer

LdLMOOC2 Hangout #1: LdL-Theorie (Video)

Produkte der Teilnehmer: Visualisierungen von Theoriebausteinen

  1. LdL und Wissensarbeit von Zsuzsanna Solti Benndorf
  2. Visualisierung von Marc Schakinnis: Überprüfung an der Theorie (Prezi)
  3. Blogeintrag und Visualisierung von Angelika Mogk
  4. Wissenscontainer (von frauzetpunkt – Speicherung des Videos muss noch geklärt werden)
  5. Die Ameisen von Marcus Birkenkrahe (Blog)
  6. Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität (2009) – Prezi von Peter Ringeisen
  7. Visualisierungen von Raffaelina Rossetti (LdL allgem., Konzeptualisierung, Permanente Konzeptualisierung)
  8. Umfeld der Entstehung von LdL (Filzflausch)
  9. Königsweg des Herzens (Anita Sporer):
    LdL-Unterricht im FlowGegenüberstellung LdL/Frontalunterricht
  10. Kognitionspsychologisch fundiertes Curriculum im Fremdsprachenunterricht (1/2) (Andrea Kellermann)
  11. Kognitionspsychologisch fundiertes Curriculum im Fremdsprachenunterricht (2/2) (Andrea Kellermann)
  12. Für eine Übernahme von Lehrfunktionen durch Schüler (Andrea Kellermann)
  13. Unterrichtsphasen in LdL (frauzetpunkt)
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