Francis Bacon’s Idole und das Menschenkonstrukt.

Resume Seit der Antike befassen sich Philosophen mit der Frage, welche Bedingungen und Grenzen wir bei der Suche nach Erkenntnis vorfinden. Francis Bacon nennt “Idole des Geistes” die Vorurteile, mit denen wir an die Realität gehen. Ein solches Idol ist auch “mein” Menschenkonstrukt.

1. Hintergrund

Die Philosophen der Antike waren im Allgemeinen der Ansicht, dass unsere Sinne uns täuschen und dass wir die Realität über die Sinne nicht erfassen können. Platon postulierte eine veränderliche, vergängliche, unvollkommene Welt der Erscheinungen auf der einen Seite und eine davon getrennte unveränderliche, unvergängliche, vollkommene Welt der Ideen auf der anderen, die nur der Vernunft zugänglich war. Nach dem Mittelalter, das dem Jenseits zugewandt war, stellte sich in der Renaissance akut die Frage, was der Mensch mit seiner sinnlichen und kognitiven Ausstattung in der Lage war, an Wahrheit zu erkennen. Francis Bacon analysierte unsere Denkinstrumente und stellte fest, dass wir mit Vorurteilen (Idolen) an die Realität herangehen und daher unsere Wahrnehmung fehlerbehaftet ist:

- Idole des Stammes: Der Verstand hat die angeborene Neigung, in der Natur der Dinge immer nach Symmetrien und Korrespondenzen zu suchen, die dort gar nicht existieren.

- Idole der Höhle: Irrtümer, die durch kulturelle Einflüsse entstehen: So neigen Menschen dazu, Einsichten, die sie für besonders wichtig halten, auch allem anderen, das sie verstehen wollen, zugrundezulegen.

- Idole des Marktes: falsche Begriffe, die sich durch den täglichen Gebrauch der Umgangssprache in den Verstand einschleichen.

- Idole des Theaters: falsche Begriffe, die sich aus der Rezeption philosophischer Theorien ergeben.

Später befasste sich Descartes mit der Frage, was wir als Menschen als sicheres Wissen deklarieren können und kam auch die Formel “ich denke, also bin ich, ich zweifle, also bin ich”.  Ausgehend von diesem Kern wollte er die Welt logisch und nur vom Denken heraus begreifen. Kant schließlich fand heraus, dass es auf der einen Seite die reale Welt gibt, auf der anderen Seite unser Denkapparat, der nur über eine Brille die Realität erfassen kann: die Brille der Kausalität, der Zeit und des Raumes.

2. Das Menschenkonstrukt ist ein Idol (im Baconschen Sinne)

Wenn ich davon ausgehe, dass in Phasen des Umbruchs, wie sie Descartes und Kant erlebten, ein Bedarf nach einer Definition und Beschreibung menschlichen Denkens und menschlicher Natur besteht, wenn ich ferner feststelle, dass wir uns heute ebenfalls in einem Paradigmenwechsel befinden, dann besteht der Bedarf an einer Aktualisierung unseres Menschenbildes. Die Erkenntnisse liegen verstreut vor, man muss sie nur in ein kohärentes, operationalisierbares Ganze zusammenfügen. Das ist der Sinn meines Menschenkonstruktes. Allerdings wird dadurch ein neues Idol im Sinne von Francis Bacon aufgestellt. Hauptsache, es dient unserer Handlungsfähigkeit.

Fazit: Wir brauchen kognitive Instrumente, damit wir uns im Leben orientieren können. Dass diese Instrumente unscharf, vielleicht sogar fehlerhaft sind, damit müssen wir uns abfinden!:-)) Die Instrumente werden ohnehin permanent neujustiert!

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